Kevin Magnussen - GP Japan 2019 Motorsport Images
Mercedes - GP Japan 2019
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Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 11. Oktober 2019 20 Bilder

Haas wieder im Reifen-Dilemma

„Hätten auf die Fahrer hören sollen“

Nach dem Grand Prix von Russland hatte man gedacht, dass Haas die Reifen langsam in den Griff bekommt. Doch in Suzuka kämpften die Piloten wieder mit den alten Problemen. Dazu gab es noch internen Stunk wegen der Strategie.

Bei Haas steht man schon das ganze Jahr über auf Kriegsfuß mit den Pirelli-Reifen. Ordentlichen Quali-Leistungen stehen regelmäßig schwache Vorstellungen im Rennen gegenüber. Umso überraschender war für alle Beteiligten, wie gut Kevin Magnussen am Rennsonntag in Sotschi mitgeigen und am Ende zwei WM-Punkte einfahren konnte.

Im Team keimte langsam Hoffnung auf, dass man das Reifenproblem doch noch in den Griff bekommt. Doch dann gab es in Suzuka den Rückfall in alte Zeiten. Grosjean und Magnussen landeten ohne Chance auf Zählbares abgeschlagen auf den Plätzen 15 und 17. Dabei hatte es für Grosjean im Qualifying noch zum Einzug in die Q3-Runde gereicht.

„Es ist immer das gleiche. Wir haben einfach zu wenig Abtrieb“, bedauerte Teamchef Guenther Steiner. „Sobald die Überrundungen anstehen und die blauen Flaggen geschwenkt werden, gehen die Reifen-Temperaturen in den Keller. Und dann bekommen wir sie nicht mehr in den Arbeitsbereich. Du fällst 10 Grad runter und du bist tot mit diesen Reifen.“

Kevin Magnussen - GP Japan 2019
Motorpsort Images
Nach dem Quali-Crash hoffte Kevin Magnussen im Rennen auf eine Aufholjagd.

Haas will mehr auf Fahrer hören

Warum es zwei Wochen vorher in Russland noch so gut geklappt hat, konnte der Südtiroler auch nicht genau erklären. „In Russland haben wir es irgendwie geschafft, die Reifen im Fenster zu halten. Das kann viele Gründe gehabt haben: die Art der Kurven, der Asphalt oder die Gummimischungen. Manchmal passen die Bedingungen auf einer Strecke einfach.“

Hauptgrund für die Misere ist die schlechte Weiterentwicklung während der Saison und das daraus resultierende Abtriebsdefizit. Die Upgrade-Teile brachten nicht immer den gewünschten Erfolg, was die Ingenieure aber nicht sofort erkannten. „Ich will keine konkreten Beispiele nennen, aber wir hätten manchmal wohl etwas mehr auf die Meinung der Fahrer hören und nicht nur auf die Zahlen schauen sollen“, gibt sich Steiner selbstkritisch.

Der 54-Jährige hofft, dass sein Team aus der Misere die richtigen Lehren zieht: „Wir müssen die Aussagen der Fahrer in Einklang mit den Zahlen bringen, um das Auto besser zu verstehen. Dann können wir uns weiterentwickeln. Nach Barcelona hätten wir einiges anders machen sollen. Wir brauchen jetzt ein besseres Verständnis, damit wir nächstes Jahr nicht wieder in diese Situation kommen.“

In Suzuka experimentierten die Ingenieure des US-Teams mal wieder mit unterschiedlichen Aero-Konfigurationen, um das Auto mit den Reifen zum Harmonieren zu bringen. Am Ende bestand das Paket aus einer Mischung aus neuen und alten Elementen. Beide Autos fuhren in identischer Spezifikation. Doch die Bemühungen der Techniker blieben ohne Erfolg.

Dass die dritte Trainingssitzung wegen des Taifuns ausfiel, half bei der Vorbereitung auf das Rennen sicher nicht. Die besonderen Umstände wollte man aber nicht als Ausrede gelten lassen. Dass es nun in den letzten vier Rennen noch eine Wunderheilung gibt, glaubt keiner mehr im Team. „Manchmal geht es etwas besser, dann geht wieder gar nichts“, erklärt Steiner nüchtern. „Suzuka war noch nicht einmal das schlechteste Wochenende, das wir hatten. Es lag eher im Durchschnitt. Wir sind zu langsam. Das muss man einfach so zugeben.“

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Magnussen schimpft über Taktik

Zusätzlich zur schwachen Pace musste sich Steiner auch noch unangenehme Fragen zur Strategie gefallen lassen. Kevin Magnussen hatte sich im dänischen Fernsehen beklagt, dass Teamkollege Grosjean den früheren Boxenstopp bekam, obwohl der Franzose zu diesem Zeitpunkt hinter Magnussen lag. Der fühlte sich dadurch unfair benachteiligt.

Steiner versuchte die Gemüter zu beruhigen: „Wir wollten beide Piloten vor die Alfa Romeos bekommen. Nach unserer Kalkulation hätte das klappen können, wenn wir erst Romain und dann Kevin reinholen. Doch dann gab es ein kleines Problem bei Kevins Boxenstopp. Da lief der Wechsel des Reifens hinten links mit Verzögerung. Deshalb kam er hinter den Alfas raus.“

Steiner sieht in der Angelegenhei aber kein großes Drama: „Wir müssen in der aktuellen Situation größere Risiken eingehen. Das klappt nicht immer. Und im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Am Ende hätte es aber keinen Unterschied gemacht. Unsere Pace war einfach nicht gut genug.“

Dass die Stimmung nachhaltig gestört ist, glaubt der Teamchef nicht: „Ich verstehe, dass Kevin sauer ist. Aber es gab keine böse Intention seitens des Teams. Die Jungs haben den Fehler ja nicht absichtlich gemacht. Im Qualifying hat Kevin das Auto in die Mauer geworfen. Das halten wir ihm ja auch nicht vor. So etwas passiert einfach. Er ist Teil des Teams. Und wir müssen immer als Team zusammenarbeiten, wenn wir hier irgendwas reißen wollen.“

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