Hamilton will Emotionen zügeln

"War schon mal kurz vor Prügelei"

Lewis Hamilton - GP China 2018 Foto: sutton-images.com 69 Bilder

In Bahrain flogen zwischen Hamilton und Verstappen erst auf der Strecke die Fetzen und danach die Worte. Nur vier Tage später kam es in Shanghai überraschend zum Friedensschluss. Mit einem Händedruck wurde der Streit begraben.

Für Max Verstappen war das Rennen in Bahrain nach nur 3 Runden beendet. Der Holländer hatte versucht Lewis Hamilton in Kurve 1 zu überholen. Am Ausgang blieb der Mercedes mit dem Frontflügel am Hinterreifen des Holländers hängen, der darauf die Luft verlor. Kurze Zeit später war dann ganz Schluss.

Verstappen in der Opfer-Rolle

Nach dem Rennen waren beide Piloten mit gegenseitigen Schuldzuweisungen schnell zu Stelle. Die deftigeren Worte flogen aus der Ecke Hamiltons in die Richtung seines Kontrahenten. Schon im Warteraum vor dem Podium hatte der Engländer mit einem üblen Schimpfwort Dampf abgelassen. Die britischen Klatschblätter nahmen die Beleidigung dankend auf.

Und so war das Duell auch vier Tage später im Fahrerlager von Bahrain noch ein Thema. Verstappen musste in der offiziellen FIA-Pressekonferenz Stellung beziehen: „Ich wollte einfach nur ein Auto überholen. Ich habe den Angriff gestartet, wie ich es zum Beispiel letztes Jahr in Mexiko gemacht habe. Mal geht es gut, mal geht es schief. Das ist Racing. Ich verstehe nicht, warum jeder jetzt so eine große Nummer draus macht.“

Mit dieser Ausweich-Antwort gaben sich die Pressevertreter natürlich nicht zufrieden. Vor allem die harschen Worte von Hamilton mussten doch Spuren beim Red Bull-Piloten hinterlassen haben. Und in der Tat feuerte Verstappen eine Breitseite zurück, als er auf die Reaktion seines Kontrahenten angesprochen wurde: „Es ist immer einfach, die Schuld auf den jüngeren Fahrer zu schieben. Deshalb ändere ich jetzt aber nicht meine Stil.“

Hamilton geht auf Verstappen zu

Verstappen vs.Hamilton - GP Bahrain 2018 Verstappen vs. Hamilton „Ein dummes Manöver“

Gerne hätte der Boulevard den Streit noch etwas weiter am Köcheln gehalten. Doch dann war die Affäre schneller beendet, als man es erwartet hatte: „Ich habe Max gerade gesehen und wir haben Hände geschüttelt“, berichtete Hamilton in seiner Medienrunde am Donnerstagnachmittag. „Ich habe ihm gesagt, dass es immer gut ist, wenn man Respekt zeigt. Da macht es nichts aus, ob man der ältere oder jüngere Fahrer ist.“

„Ich habe als älterer Fahrer die Notwendigkeit gesehen, zu ihm hinzugehen. Ich habe ihm gesagt, dass es mir Leid tut, wie es im letzten Rennen gelaufen ist. Unabhängig davon, ob es sein oder mein Fehler war. Das liegt jetzt in der Vergangenheit. Ich hoffe das hilft, um wieder nach vorne zu schauen und wieder normal auf der Strecke miteinander umzugehen. Der Respekt ist das wichtigste zwischen den Fahrern.“

Ricciardo sieht Mitschuld bei beiden

Auch wenn die Beteiligten Friedenspfeife rauchten, blieb immer noch die Schuldfrage im Raum. In den sozialen Medien diskutierten sich die Fans in den letzten Tagen die Finger wund. Und auch Daniel Ricciardo hatte sich die Szene ganz genau angeschaut: „Ich versuche ehrlich zu sein: Lewis hätte dafür keine Strafe verdient gehabt. Aber es hat mich ein wenig an meinen Zwischenfall mit Nico Rosberg in Budapest erinnert. Er ist damals in mich reingefahren als ich schon am Kurvenausgang auf dem Randstein fuhr.“

Verstappen vs. Hamilton - Formel 1 - GP Bahrain 2018 Foto: sutton-images.com
Der Moment als bei Verstappen der Reifen platzte. Wer war schuld?

Aber auch dem eigenen Teamkollegen gibt Ricciardo eine Mitschuld: „Meiner Meinung nach hatte Max die Position schon gewonnen. Er hätte Lewis nicht noch soweit rausdrängen müssen. Lewis hatte den Speed verloren, da wäre Max auf jeden Fall vorne geblieben. Da war er wohl etwas zu gierig und hat ihn etwas weit rausgeschoben. Ich habe auch Stimmen gehört, die gesagt haben, dass Lewis sich da hätte rausziehen können. Aber dafür hätte er schon abbremsen oder die Strecke verlassen müssen. Das ist einfacher gesagt als getan.“

Die FIA scheint also nicht so falsch damit gelegen zu haben, die Szene ohne Strafe weiterlaufen zu lassen. Bleibt nur noch die Geschichte mit der Beleidigung Hamiltons vor der Podiumszeremonie. Hamilton kündigte an, im Raum vor der Pokalvergabe etwas vorsichtiger zu sein, wenn es darum geht Emotionen zu zeigen. „Ich habe das in all den Jahren ganz gut unter Kontrolle gehalten. Das war das einzige Mal, dass ich vergessen habe, dass die Kameras da laufen.“

Prügelei in der Formel 1 undenkbar

Er bat die Journalisten um Verständnis: „Versucht Euch doch mal in solch ein Szenario zu versetzen, in dem Ihr richtig wütend seid, in dem die Emotionen hochgehen und man richtig sauer ist – und dann streckt einem jemand ein Mikrofon ins Gesicht. Dann antwortet man nicht mehr so, wie man es normalerweise in Ruhe täte. Trotzdem beurteilen einen die Leute danach.“

Laut Hamilton sei es schwierig, den richtigen Kompromiss aus Emotionen und Kontrolliertheit zu zeigen. „Natürlich ist es gut, wenn im Sport Emotionen gezeigt werden. Wenn man zu einem Eishockey-Spiel geht, dann macht es niemandem etwas aus, wenn es zu Prügeleien kommt. Das ist cool. Selbst in der NASCAR kam es schon zu Prügeleien, aber da wird einfach anders mit umgegangen. Wenn wir so etwas hier in der Formel 1 hätten, Jesus Christus, dann wäre die Karriere wahrscheinlich vorbei.“

Eine Reporterin ließ sich die Steilvorlage nicht nehmen und fragte den Pilot, ob er schon mal kurz davor war, sich mit einem Rivalen anzulegen, worauf Hamilton ehrlich antwortete: „Ich war in der Tat schon mal kurz vor einer Prügelei. Ich sag Euch aber nicht, wann das war. Ich habe heute noch das Gefühl, dass ich es damals hätte machen sollen.“

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