Kevin Magnussen - Haas - F1-Test - Barcelona - 28. Februar 2020 Stefan Baldauf
Haas VF20 - Formel-1-Auto - 2020
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Haas VF20 - Formel-1-Auto - 2020 24 Bilder

Sparkurs wegen Budget-Ungewissheit

Keine Upgrades bei Haas

Noch gibt es viele Fragezeichen, was den Formel-1-Kalender angeht. Deshalb plant Haas zunächst ohne teure Updates. Erst muss die Budgetfrage geklärt werden – und die hängt unmittelbar mit der Anzahl der Rennen zusammen.

Diese Pandemie stellt alles auf den Kopf. Nichts ist mehr, wie es war. Die Formel 1 hat zwar inzwischen ein Datum für den Neustart festgelegt. Doch bislang stehen nur die ersten acht Rennen fest. Und über zwei Grands Prix davon hängen noch Fragezeichen. Die Rennen in Silverstone können nur stattfinden, wenn die britische Regierung tatsächlich die Einreisebestimmungen lockert.

Der zweite Teil des Rennkalenders hängt noch völlig in der Schwebe. Die Teams rechnen damit, in Bahrain und Abu Dhabi am Ende des Jahres fahren zu können. Doch wie sieht es zwischen dem achten Rennen in Monza und dem Saisonfinale aus?

Es kursieren viele Kandidaten, doch nirgends herrscht Klarheit. Es dürfte darauf hinauslaufen, dass die Formel 1 noch ein paar Europarennen dranhängt. Doch auf welchen Strecken? Mugello, Imola, Hockenheim, Portimão, Jerez?

Budget steht noch nicht fest

Die Ungewissheit stellt die Teams vor Herausforderungen. Ihren normalen Update-Fahrplan werden sie nicht verfolgen können. Weil zu viele Fragen offen sind. Wo wird gefahren? Wie viele Rennen gibt es überhaupt? Mit welchen Einkünften aus dem Rechte-Topf können sie tatsächlich rechnen?

Bei Haas sind deshalb zunächst einmal überhaupt keine teuren Upgrades eingeplant. "Wir können darüber erst entscheiden, sobald wir wissen, wie viele Rennen wir fahren. Daraus leitet sich das Budget ab. Im Moment wissen wir nicht, was wir wirklich einnehmen und was wir dann ausgeben können", sagt Teamchef Guenther Steiner.

Erst ab 15 Grands Prix fließen die gesamten Millionen der TV-Anstalten, der Serien- und Streckensponsoren. Das allein macht über eine halbe Milliarde Euro aus. Ansonsten müssten der Rechteinhaber Liberty Media – und damit auch die Teams – mit Abschlägen leben. Die gibt es ohnehin schon. Zum Beispiel fallen die üblichen Einnahmen aus dem Paddock Club weg, weil die Formel 1 hinter verschlossenen Türen fährt.

Haas ohne Shakedown

Natürlich werden die Teams auch Kosten sparen. Zum Beispiel durch die verringerte Anzahl an Rennen. Auf 22 wird man in diesem Jahr nicht kommen. Liberty Media strebt aber mindestens einen Kalender mit 15 bis 18 Grands Prix an. Oder durch geringere Reisekosten. Doch noch sind das alles nur Variablen. Die Summen stehen nicht fest. Und deshalb will Haas erst einmal abwarten, bevor neue Teile ans Auto kommen.

Der US-Rennstall wird laut eigener Aussage zum Rennen in Österreich mit dem Auto antreten, das vor über drei Monaten bei den Testfahrten in Barcelona 3.147 Kilometer abgespult hat. Erst wenn Klarheit besteht, könnte der VF-20 aufgerüstet werden.

Romain Grosjean - Haas - F1-Test - Barcelona - 26. Februar 2020
Stefan Baldauf
Haas wird bei den ersten Rennen mit dem gleichen Auto antreten, das wir schon von den Testfahrten kennen.

"Es wäre das schlimmste, wenn wir vorher Geld ausgeben, das wir nachher nicht haben. Vielleicht bringen wir später noch Updates ", erklärt der Teamchef. Viele Updates werden dann aber ohnehin nicht kommen. Weil es mit den Rennen Schlag auf Schlag geht und Neuerungen eine gewisse Vorlaufzeit brauchen.

Auf einen Shakedown vor dem Saisonstart in Österreich verzichtet Haas. "Wir haben nicht die Kapazität, noch einen Filmtag einzulegen", erzählt Steiner. Ohnehin sieht der Südtiroler darin keinen allzu großen Nutzen. "Für unsere Fahrer macht es keinen Unterschied. Sie werden bereit sein. Ich glaube, viele Teams haben das in gewisser Weise als eine Art Ausrede genutzt. Wir können uns auch in unserer Fabrik in Banbury an die neuen Protokolle und Abläufe gewöhnen."

Jeder Fehler doppelt bestraft

Während die meisten Teams ihre Autos für den Saisonstart aufrüsten, muss Haas mit dem alten Paket leben. Steiner sucht das Positive. "Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Upgrades meistens nicht so viel bringen, wie man sich erhofft hat. Und es dauert, bis man sie richtig versteht und ihr Potential voll entfaltet." Soll heißen: Während die Konkurrenz im Training ihre veränderten Pakete erst evaluieren muss, muss Haas nicht erst lernen.

