Rennwagen Restauration Hall & Hall - F1 - 2020 Daniel Reinhard
Rennwagen Restauration Hall & Hall - F1 - 2020
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Rennwagen Restauration Hall & Hall - F1 - 2020 11 Bilder

Rennwagen-Restaurator Hall & Hall

Reise in die Vergangenheit

Alte Rennautos finden momentan reißenden Absatz. Die englische Firma Hall & Hall restauriert und betreut Rennautos aller Art. Am liebsten die der Marke B. R. M. Wir durften uns in der Werkstatt umsehen.

Der Ort ist geschichtsträchtig. In Bourne logierten einst die ruhmreichen britische Rennmarken E.R.A. und B.R.M. Irgendwie leben sie immer noch. Nur ein paar Straßenzüge weiter bei Hall & Hall. Die Firma ist so alt, wie B.R.M. tot ist. 1977, zwei Jahre nachdem Gönner Sir Alfred Owen starb, ging es mit dem Rennstall, den Raymond Mays und Peter Berthon 1947 ins Leben gerufen hatten, zu Ende. Doch nicht mit den Autos.

Einige B.R.M.-Mitarbeiter unter der Federführung von Rick Hall begannen damit, das automobile Erbe von Englands Rennsport-Stolz zu verwalten. Drei von ihnen, inzwischen über 80 Jahre alt, sind immer noch dabei. Sie kommen zwei Tage die Woche zur Arbeit. Und davon gibt es genug.

Heute leitet der Sohn Rob Hall mit insgesamt 23 Angestellten ein Geschäft, das umso mehr blüht, je weniger sich aktuelle Rennautos für den Klassik-Markt eignen. Einen Mercedes W10 oder Ferrari SF90 aus dem Jahr 2019 wird man in 40 Jahren nur noch stationär im Museum bewundern können.

Es bräuchte schon zehn Techniker, um die hochkomplexe Hybridtechnik zum Leben zu erwecken. Vermutlich laufen bis dahin alle Computer auf anderen Betriebssystemen. Und die alten funktionieren nicht mehr. Umso begehrter sind die Rennautos, mit denen man noch Rennen fahren kann. Und jene, die so selten sind, dass ihr Wert ständig steigt.

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Daniel Reinhard
Rob Hall führt mit 23 Angestellten das Geschäft. Er gilt in der Szene als einer der Top-Restauratoren.

Rennlegenden in jeder Ecke

Bei Hall & Hall lebt der Rennsport. Noch immer dreht sich bei Vater und Sohn Hall viel um B.R.M. Aber nicht mehr alles. Egal welches Rennauto, ob Monoposto oder Sportwagen: Es wird hier in der englischen Provinz aufbewahrt, neu aufgebaut, repariert, mit frischen Ersatzteilen versehen oder einfach nur für den nächsten Einsatz vorbereitet.

Das scheinbare Durcheinander in der Werkstatt ist wohl organisiert. In einer Ecke entsteht gerade ein Formel-2-Ferrari von Ernesto Brambilla. Der noch verpackte Motor wartet auf das Andocken an das 166er-Chassis. Rechts daneben werden zwei McLaren M23 wieder hergerichtet. Gegenüber ist der Brabham BT24-Repco praktisch fertig.

Mittendrin zwei Rohrrahmen, die nur erahnen lassen, was aus ihnen einmal entsteht. Am anderen Ende liegen ein 12-Zylinder-Flachmotor von Ferrari und ein Coventry Climax V8 aus der 1,5-Liter-Ära auf Arbeitsplattformen und warten auf ihren Service. In den Regalen stapeln sich Motorblöcke, Kurbelwellen, Zylinderköpfe, Getriebegehäuse, Nasen, Flügel, Verkleidungsteile.

Ein Stockwerk höher arbeiten Angestellte an einem Zylinderkopf für den legendären B.R.M. V16 aus den frühen 50er-Jahren. Es gibt nur noch drei Exemplare davon. Hall & Hall baut sie maßstabsgetreu nach Originalzeichnungen nach. Die Besitzer, die mit dem P15 Rennen fahren, tun das lieber mit einem Plagiat. Das teure Original wird geschont.

Nicht nur B.R.M-Restaurationen

Mit moderner Technik aufgebaut, sind die Nachbauten meist zuverlässiger als ihre Vorbilder von einst. „Wir haben allein von B.R.M. über 33.000 Zeichnungen in unserem Archiv und können jedes beliebige Teil originalgetreu nachbauen“, erzählt Rob Hall.

Doch Hall ist nicht mehr nur auf die britische Marke spezialisiert. Auch Besitzer von Ferrari, Maserati, Lotus oder Vanwalls kommen zu ihm, lassen Autos bei ihm neu aufbauen, sie nach Renneinsätzen durchchecken oder stellen sie in einer benachbarten Halle unter.

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Bei Hall & Hall wird restauriert, repariert oder einfach nur gewartet.

Dort warten sie auf den nächsten Einsatz oder den Verkauf. Interessierten Kunden bietet Hall & Hall ein Rundum-Sorglos-Paket: „Wir fahren ihnen ihre Rennautos mit unseren zwei Transportern zu den Rennen, buchen Flüge, Hotels und Yachten, bereiten die Autos vor und päppeln sie nach dem Einsatz wieder auf. Die Besitzer müssen sie nur fahren.“

Rob Hall hat sich über die Jahre eine Dokumentation aus Fotos, Zeichnungen und Daten über viele historische Autos zusammengestellt. Bei ihm wird dann wieder alles zu Stahl, Aluminium oder Titan. Vor großen Messen oder Klassik-Events in Goodwood herrscht am Graham Hill Way in Bourne Hochbetrieb.

Gebrauchtwagen für betuchte Käufer

Die Kunden sitzen in der ganzen Welt. Viele ihrer Autos stehen in Bourne. Die Garage mit 109 Rennautos sieht aus wie ein überdimensionaler Spielzeugladen. Natürlich sind fast alle B.R.M.-Modelle vertreten. Daneben wimmelt es von Shadow, Tyrrell, Vanwall, Hesketh, Iso Marlboro, Lotus, March, Arrows. Auch ein Matra MS650 aus Le Mans und ein Parnelli aus Indianapolis haben sich in die bunte Palette eingeschmuggelt.

Und dann, wir halten den Atem an, stehen da Seite an Seite ein Maserati 250F und der legendäre Lancia D50. So nah zusammen sah man sie wohl zuletzt 1955 in der Startaufstellung zu den Grands Prix in Argentinien, Monaco oder Belgien.

Ein Teil des Fuhrparks stammt aus dem aufgelösten Donington-Museum und wartet auf neue Besitzer. Wer genug Kleingeld hat, kann sich das komplette Angebot auf der >> Firmen-Website anschauen. In unserer Galerie zeigen wir einige Impressionen aus den heiligen Hallen von Hall & Hall.

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