Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2021 xpb
Sergio Perez - Red Bull - GP Spanien - Barcelona - Formel 1 - Samstag - 8.05.2021
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien - Barcelona - Formel 1 - Samstag - 8.05.2021
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien - Barcelona - Formel 1 - Samstag - 8.05.2021
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien - Barcelona - Formel 1 - Samstag - 8.05.2021 35 Bilder

Hamilton überragt in Barcelona mit 100. F1-Pole

Hamilton überragt in Barcelona Der Überflieger wird nicht satt

GP Spanien

Lewis Hamilton schraubt seine Rekorde in astronomische Höhen. In Spanien eroberte der Engländer zum 100. Mal die Pole-Position. Dabei sah es bis ins Q3 nach einem Vorteil für Red Bull aus. Doch der Rekordsieger der Formel 1 hat die Gabe, im entscheidenden Moment alles zusammenzubekommen.

Dieser Lewis Hamilton ist einfach unglaublich. Sieben WM-Titel, 97 Siege und jetzt 100. Pole-Positions in der Formel 1. Der Superstar der Szene rast von Rekord zu Rekord und legt die Latte so hoch, dass es schwerfällt zu glauben, dass da je einer wieder drüber springen wird. Nach seinem nächsten Meisterstück suchte Hamilton selbst nach Worten. "100 Poles: Das ist so eine verrückte Zahl, dass ich meine Gefühle gar nicht beschreiben kann. Ich fühle mich unglaublich bescheiden und dankbar. Es kommen mir zuerst alle Leute in den Sinn, die mir auf diesem Weg geholfen haben."

Es ist eine lange und erfolgreiche Reise, die Hamilton seit 2007 erlebt. In Kanada, in seinem sechsten Grand Prix überhaupt, setzte er sich erstmals in der Qualifikation gegen die versammelte Konkurrenz durch. "Ich weiß noch, dass ich da erstmals die gleiche Spritmenge wie Fernando an Bord hatte. Vorher hatte mich mein Team immer mit ein bisschen mehr Benzin rausgeschickt, um im ersten Stint des Rennens länger zu fahren."

Man muss wissen, dass sich damals die Teams festlegen mussten. Die Benzinmenge in der Qualifikation war gleichzeitig die Startmenge für den ersten Rennabschnitt. Damals gab es noch Tankstopps in der Formel 1. 264 Grand Prix später steht Hamilton im dreistelligen Bereich. Der einzige Stallrivale bei McLaren applaudiert. "Es ist unglaublich. Es wird nicht seine letzte Pole sein", sagt Fernando Alonso. "Lewis dominiert diesen Sport seit Jahren. Dabei wird er mit jeder Saison noch besser." Mercedes-Teamchef Toto Wolff verneigt sich. "Ich werde jedes Mal gefragt, ob das jetzt die perfekte Runde von ihm war oder das beste Rennen. Das ist nicht zu beantworten. Man muss einfach sagen, dass Lewis ständig auf einem noch nie gesehenen Level operiert."

Zunächst ein fauler Mercedes

Lewis Hamilton - Max Verstappen - GP Spanien 2021
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Max Verstappen blieb am Samstag von Barcelona nur die Rolle des Gratulanten.

Es war der Weg von Q1 bis Q3, von einem untersteuernden Auto bis zur schnellsten Runde des Tages, der die nächste Pole-Position versüßte. Hamilton war in den drei Trainings zufrieden mit dem Fahrverhalten seines Mercedes. Doch als der große Rivale, Max Verstappen, im Abschlusstraining um zwei Zehntel voraus war, steckten Fahrer und Ingenieure die Köpfe zusammen. Über welche Veränderungen können wir noch Rundenzeit finden, um diese verflixt schnellen Red Bull zu schlagen?

Mercedes korrigierte das Setup, und drohte im Bestreben, die maximale Performance zu finden, über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Hamilton traft auf einmal auf ein widerspenstiges Auto. "In Q1 wollte es einfach nicht einlenken. Es fühlte sich faul an. Die Balance passte nicht. Ich habe am Kurveneingang gewartet und gewartet. Es hat so sehr untersteuert."

Doch es blieb noch Zeit, das Auto feinzutunen. Den Ingenieuren sind in der Qualifikation zwar größtenteils die Hände gebunden, doch Frontflügel und Differential lassen sich noch anpassen. Dazu die Bremsbalance verschieben und die Reifendrücke justieren. Und da machte Mercedes mit kleinen Korrekturen die entscheidenden Fortschritte. "Das zerrt an den Nerven", äußert Hamilton. "Da geht es uns nicht anders als den Zuschauern am Fernseher, wenn es so eng zugeht. Du fragst dich ständig: Wo kann ich hier noch eine Zehntel finden oder sogar zwei."

