Haas nur noch Vorletzter
„Wir stecken tief in der Scheiße“
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Haas-Teamchef Guenther Steiner bezeichnete den Grand Prix von Frankreich als das schlimmste Rennwochenende, seitdem das US-Team in der Formel 1 fährt. Nach dem Grund für den Abwärtstrend suchen die Ingenieure noch.

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Vier Jahre ist Haas nun in der Königsklasse unterwegs. Nach dem teils furiosen Einstieg lernt der Rennstall aus North Carolina nun die harten Seiten des Geschäfts kennen. Das Rennen in Le Castellet stelle einen Tiefpunkt dar, erklärte Guenther Steiner frustriert. Kevin Magnussen konnte nur die beiden Williams hinter sich lassen. Romain Grosjean war der einzige Pilot im Feld, der die Zielflagge nicht sah.

In der WM-Wertung rutschte Haas durch die Nullnummer auf Rang neun von zehn ab. Steiner versteht die Welt nicht mehr: „Unser Auto war im ersten Rennen gut genug für die Startplätze sieben und acht. In Monte Carlo standen wir auf Platz sechs. Und jetzt liegen wir auf dem vorletzten Platz. Ich bin ganz ehrlich: Ich weiß auch nicht, woran es liegt.“

Haas auf der Suche nach Antworten

Das Debriefing am Circuit Paul Ricard dauerte deutlich länger als normal. Doch die erhofften Antworten bekam Steiner von seinen Ingenieuren nicht. „Dass wir in diese enttäuschende Situation gekommen sind, ist eine Sache, aber das wir sie nicht verstehen, ist das Schlimmste daran. Das macht mit jetzt aber nicht deprimiert. Ich sehe das als eine neue Herausforderung. Wir werden niemals aufgeben. Ich habe meinen Jungs gesagt, dass wir jetzt noch viel mehr arbeiten müssen als vorher.“

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Haas steht mit den 2019er Pirelli-Reifen auf Kriegsfuß.

In den ersten Rennen der Saison hatte die Pace des Autos noch oft gestimmt. Durch unnötige Fehler verpasste das Team jedoch, die Form auch in gute Resultate umzumünzen. Aktuell stimmt weder die Pace noch das Ergebnis. „Wir stecken richtig in der Scheiße. Wir können jetzt nicht einfach abwarten, bis etwas passiert. Das einzige, was wir tun können, ist zu analysieren, warum wir da stehen, wo wir sind. Und wenn wir das wissen, können wir anfangen nach Lösungen zu suchen, wie wir da wieder rauskommen.“

Ein Grund für den Abwärtstrend ist sicher in den Reifen zu suchen. Die schwarz-goldenen US-Renner standen mit den 2019er Pirellis schon oft auf Kriegsfuß. Doch anstatt das Problem irgendwie in den Griff zu bekommen, scheint es immer schlimmer zu werden. Steiner versucht aber nicht die ganze Schuld auf den Gummilieferanten aus Italien zu schieben.

Setup-Kompromiss wegen Reifen

„Es ist eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Wir bekommen den Reifen nicht in das Arbeitsfenster und müssen deshalb Kompromisse beim Setup eingehen. Ich möchte nicht die Reifen alleine verantwortlich machen, aber der sehr kleine Bereich, in dem sie funktionieren, führt dazu, dass man sich nur noch nach den Reifen richtet. Und dann wird das Auto langsamer.“

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Nur noch Williams liegt in der Teamwertung hinter Haas.

Wegen des Reifenfaktors, auf den Haas bekanntlich keinen Einfluss hat, will der Teamchef auch nicht so kritisch mit seinen Technikern sein: „Wir sind ja nicht die einzigen, die mit den Reifen kämpfen. Andere Teams berichten von ähnlichen Problemen. Aber wir sind mit Abstand am Schlimmsten dran.“

Noch immer wird hinter den Kulissen darüber diskutiert, ob man nicht zu den 2018er Reifen mit dickerer Lauffläche zurückkehren sollen. Die alten Gummis drohten zwar schneller zu überhitzen, fielen dafür aber auch nicht so leicht unten aus dem Arbeitsfenster raus. „Wir würden zustimmen, weil wir nichts zu verlieren haben. Es könnte aber auch sein, dass das gar nicht die Lösung für unser Problem ist“, warnt Steiner vor zu großen Erwartungen.

