HaasF1 verliert Punkte im Radius-Streit

Romain Grosjean disqualifiziert

Romain Grosjean - Haas F1 - Formel 1 - GP Italien 2018 Foto: sutton-images.com 20 Bilder

Fünf Stunden lang lag Haas F1 auf Platz 4 der Konstrukteurs-WM. Dann wurde das Auto des sechstplatzierten Romain Grosjean aus der Wertung genommen, weil Renault Protest einlegte – wegen eines Radius am vorderen Ende der Bodenplatte.

Es ist die erste Disqualifikation der Formel 1 seit dem GP Brasilien 2015. Damals wurde Felipe Massa wegen zu niedriger Reifendrücke an seinem Williams aus der Wertung genommen. Massa verlor einen 8. Platz. Fast drei Jahre später erwischt es Haas F1 und Romain Grosjean. Fünf Stunden nach Ende des Rennens verlor Grosjean seinen 6. Platz. Der hatte Haas F1 an Renault vorbei auf Rang 4 in der Konstrukteurs-WM gebracht. Für Renault intern eine Blamage. Platz 4 ist Pflicht für die Franzosen.

Renault war es auch, die gegen den US-Ferrari protestierten. Es ging wie einst im Fall Massa um eine Bagatelle. Die Kufe des Unterboden, im Fachjargon T-Tray genannt, muss am vorderen Ende gemäß Artikel 3.7.1d auf beiden Seiten einen Radius von 50 Millimeter einschließlich zwei Millimeter Toleranz aufweisen. Der Haas F1 zeigte in diesem Bereich eine Abweichung auf, die allerdings keinen Einfluss auf die Rundenzeit hat.

Es gab zu diesem Thema mehrere Klarstellungen, weil drei Teams die Regel der FIA anders ausgelegt hatten. Deshalb teilte die FIA den Teams in der technischen Direktive TD/033-18 vom 25.Juli mit, wie sie den Passus in Zukunft zu interpretieren gedenkt. Verbunden mit der Bitte, dieser Interpretation bis spätestens zum GP Italien nachzukommen.

Haas F1 wollte Aufschub bis Singapur

Haas F1 erbat sich in Absprache mit FIA-Technikchef Nikolas Tombazis Aufschub bis zum GP Singapur. Das US-Team argumentierte damit, dass wegen der Sommerpause der Lieferant des betreffenden Teils nicht innerhalb von drei Wochen bis Monza liefern könne. Haas F1 baut wegen seiner dünnen Personaldecke kaum Teile selbst und ist zu 70 Prozent von Fremdfirmen abhängig. Renault passte in Monzas genau auf und schlug in dem Moment zu, als das Rennen gelaufen war. Auf Fotos war klar zu sehen, dass Haas F1 immer noch mit dem T-Tray in nicht regelkonformer Auslegung fuhr.

Haas F1 präsentierte zu seiner Verteidigung den E-Mail Verkehr mit den Technischen Delegierten der FIA. Darin sind Zeichnungen von einem abgeänderten Boden im Sinne der FIA enthalten. Die Behörde segnete den Vorschlag ab. Haas F1 ging deshalb auch davon aus, dass auch der Aufschub bis Singapur gewährt worden war. Tombazis jedoch erklärte den Sportkommissaren, dass er bei allem Verständnis für die Fertigungsprobleme des US-Rennstalls mündlich den Aerodynamikchef von Haas F1 gewarnt habe, das Team würde sich dem Risiko eines Protestes aussetzen, wenn das Teil nicht bis Monza geändert würde. HaasF1 kartete nach und fand der Text der TD/033-18 weiterhin mehrdeutig. Bis zu einer endgültigen Klärung wäre nach ihrer Meinung das Datum von Monza ausgesetzt.

Die Sportkommissare Tim Mayer, Gerd Ennser, Danny Sullivan und Paolo Longoni kamen nach Anhörung aller Beteiligten überein, dass die Argumente von HaasF1 nicht ausreichen und keinen Aufschub bis Singapur rechtfertigen würden. Immerhin habe mindestens ein Teilnehmer den T-Tray im Sinne der Regeln bis Monza ändern können.

Punktewertung verschiebt sich

Deshalb sei das Auto mit der Startnummer 8 illegal und aus der Wertung zu nehmen. Alle Teilnehmer hinter Grosjean rücken um einen Platz auf. Force India holt damit 14 Punkte, Renault vier, und beide Williams landen in den Punkterängen. Somit steht nun mit Sergey Sirotkin mit WM-Punkten in der Tabelle.

Renault liegt nun mit 86 Zählern wieder auf Platz 4. HaasF1 bleibt auf 76 Zählern sitzen. Der Protest vergiftet die Stimmung im Fahrerlager weiter. Renault zählt zu den Teams, die Front gegen die US-Filiale von Ferrari machen. Man fühlt sich ungerecht behandelt, weil man selbst das ganze Auto baut, während sich HaasF1 aus dem Baukasten von Ferrari bedient. HaasF1 wiederum stellt sich quer, dass Force India als „neues“ Team die Anwesenheitsprämie (Säule 1) von 33 Millionen Dollar bekommt. Ob man die Amerikaner in einer Art Erziehungsmaßnahme nun besonders streng behandelt, ist Spekulation.

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