Halo-Diskussion

Denken die Kritiker jetzt anders?

Esteban Ocon - Racing Point Force India - Formel 1 - GP Italien - 30. August 2018 Foto: sutton-images.com 75 Bilder

Der Heiligenschein der Formel 1, der Halo, trieb mit seiner Einführung in dieser Saison einen Keil in die Königsklasse. Sie spaltete sich in das Lager der Befürworter und Kritiker. Haben sie nach dem Unfall in Spa ihre Meinung geändert?

Der Unfall von Fernando Alonso, der über den Sauber von Charles Leclerc hinweg flog, gilt neuerdings als Musterbeweis dafür, dass der Halo Leben retten kann und deshalb zurecht einen Platz in der Formel 1 hat. Die Reifenabdruckspuren des McLaren auf dem Schutzbügel des Sauber zählen für viele als Garantie dafür, dass es ohne Halo den Kopf von Leclerc erwischt hätte. Deshalb war eine der beliebtesten Fragen am Donnerstag bei den Medienrunden im Fahrerlager: Darf jetzt noch irgendein Zweifel am Halo bestehen?

Guter Job des Halo

Freilich sehen einige, die diese Frage stellen, sie geradezu religiös. Doch die Mehrheit der Fahrer pflichtet den Befürwortern bei, egal ob sie vorher Kritiker waren oder nicht. Fernando Alonso formuliert es so: „Schwer zu sagen, wo mein Auto gelandet wäre ohne Halo. Ob ich ihn an der Hand, am Kopf oder überhaupt nicht getroffen hätte. Ich kann nur sagen, dass der Halo hat einen guten Job getan hat.”

Nico Hülkenberg gehörte von Beginn an zu den Kritikern der Innovation. Ihm kommt in Hinblick auf Spa sogar noch eine größere Bedeutung zu, schließlich war es der Rheinländer, der die Kettenreaktion mit seinem Fehler überhaupt erst auslöste. Er meint: “Ich bin kein Fan vom Halo, aber man muss auch die Fakten sehen. Wir können nur spekulieren was passiert wäre, können aber alle sehen, wo die Reifenspuren am Halo waren. Wenn er ein Leben rettet, müssen wir ihn akzeptieren.”

Charles Leclerc - GP Belgien 20188 Rennanalyse GP Belgien 2018 Rettet der Halo Leclerc das Leben?

Bei Bianchi nichts geholfen

Charles Leclerc war derjenige, um dessen Kopf es im wahrsten Sinne des Wortes ging. Er bringt es auf den Punkt: „Wir wissen nicht was passiert wäre ohne Halo. Es ist gut, dass wir ihn haben. Egal wie er aussieht, er verdient es in der Formel 1 zu sein. Das Aussehen spielt jetzt keine Rolle mehr.” Er selbst empfand den Stoß von Alonso im Cockpit aber nicht mal so dramatisch. Ihm ging es um etwas ganz anderes in diesem Moment. “Ich hoffte auf ein Wunder, dass ich mit dem Auto noch weiterfahren kann.” Natürlich kam das Thema auch auf Jules Bianchi, nach dessen Unfall im Jahr 2014 in Suzuka die Idee zum Halo erst aufkam. „Jules hätte der Halo nicht helfen können”, sagt Leclerc. “Die Verzögerung war einfach zu stark.”

Das Fazit aus dem Spa-Lehrstück dürfte wohl genau das sein, was Daniel Ricciardo dazu sagt: „Viele Leute haben gesehen, dass er helfen kann”, so der Australier. “Ich war immer einer der Befürworter eines Kopfschutz. Es sieht zwar nicht toll aus, aber es hat getan, was es tun sollte. Ohne Halo wäre es eng geworden.”

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