HaasF1-Berufung am 1. November

Der Trick mit dem Radius

HaasF1 - Formel 1 - 2018 Foto: sutton-images.com 40 Bilder

Die FIA hat die Berufungsverhandlung von HaasF1 gegen die Disqualifikation von Romain Grosjean beim GP Italien auf den 1. November festgesetzt. HaasF1 beruft sich auf die Zweideutigkeit des Reglements und sieht eine 50/50-Chance zu gewinnen.

Wir werden erst nach dem GP Mexiko wissen, wie die Weltmeisterschaft im Verfolgerfeld wirklich ausgeht. Die FIA hat die Berufungsverhandlung im Fall HaasF1 auf den 1. November festgesetzt. Der US-Rennstall hat gegen den Wertungsausschluss von Romain Grosjean beim GP Italien Berufung eingelegt.

Grosjean und das Team verloren den 6. Platz und damit acht WM-Punkte. Die können im Kampf um Platz vier in der Konstrukteurs-WM entscheidend sein. Alle anderen Fahrer rückten um eine Position auf. Profiteure waren Force India, Williams und das Renault-Team, das den Protest eingereicht hatte. HaasF1 sieht eine 50/50 Chance, die Berufung zu gewinnen. Auch wenn statistisch gesehen, die meisten Verfahren vor dem FIA-Berufungsgericht ins Leere liefen.

In der Begründung des US-Rennstalls geht es gar nicht mehr um den angeblich gewährten Aufschub der Modifikation der vorderen Bodenplatte im Sinne der Technischen Direktive TD/033-18 vom 25. Juli. HaasF1 hatte aus produktionstechnischen Gründen angefragt, die von der FIA bis zum GP Italien geforderte Änderung an der Bodenplatte auf den GP Singapur zu verschieben und vertrat die Meinung, diese sei gewährt worden.

Radius-Regel aus Sicherheitsgründen

HaasF1 - Formel 1 - 2018 Foto: ams
Stein des Anstoßes ist die vordere Kante des Unterbodens.

Die Sportkommissare ließen sich auf die entlastenden Argumente von HaasF1 nicht ein. Wenn der Rennstall zum Großteil von Lieferanten abhängig sei, dann ist das keine Entschuldigung. Die FIA ist nicht für die internen Strukturen eines Rennstalls verantwortlich. Und außerdem hätte es die eindeutige Zustimmung des FIA-Technikdirektor Nikolas Tombazis für einen Aufschub nie gegeben.

HaasF1 baut seine Berufung nun auf einer anderen Grundlage auf. Das Reglement ist trotz der Technischen Direktive weiterhin zweideutig. Dazu muss man erst einmal wissen, worum es geht. Die beiden Ecken der vorderen Kufe des Unterbodens, auch T-Tray genannt, müssen einen Radius von mindestens 50 Millimeter aufweisen. Erlaubt ist eine Toleranz von plus minus zwei Millimetern.

Diese Rundung hat laut FIA-Rennleiter Charlie Whiting sicherheitsrelevante Gründe: „Die Regel soll sicherstellen, dass es am T-Tray keine scharfen Kanten gibt, die beim Zusammenstoß zweier Autos zu einem Sicherheitsproblem werden könnten.“ Whiting denkt dabei an die Kollision von Alexander Wurz und David Coulthard beim GP Australien 2007, als der Red Bull von Coulthard über das Cockpit des Williams flog und Wurz knapp verfehlte.

Der Trick mit den zwei Kanten

Romain Grosjean - Haas F1 - Formel 1 - GP Italien 2018 HaasF1 verliert Punkte Romain Grosjean disqualifiziert

HaasF1 und Sauber hatten Artikel 3.7.1.d des Technischen Reglements anders interpretiert als der Rest. Die vordere Kante der Referenzebene geht mit zwei Winkeln in den hinterenTeil des Unterbodens über. Die innere „Ecke“ knickt mit einem flachen Winkel von einem Grad ab. Dieser Winkel wurde von dem Team zur Ecke des T-Tray erklärt. Der entspricht logischerweise dem geforderten Radius, erfüllt andererseits aber nicht den Sicherheitsanspruch der FIA, weil die zweite Ecke außen einen scharfen Winkel von 89 Grad aufweist.

Der Verband schlug drei Tage nach dem GP Deutschland Alarm und veröffentlichte seine Interpretation der Regel in der Direktive TD/033-18 mit der Bitte die Bodenplatte bis zum GP Italien entsprechend zu ändern. Sauber kam der Bitte nach, HaasF1 nicht.

Der US-Rennstall bekam bereits vor dem Rennen in Monza die Warnung, dass man mit dem alten Unterboden nicht protestsicher sei. HaasF1 hätte vor Ort immer noch die Kanten auf die entsprechenden Rundungen bringen können.

Renault hatte den Regelverstoß längst entdeckt, mit seinem Protest aber bis nach dem Rennen gewartet, um dem WM-Kontrahenten maximal zu schaden. Das sorgte in FIA-Kreisen nicht gerade für Begeisterungsstürme. Seit rund 20 Jahren gibt es in der Formel 1 ein Gentlemen‘s Agreement, das besagt gegen Regelverstöße so früh wie möglich zu protestieren, um dem Gegner noch die Möglichkeit einer Reaktion zu geben.

Neuester Kommentar

Renault hat seit Jahren einen schlechten Ruf ... in der F1 ist fuer Renault ein Gentleman’s Agreement sowieso kein Thema. Da wundert mich diese Meldung nicht! Einen Renault fahre ich nicht einmal als Mietauto...

Medingen 14. September 2018, 21:40 Uhr
Neues Heft
Top Aktuell Fernando Alonso - McLaren - GP Italien 2018 - Monza Was macht Alonso? Entscheidung im Oktober
Beliebte Artikel Mercedes - Technik - Upgrades - GP Belgien / GP Italien 2018 Technik-Upgrades Spa & Monza F1-Aerodynamik in Extrem-Form Romain Grosjean - Haas F1 - Formel 1 - GP Italien 2018 HaasF1 verliert Punkte Romain Grosjean disqualifiziert
Anzeige
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Sportwagen Erlkönig Chevrolet Corvette C8 Chevrolet Corvette C8 Zora Mittelmotor-Sportler im Vergleich zum C7-Vorgänger VLN 7 - Nürburgring - 22. September 2018 VLN, 7. Lauf 2018 Black Falcon siegt vor Frikadelli
Allrad Kia Niro EV Elektro-SUV Kia e-Niro (2019) Elektro-SUV mit 485 km Reichweite Seat Tarraco, SUV, Offroad, Allrad, 7-sitzer Seat Tarraco (2019) Lesen Sie hier alles zum neuen Seat-SUV
Oldtimer & Youngtimer 50 Jahre Opel GT Hockenheimring 50 Jahre Opel GT Grand Tour mit Röhrl und 75 GT VW Käfer 1302 LS Cabriolet, Frontansicht Top 10 Ranking H-Kennzeichen Die Oldtimer-Charts 2018