Wende in Spielberg?

Obwohl Mercedes bei solch einem Schritt am meisten zu verlieren hat, kennt der Südtiroler kein Mitleid mit dem Silberpfeil-Team. In seinen Aussagen wird die ganze Frustration deutlich: „Wenn es andersrum wäre, also Mercedes die Probleme hätte und nur wir damit zurechtkommen würden, muss man sich fragen, ob Pirelli dann nicht schon gehandelt hätte. Letztes Jahr hat man ja auch für Mercedes die Reifen geändert.“

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Romain Grosjean gab freiwillig auf. So kann er in Spielberg straffrei das Getriebe tauschen.

Der Blick für Haas geht nach vorne. Viel Zeit für die Analyse bleibt nicht. Nur eine Woche nach Le Castellet steht schon das nächste Rennen in Spielberg an. Da bleibt keine Chance, noch schnell neue Teile zu entwickeln, die zur Lösung des Problems beitragen. Durch seinen taktischen Ausfall kann Romain Grosjean wenigstens das Getriebe wechseln und damit auf die neue hydraulische Hinterradaufhängung wechseln, die Teamkollege Magnussen schon seit Kanada fährt.

Steiner gibt sich kämpferisch: „Wir werden in Österreich alles ausprobieren, was aus unserer Sicht sinnvoll ist. Ich glaube nicht, dass das Problem radikale Lösungen verlangt. Wie gesagt: Vor einigen Rennen standen wir noch auf Platz sechs am Start. Jetzt müssen wir herausfinden, was der Unterschied zwischen dem Auto ist, das ins Q3 fahren konnte, und dem, was wir jetzt gesehen haben. Da muss etwas passiert sein!“

