Haas - Grosjean & Magnussen - GP Italien 2020 Haas
Haas VF20 - Formel-1-Auto - 2020
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Haas VF20 - Formel-1-Auto - 2020 24 Bilder

Haas auf Konsolidierungskurs

„Perspektive für kleine Teams“

Nach dem Ausbruch der Corona-Krise standen die Zeichen bei Haas auf Sturm. Inzwischen hat Besitzer Gene Haas grünes Licht für eine Fortsetzung des F1-Abenteuers gegeben. Teamchef Guenther Steiner sieht neue Chancen für kleine Teams.

Guenther Steiner hat harte Monate hinter sich. Kurz nachdem die Welt als Reaktion auf die Corona-Krise in die selbst gewählte Isolation gegangen ist, begann für das Haas der Überlebenskampf. Da war schon klar, dass die Einnahmen für die Saison 2020 stärker sinken werden als die Kosten.

Das brachte nicht nur den US-Rennstall in Not. Auch McLaren und Williams mussten finanzielle Klimmzüge unternehmen, um die Krise zu überstehen. McLaren brauchte einen Kredit seiner Anteilseigner. Williams musste sein Team verkaufen. Racing Point-Teamchef Otmar Szafnauer gab zu: "Als Force India hätten wir nicht überlebt."

Haas-Teamchef Guenther Steiner stand vor einem ähnlichen Problem. Besitzer Gene Haas stellte sich bei allen Finanzproblemen auch noch die Sinnfrage. Dem amerikanischen CNC-Maschinen-König war klar geworden, dass Privatteams seiner Art selbst unter besten Umständen nur bescheidenen Erfolg ernten konnten.

Wozu eigenes Geld in ein Geschäft stecken, in dem man nicht gewinnen kann? Gab es da nicht einen besseren Moment zum Ausstieg als die Corona-Krise? Einer Zeit, in der selbst Hersteller wie Mercedes, Renault und Honda die Formel 1 auf den Prüfstand gestellt haben.

Romain Grosjean - GP Toskana - Mugello - 2020
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Bei Haas lief dieses Jahr noch nicht viel zusammen.

Verirrung 2019 hat Millionen gekostet

Für Steiner ging es zunächst einmal darum zu überleben. Deshalb wurde schnell beschlossen, kein weiteres Aero-Upgrade zu bauen. "Wir brauchten einen neuen Finanzplan um nicht zusperren zu müssen." Wie viel sich Haas dadurch eingespart hat, lässt sich schwer beziffern. Das hängt davon ab, wie viel den Ingenieuren eingefallen wäre.

"Wenn du einen neuen Frontflügel baust, kostet das dich gleich mal eine halbe bis dreiviertel Million, weil du neues Werkzeug brauchst und damit dann in den Windkanal gehen musst. Und du wirfst Frontflügel weg, die noch Laufzeit hätten. Mit den Folgekosten kommst du nie unter einer Million weg. Kommt noch der Unterboden dazu, kannst du noch mal eine Million drauflegen."

Steiner sah den Entwicklungsverzicht nach den Erfahrungen von 2019 als das geringere Übel. "Für uns war es ganz gut, mal das Auto zu verstehen. Ich sehe das als Lernphase statt immer nur zu versuchen, etwas Neues zu erfinden. Da haben wir uns 2019 ziemlich verirrt. Das hat Millionen gekostet. Das einzige, was wir letztes Jahr verstanden haben war, dass wir in die falsche Richtung entwickelt haben. Wenn wir jetzt ein bisschen mehr am Setup rumtüfteln, findest du auch Rundenzeit, aber die ist viel billiger."

Als sich zu Saisonbeginn herauskristallisierte, dass es zwischen Haas, Alfa Romeo und Williams im Kampf um Platz acht um jeden WM-Punkt gehen würde, da mag man sich intern kurz gefragt haben, ob es eine gute Idee war ohne Upgrade durch die Saison zu gehen.

Guenther Steiner - HaasF1
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Guenther Steiner musste kämpfen, um sein Team über Wasser zu halten.

Steiner winkt ab. "Es war schon zu spät, das Ruder herumzureißen. Wenn ich heute mit einem Aero-Paket anfange, ist das in bestenfalls zwei Monaten am Auto. Die Produktionszeit liegt zwischen vier und sieben Wochen. Der gesamte Vorlauf hängt also hauptsächlich von der Entwicklungszeit ab. Wenn ich in zwei Wochen was hinkriege, was Rundenzeit bringt, geht es schneller. Aber dann hätten wir aber die letzten zwei Jahre was falsch gemacht."

Insgesamt ist der VF-20 kein schlechtes Auto, urteilt der Teamchef. "Wenn wir es ins richtige Fenster bringen wie am Freitag in Barcelona, dann sind wir gut dabei." Wäre der US-Ferrari nur nicht so anfällig gegen Wind und Turbulenzen. "Wir verlieren Zeit im Verkehr und im Wind. In Barcelona kam der Wind zuerst von vorne. Das war gut. Dann drehte Wind um 180 Grad, und das war schlecht. Auch Wind von der Seite mag das Auto nicht."

