Hamilton-Ausfall in Australien

Pfennig-Artikel stoppt Mercedes-Motor

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Malaysia - 27. März 2014 Foto: xpb 28 Bilder

Mercedes hat den genauen Grund für den Ausfall von Lewis Hamilton in Melbourne gefunden. Ein kleines Loch in der Plastik-Isolation einer Zündkerze sorgte für einen Kurzschluss und den Ausfall eines Zylinders. Der Motor konnte zum Glück gerettet werden.

Es war wie beim Russischen Roulette. 16 Motoren hatte Mercedes nach Melbourne mitgebracht. Einen der 8 Piloten würde der Fehler irgendwann treffen. Das Schicksal war unausweichlich. Es blieb nur die Frage, wann und wo es zum ersten Mal zuschlägt. Wie ein Wunder blieb das Problem in den tausenden Testkilometern vor der Saison und den Prüfstandsläufen in der Mercedes-Motorenfabrik in Brixworth unentdeckt. Ausgerechnet in der ersten Runde des ersten Rennens war es dann soweit.

Der Unglückliche hieß Lewis Hamilton. Kaum gingen die Lichter der Startampel aus, bemerkte der Brite, dass an seinem Silberpfeil etwas nicht stimmt. Die Ingenieure an den Telemetrie-Monitoren erkannten den Fehler schnell. Ein Zylinder war ausgefallen. Der W05 lief nur noch auf 5 Töpfen. Um nichts zu riskieren wurde Hamilton nach wenigen Kilometern an die Garage gerufen. Der Pole-Setter war nach 2 Runden raus. Doch was war die Ursache für den ersten Ausfall des Jahres?

Schnell war klar, dass es an der Zündung lag. Zuerst vermuteten die Motoren-Experten eine fehlerhafte Verkabelung. Doch bei der Inspektion des Antriebs wurde der wahre Grund schnell gefunden. In die hülsenförmige Gummi-Isolation einer Zündkerze ("Rubber-Drop-Tube") hatte sich seitlich ein kleines Loch gebrannt. Das kleine Bauteil, das in der Herstellung wohl keinen Euro kostet, hatte einen Formel 1-Renner zum Stehen gebracht.

Loch in Gummi-Isolation stoppt Hamilton

"Noch am Sonntagabend wurde mir im Flieger nach Hause ein Foto des Teils geschickt. Das war echt ärgerlich", blickt Motorenchef Andy Cowell auf den schmerzhaften Moment zurück. Der Ingenieur erklärt, dass Hamilton doppeltes Pech hatte: "Bei geringer Power im Leerlauf und der Einführungsrunde, hat der Zylinder trotz des Lochs korrekt gezündet. Doch bei voller Leistung ist der Funke dann durch die kleine Öffnung seitlich ausgetreten und an den Zylinderkopf gesprungen."

Die Ursache dafür, dass der Zündfunke nach und nach ein kleines Loch durch die Seitenwand der Hülse brennen konnte, liegt im Herstellungsprozess. Eine kleine Firma, 60 Kilometer entfernt von der Mercedes-Fabrik Brixworth, produziert die Isolationen. "Bei der Herstellung wird das Gummi durch Kompression in einer Form zusammengeschmolzen", erklärt Cowell. "Dabei entstehen kleine Risse, die kaum zu erkennen sind. Wir haben die Produktion ändern lassen. Jetzt werden die Bauteile im Spritzgussverfahren hergestellt. Dabei entstehen keine Nahtstellen. Außerdem wurde die Wandstärke an der entsprechenden Stelle etwas dicker ausgelegt."

Fehler hätte dramatische Folgen haben können

Die alten Hülsen wurden an allen Motoren für die Saison 2014 durch neue ersetzt. Bei der Inspektion der ausgebauten Teile fanden die Ingenieure ein halbes Duzend Isolierungen, die ebenfalls kritische Risse aufwiesen. Auf einem Prüfstand in der Fabrik konnte der Fehler reproduziert werden. Beim Test mit den fehlerhaften Hülsen traten die gleichen Symptome auf, wie am Auto von Hamilton in Melbourne, berichtet Cowell.
 
Dass der Pilot sofort an die Box gerufen wurde und nicht versuchte das Rennen im Fünf-Zylinder-Modus zu beenden, war im Nachhinein die richtige Entscheidung. "Wenn ein Zylinder nicht zündet, dann gelangt unverbrannter Sprit in das Auspuffsystem und würde sich dann dort entzünden. Wir nennen das unkontrollierte Verbrennung - und wie man schon in der Schule lernt, kann das ziemlich gefährlich sein. Außerdem hätten die Kolben Schaden nehmen können", erklärt der Ingenieur.

Malaysia-Test mit Melbourne-Motor erfolgreich

Da man die Motoren zwischen den Rennen nicht testen darf, konnte Mercedes erst im Freien Training von Malaysia prüfen, ob die Antriebseinheit die zwei Melbourne-Runden unbeschadet überstanden hat. Das Aggregat lief am Freitag (28.3.2014) ohne Probleme. "Ich bin da sehr vorsichtig. Viele haben mich schon vor dem Test gefragt, ob der Motor okay ist. Da hab ich gesagt, dass ich 90 Prozent sicher bin. Nach den ersten beiden Sitzungen sind es jetzt noch ein paar Prozent mehr. 100 Prozent sage ich erst, wenn wir den Motor nach dem Ende der geplanten Laufleistung zurückziehen", so Cowell.

Der alte Motor soll das ganze Sepang-Wochenende im Auto bleiben. Wäre das Aggregat komplett ausgefallen, hätte Mercedes übrigens versucht, mit 4 Antriebseinheiten über die Saison zu kommen. "Bei der Entscheidung für die neuen Motoren war das auch ursprünglich Mal der Plan. Doch nach kurzer Bedenkzeit wurde für das erste Jahr der neuen Generation quasi ein extra Joker eingeführt und ein fünfter Motor straffrei zugelassen."

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