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Als erstes Team des Jahrgangs 2019 hat Haas seinen Renner vorgestellt. Obwohl zunächst nur Computer-Grafiken verschickt wurden, ließen sich schon einige interessante technische Details erkennen. Wir zeigen sie Ihnen...
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Zunächst fällt natürlich vor allem die neue Lackierung ins Auge. Dank dem neuen Hauptsponsor Rich Energy ist der VF-19 im Design der Getränkedose angemalt. Der schwarz-goldene Look erinnert an die legendären Lotus-Renner der 70er Jahre, die im Design der Zigaretten-Marke John Player Special unterwegs waren.
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Die bekannten Akzente in Rot und Grau, die man aus den ersten beiden Haas-Jahren kannte, sind komplett verschwunden.
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Das Logo ist nun in Weiß auf den Seitenkasten gepinselt. Die einzige andere Farbe kommt vom blauen Sponsorlogo von Peak (Schmierstoffe) auf der Heckflügel-Endplatte.
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Die Heckansicht ist bis auf das Logo am Heckflügel komplett schwarz.
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In den dunklen Grundton ist es nicht einfach, Details zu erkennen. Wir haben trotzdem einige interessante Features gefunden.
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An den Anblick der neuen, 20 Zentimeter breiteren Frontflügel können Sie sich schon mal gewöhnen. Sie werden an allen Autos so oder so ähnlich aussehen.
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Mehr als fünf Elemente sind nicht erlaubt. Hier ist das Hauptblatt zweigeteilt, dazu kommen drei Flaps.
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Eines der interessantesten Details gleich vorneweg: Die Felgen haben eine doppelte Wand. Wir nehmen an, dass hier Luft ausgeblasen wird, um die Strömung seitlich abzulenken.
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Früher durften die Ingenieure die in den Bremshutzen eingefangene Luft noch durch die Achse leiten. Das ist 2019 verboten. Mit den doppelwandigen Felgen hat Haas offenbar eine Lücke im Reglement gefunden.
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Interessanterweise erkennt man auch an den Hinterrädern ein gestaffeltes Felgenbett. Ob die Maßnahme aerodynamische Gründe hat oder der Kühlung der Reifen dient, können wir noch nicht sagen.
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Ebenfalls zu erkennen ist, dass Haas neuerdings die Luft von unten durch die Frontpartie nach oben führt. Der sogenannte S-Schacht ist aber keine neue Erfindung.
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Die auffällig golden lackierten Rückspiegel sind weit außen an den Seitenkästen montiert.
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Hier sieht es so aus, als seien die Spiegel über ein horizontales Flügel-Profil mit der Cockpitwand verbunden.
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Im Profil erkennt man, wie weit die Spiegel von den Seitenkästen nach vorne ragen.
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Beim Ansatz der Rückenflosse ist eine ungewöhnliche Aussparung in der Finne zu erkennen. Darüber trohnt ein kleiner Flügel, der die Luft zum Heck beruhigt. Aus dieser Perspektive auch gut zu erkennen sind die Kühlöffnungen am hinteren Teil des Halos.
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Die vertikalen Leitbleche an der Flanke wurden komplett verändert. Die Seitenkästen bauen nicht mehr so breit wie vorher. Möglich machen das neue Kühler im Inneren, die wie eine Helix ineinander verdreht sind.
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Interessant sieht auch dieses kleine Flügelchen am vorderen Ende des Unterbodens aus. Durch die schwarze Lackierung sind genauere Details leider nicht so einfach auszumachen.
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Die Bargeboards setzen den neuen Regeln entsprechend weiter vorne an und bauen nicht mehr ganz so hoch. Das soll die Lesbarkeit von Sponsorenlogos auf der Cockpitwand verbessern.
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Ein weiteres Highlights des Haas VF-19 ist seine Hinterachse. Die oberen Querlenker sind schon weit vor dem Radträger zu einem Element verbunden. Es entsteht dadurch ein Flügelprofil.
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Die beiden Wastegate-Röhrchen am Auspuff liegen übereinander auf dem Endrohr. Wir gehen davon aus, dass Motoren-Partner Ferrari diese neue Lösung ebenfalls verwenden wird.
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Über dem Auspuff ist noch ein T-Flügel montiert, wie man es auch schon aus dem Vorjahr kennt.
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Eigentlich dachten wir, dass sich durch die Heckflügel-Endplatten keine größeren Schlitze mehr ziehen dürfen. Doch das gilt offenbar nur für den oberen Teil. In der Mitte wurde die Haas-Endplatte wie ein Lamellen-Vorhang aufgesplittet.
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Zum Abschluss noch einmal ein direktes Vergleichsbild des Vorjahres-Autos mit dem aktuellen Modells. Auch wenn die Perspektive nicht ganz identisch ist, fällt sofort der breitere Frontflügel und die veränderte Form der Seitenkästen ins Auge.
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Der Look der neuen Rennoveralls wurde ebenfalls präsentiert. Hier Romain Grosjean in Schwarz und Gold.
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Und hier Kevin Magnussen in seinem neuen Outfit.
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Parallel zum Online-Launch wurde die neue Lackierung auch in der Realität vorgestellt. In London wurde das Design feierlich enthüllt.
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Die beiden Piloten durften das Tuch vom nun fast komplett schwarzen Wagen ziehen.
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Unter der Plane kam aber nicht der neue VF-19 zum Vorschein sondern das Vorjahresmodell.
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Haas hatte sein altes Auto lediglich mit einem neuen Frontflügel-Modell im 2-Meter-Format upgedatet.
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Hier ließen sich keine technischen Highlights entdecken.
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Aber man bekam einen Eindruck, wie die neuen Farben in der Realität am Auto wirken.
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Den beiden Piloten gefiel das neue Design ihrer Dienstwagen.
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Neben den Fahrern war auch Rich-Energy-CEO William Storey und Teamchef Guenther Steiner anwesend.
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