Kein Trost die Ferrari-Challenge zu gewinnen

Das kleinste Team der Formel 1 kann trotz der Entwicklungs-Nullrunde im Kampf am Ende des Feldes immer noch gut mithalten. Bei den beiden letzten Rennen schaffte es jeweils ein Fahrer ins Q2. Im Rennen war Haas so schnell wie das Werksauto. Intern wird bereits gespottet. Ferrari-Challenge heißt das Rennen der drei Ferrari-Teams.

Steiners Urteil: "Das geht rauf und runter. Meistens ist Ferrari vorne. Mich interessiert die Challenge wenig. Wir kämpfen um uns gegenseitig zu schlagen. Das ist nicht produktiv. Was bringt es mir Ferrari zu schlagen, wenn wir alle hinten sind." Bittere Erkenntnis: "Unter normalen Umständen holen wir in diesem Jahr keine Punkte."

Kevin Magnussen - Haas - GP Toskana Mugello - 2020
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Das Rennen in Mugello war für den US-Rennstall kostspielig.

Die beiden Italo-Grands-Prix wären die Chance für die kleinen Teams gewesen, Punkte abzustauben. Doch nur Alfa Romeo hat das Chaos genutzt. In Monza profitierte Romain Grosjean weder vom Safety-Car, der Sperrung der Boxengasse noch vom Neustart. Er ging als Letzter in den zweiten Teil des Rennens und wurde noch Zwölfter. Als bester Pilot mit Ferrari-Motor.

In Mugello saß Grosjean nach der Startkollision in einem halben Wrack. Links fehlte ein großer Teil vom Unterboden und der komplette Seitenflügel. Die Ingenieure errechneten einen Verlust von 40 bis 50 Punkten Abtrieb. Grosjean katapultierte sich beim dritten Start zwar auf Platz neun, hatte aber mit seinem ramponierten Renner keine Chance gegen Vettel und Russell. "Mit einem intakten Auto hätten wir Punkte geholt", ist Steiner überzeugt.

Kevin Magnussen sah beide Male nicht die Zielflagge. In Monza stoppte ihn ein kapitaler Motorschaden. Schon wieder, ist man geneigt zu sagen. Magnussen hat nun sein Motorkontingent bereits ausgeschöpft, und man kann bei der Anfälligkeit des Ferrari-Motors darauf warten, bis der Däne seine erste Startplatzstrafe kassiert.

In Mugello wurde er in die Kollision nach dem fliegenden Re-Start mit hineingerissen. Magnussen hielt eisern das von Valtteri Bottas vorgelegte Tempo. Hinter ihm regierte die Ungeduld. Zuerst wäre ihm fast Nicholas Latifi ins Auto gefahren, dann erwischte ihn Antonio Giovinazzi. Der Schaden am Haas belief sich auf eine halbe Million Euro.

Haas mit reduzierten Budgetdeckel

Das alles hört sich nach Formel-1-Normen nach kleinen Summen an, doch bei auf 50 Prozent geschrumpften Einnahmen in diesem Jahr musste Steiner jeden Dollar einzeln umdrehen. Und gleichzeitig ein Konzept für die Zukunft basteln, das den Chef überzeugt. Die neuen Regeln halfen dabei. Der reduzierte Kostendeckel, die gerechtere Geldverteilung, die Homologation vieler Teile.

Gene Haas & Guenther Steiner - F1 2019
Motorsport Images
Gene Haas hat sich überzeugen lassen, dass ein Team in der Formel 1 ein gutes Investment sein kann.

Gene Haas erkannte, dass sein Team durch die Unterschrift unter das neue Concorde Abkommen plötzlich viel mehr wert war. Jeder Neueinsteiger muss jetzt 200 Millionen Dollar zahlen. Steiner bestätigt: "Jeder Teambesitzer hat dadurch in der Theorie gewonnen. Du musst aber immer noch einen finden, der dir das Team abkauft. Das ist aber jetzt einfacher geworden. Williams hat sich innerhalb von vier Monaten verkauft."

Haas ließ sich von Steiners Argumenten überzeugen. "Die Formel 1 ist für globale Werbung die beste Plattform. Dann gibt es die Budgetdeckelung, die gerechtere Verteilung der Preisgelder. Wer einen guten Job macht, kann kostenneutral arbeiten und Erfolg haben. Wenn man einen sehr guten Job macht, kann man gewinnen und Profit machen. Es ist plötzlich eine Möglichkeit da, die es vorher nie gab. Vorher lief es so: Du hast genau das Geld ausgegeben, das du bekommen hast. Das hat auch Gene erkannt. Er sieht wieder eine Perspektive."

Haas wird als Kundenteam nicht den vollen Kostendeckel ausschöpfen können. Für alle eingekauften Teile wird der imaginäre Entwicklungswert abgezogen. So liegt das Limit für das US-Team wahrscheinlich bei 125 Millionen Dollar. Die wird Haas nach Einschätzung von Steiner nicht ganz erreichen.

"Es ist wichtig, dass der Unterschied zu den großen Teams kleiner wird. Das Ziel muss sein, über die Jahre an den Budgetdeckel zu kommen. Auch wenn wir 10 oder 20 Millionen dahinter sind, können die anderen nicht mehr wegziehen. Du wirst nicht gleich gewinnen. Aber du hast die Möglichkeit, dich da hinzuarbeiten."

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