Steiner schwört seine Mannschaft auf die neue Saison ein. "Wir dürfen keine Fehler machen. Darum wird es gehen. Jeder Fehler wird stärker bestraft, weil es weniger Rennen gibt, um einen wettzumachen. Für uns bedeutet das: Kopf runter, leben mit dem, was wir haben und das Beste daraus machen."

Das heißt auch, dass die Fahrer ein Sicherheitsnetz aufspannen sollten – und sich nicht wie in der letzten Saison das eine oder andere Mal ins Auto fahren. Haas erwartet Disziplin von Kevin Magnussen und Romain Grosjean. Und das Team erwartet, dass die Fahrer das aufgefüllte Ersatzteilelager nicht plündern.

Guenther Steiner - Haas - GP Australien 2020
Motorsport Images
Teamchef Guenther Steiner will flexibel bleiben, was die Einnahmen- und Ausgabensituation angeht.

"Break-even" möglich

In einer Videokonferenz mit Vertretern der Presse hat sich Steiner noch zu weiteren Themen geäußert. Wir fassen seine Aussagen zusammen:

Steiner über das Sicherheitskonzept der Formel 1:

"Ich denke, FIA und FOM hätten nicht mehr machen können. Sie haben die Maßnahmen getroffen, die die momentane Situation hergibt. 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Aber sie haben im Rahmen der Möglichkeiten sehr gute Arbeit geleistet."

Steiner über Reservefahrer:

"Unsere oberste Priorität ist es, dass alle gesund bleiben. Das schließt unsere Fahrer ein. Wir sollten nicht in Panik verfallen. Es kann immer sein, dass sich ein Fahrer mal eine Erkältung einfängt oder Fieber hat und deshalb ausfällt. Daran ändert sich nichts wegen Corona. Es bringt nichts, fünf Fahrer als Reserve zu haben für den Fall der Fälle. Deshalb denken wir erst darüber nach, sollte ein Fall eintreten."

Steiner über eine Tracking-App:

"Es wird eine App geben, um die Situation im Fahrerlager zu überwachen. So wird festgehalten, wer mit wem in Kontakt stand. Wer sie nicht installiert hat, muss genau sagen können, mit wem er in Kontakt war."

Steiner über den Vorschlag von Quali-Rennen mit umgedrehter Startreihenfolge:

"Es wäre nicht darum gegangen, den Mittelfeldteams einen Vorteil einzuräumen. Sondern darum, die Möglichkeit auszuloten, ob wir damit Rennwochenenden spannender machen können. 2020 ist nichts normal. Es wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, etwas auszuprobieren. Wir sollten davor nicht Angst haben. Und wir sollten uns auch nicht scheuen, zu sagen, wenn etwas nicht funktioniert. Doch dafür müssen wir es erst einmal ausprobieren. Und dann könnten wir Schlüsse für die Zukunft ziehen. Jede Herausforderung eröffnet dir neue Möglichkeiten. Wir haben diese nicht genutzt."

Grosjean - Steiner - Magnussen - HaasF1 - GP Abu Dhabi - Formel 1 - Freitag - 29.11.2019
Motorsport Images
Die Personalfrage für 2021 stellt sich bei Haas noch nicht.

Steiner über den Fahrermarkt:

"Es gab viel Bewegung durch Ferrari und Sebastian Vettel. Danach hat es sich beruhigt. Wir hatten anderes zu tun, als uns der Fahrerfrage zu widmen. Es gab keine Gespräche. Die Fahrerfrage für 2021 gehört zu unseren geringsten Sorgen. Wir wissen aber, dass dieses Thema schnell aufkommen kann."

Steiner über Teambesitzer Gene Haas:

"Ich weiß nicht, wo immer die Geschichten herkommen, er verkaufe das Team. Letztes Jahr gab es Gerüchte, er hätte sich mit Saudi-Arabien geeinigt. Dabei hat nie einer von uns mit ihnen gesprochen. Ich sehe die Gerüchte und Geschichten als Sturm im Wasserglas. Gene ist zu 100 Prozent der Eigentümer von Haas."

Steiner über den Budgetdeckel:

"Es ist gut für den Sport. Es wird nicht zu absoluter Chancengleichheit führen. Wir zum Beispiel werden mit Summen unterhalb von 145 Millionen auskommen müssen. Aber die Kostendeckelung wird dafür sorgen, dass der Unterschied zwischen den Teams nicht mehr 150, sondern 20 Millionen beträgt. Es besteht sogar die Chance, mit gutem Management den Break-Even zu schaffen. Die großen Teams könnten sogar Geld verdienen, wenn sie ihre Sponsoren halten. Die Verteilung des Geldes soll gerechter werden. Es wird meine Aufgabe sein, unser Geschäftsmodell nachhaltig zu machen. Und wenn wir den Break-Even schaffen, wird Gene das neue Concorde-Agreement sicher sehr gerne unterzeichnen. Momentan ist es seine Absicht, mit dem Team in der Formel 1 zu bleiben."

Steiner über ein Sicherheitsnetz:

"Wir müssen aus dieser Krise lernen. Wir brauchen einen Puffer, ein Sicherheitsnetz. Das Gute ist: Niemand ist in Panik verfallen. Sicher hätten wir schon vor ein paar Jahren ein Budgetcap gebraucht. Immerhin kommt es 2021. Ich denke, wir haben viel gelernt und jetzt auch eine Reserve im Tank. So eine Krise kann immer wieder ausbrechen. Hoffentlich sind wir durch die Maßnahmen dann nicht mehr in so einer schwierigen Situation."

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