Erste Q3-Runde bringt Hamilton die Pole

Im zweiten Durchgang sah es zwischendurch nach einer Klatsche aus. Verstappen flog in 1:16.922 Minuten mit nur einem Versuchs durchs Q2. Hamilton brauchte zwei Anläufe, um sich dem Red Bull halbwegs zu nähern. Nach dem ersten Schuss lag er sieben Zehntel zurück. Dann nur noch zweieinhalb Zehntelsekunden. Doch das ist immer noch viel Holz.

Es zählt zu den Stärken von Mercedes und Hamilton, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. In Q3 passte es plötzlich. Der W12 war wieder nach dem Geschmack des Rekordsiegers. Und Hamilton zauberte gleich auf der ersten schnellen Runde im Finale die spätere Pole-Zeit hin: 1:16.741 Minuten. Verstappen verfehlte sie um 36 Tausendstel. "Die Runde war sauber und präzise. Und gerade gut genug, um Max zu schlagen", freute sich der Weltmeister.

Wolff sah den Unterschied nicht im Auto, sondern zwischen den Fahrern. "Das Auto war nicht perfekt. Aber Lewis hat es mal wieder gerichtet. In Barcelona musst du das Auto in den einzelnen Sektoren balancieren, um nicht die Reifen zu überfordern. Zwischen uns und Red Bull ging es so knapp zu. Da muss der Fahrer schlussendlich die Sektoren aneinanderreihen. Das ist Lewis gelungen."

Pirelli - Lewis Hamilton - GP Spanien 2021
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Mit der 100. Pole der Karriere schreibt Lewis Hamilton einmal mehr Geschichte.

Weiche Reifen am Start

Perfekt war die Runde nicht. Hamilton war in den Schlusssekunden auf dem Weg zu einer weiteren Steigerung. "Bis Kurve sieben lag ich eineinhalb Zehntel unter meiner Zeit. Nach Kurve neun war ich plötzlich eineinhalb Zehntel drüber." Die waren im Schlussabschnitt nicht mehr aufzuholen. Die Erklärung: Der Wind frischte in den letzten Minuten der Qualifikation noch einmal auf. Die Autos reagieren selbst auf kleine Veränderungen extrem sensibel. Max Verstappen berichtete außerdem: "Es war nicht abzuschätzen, wie sich der Wind verhielt."

Die zwei WM-Rivalen waren bei ihrer Jagd nach der besten Startposition nicht allein. Auch Valtteri Bottas mischte mit. Beinahe hätte der Finne die beiden Hauptdarsteller geschlagen. Doch auf diesem Niveau ist jeder kleine Fehler zu viel. "Ich hatte einen Moment in Kurve zehn. Da ist mir das Heck ausgebrochen. Das hat etwa eine Zehntel gekostet." In Summe lag Bottas um 0,132 Sekunden zurück.

Auch mit seiner Idealzeit – zusammengesetzt aus den drei persönlich schnellsten Sektoren der Qualifikation – hätte Bottas die Pole nicht erreicht. Wir zählen eine Rundenzeit von 1:16.798 Minuten. Verstappen packte seine drei besten Sektoren in die erste Q3-Runde. Hamilton hätte mit der Idealzeit noch zehn Tausendstel abgefeilt. Beim Blick auf die einzelnen Abschnitte zeigt sich die Ausgeglichenheit der beiden Topautos. Im ersten Abschnitt herrscht praktisch Gleichstand. Im Mittelteil ist der Mercedes fast zwei Zehntel voraus. Dafür punktet der Red Bull im langsamen Schlusssektor. Da war Verstappen eine Zehntel schneller.

Beim Topspeed ist Mercedes einen Tick voraus. Deshalb verwundert die Aussage des Teamchefs ein wenig. Vielleicht erwischten die Silberpfeile einen Windschatten. Wolff jedenfalls warnt vor schnellen Red Bull auf der Geraden. "Uns fehlt es gegenüber ihnen etwas an Höchstgeschwindigkeit. In dieser Beziehung hat Red Bull einen Schritt gemacht." Der Jäger änderte nach dem Freitag seine Herangehensweise. Red Bull tauschte den High-Downforce-Heckflügel gegen ein Exemplar für weniger Luftwiderstand.

Am Start herrschen gleiche Voraussetzungen. Alle Autos in den Top 10 starten auf den weichen Reifen. Hamilton erläutert den Grund. "Der Anlauf bis zur ersten Kurve ist fast 600 Meter lang. Mit der weichen Mischung gewinnst du gegenüber dem Medium sechs Meter. Das ist ein zu großer Vorteil, um darauf zu verzichten." Zumal die Position auf der Strecke in Barcelona alles ist. Weil das Überholen kaum möglich ist. In 22 der 30 Fälle gewann hier der Mann auf Pole-Position. Von daher hat Hamilton die besten Karten, am Sonntag den 98. Karriere-Sieg einzufahren.

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