Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn 2018 - Budapest sutton-images.com
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn 2018 - Budapest - Rennen
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Hamilton fliegt zum Ungarn-Sieg

Bottas spielt den Flügelmann

Der Hungaroring ist eigentlich eine Strecke für Ferrari und Red Bull. Es gewann aber Lewis Hamilton im Mercedes. Das Weltmeisterteam nutzte Valtteri Bottas, um dem WM-Führenden an der Spitze gegen Ferrari Luft zu verschaffen. Die Teamführung verteidigte die Entscheidung und lobte den finnischen Bodyguard.

Mercedes landet vor der Sommerpause zwei wichtige Treffer. Die Siege in Hockenheim und Budapest könnten zwei entscheidende auf dem Weg zur fünften Weltmeisterschaft in Serie gewesen sein. Es waren zwei Rennen, die eigentlich Ferrari hätte gewinnen müssen. In Hockenheim hatte Sebastian Vettel 51 Runden lang geführt, ehe ihn ein Fahrfehler aus dem Rennen kegelte. Lewis Hamilton kam vom aussichtslosen 14. Startplatz und siegte. Eine Woche später bestimmte Ferrari das Tempo am Trainingsfreitag von Ungarn und Mercedes kämpfte mit überhitzenden Hinterreifen.

Es kam der Samstag. Es kam der Regen. Und Hamilton und Bottas stellten ihre Mercedes in die erste Reihe vor die beiden Ferrari von Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel. Das war die halbe Miete für den Rennsonntag. Der nächste Schritt war der Start. Wer in sauberer Luft fährt, kann seine Reifen besser managen und der Überhitzungsgefahr vorbeugen. Dazu kommt, dass der Hungaroring nach Monaco und Singapur die Strecke ist, auf der das Überholen am schwierigsten fällt. Hamilton verteidigte die Spitze, Bottas hielt die zweite Position.

Bottas gibt Rückendeckung

Mercedes bestückte seine beiden Autos mit den Ultrasoftreifen. Die weichste Mischung versprach die kürzeste Sprintzeit auf den ersten 618 Metern. Mit dem Softreifen wäre es eine zu große Gefahr gewesen, in die Fänge von Ferrari zu geraten. Die roten Autos starteten über die Saison gesehen besser als die silbernen. „Wir hatten ein starkes Gefühl, dass Ferrari Räikkönen auf die Ultrasofts setzen würde und Vettel auf den Softreifen. Nur so konnte er strategisch etwas gegen uns ausrichten. Aber wir konnten es nicht riskieren, mit den Softreifen loszufahren“, erklären die Mercedes-Ingenieure.

Der Start entschied auch das teaminterne Duell. Bottas musste die Hoffnung auf den ersten Saisonsieg schon nach der ersten Runde begraben. Die anschließenden Runden spielten Hamilton die letzten Trümpfe zu. Die Strategen schickten ihre Fahrer mit einem klaren Plan los: Wer auch immer nach der ersten Runde Zweiter ist, muss die Ferrari aufhalten. „So hätten wir auch verfahren, wenn Lewis hinter Valtteri gefallen wäre. Die Fahrerweltmeisterschaft ist sehr wichtig. Die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft aber auch. Wir mussten sicher gehen, dass wir das Rennen gewinnen.“

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2018 - Budapest
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Valtteri Bottas hielt Lewis Hamilton im Rennen den Rücken frei.

Bottas bummelte verhältnismäßig, schützte damit Hamilton, der vorneweg enteilte. Nach vier Runden betrug sein Vorsprung schon über drei Sekunden. Nach acht Runden schon über vier. Nach elf Runden über fünf Sekunden. Bis zum Boxenstopp von Bottas in Runde 15 waren es schon über sechs Sekunden. Vettel lag zu diesem Zeitpunkt schon 8,6 Sekunden hinter Spitzenreiter Hamilton. Mercedes-Teamchef Toto Wolff bezeichnete seinen finnischen Schützling nach dem Rennen als den „perfekten Flügelspieler“. In Englisch „wingman“. Darauf angesprochen, meinte Bottas: „Diese Wortwahl tut weh.“ Wolff stellte klar: „Das passiert, wenn man nicht direkt miteinander spricht. Sein Rennen war das eines perfekten Wingman. Das ist aber nicht despektierlich gemeint. Es gibt bei uns keine Nummer 1 und Nummer 2. Valtteri ist großartig gefahren. Für mich war es sein bestes Rennen, seit er für Mercedes fährt.“

Setup-Umbau hilft Hamilton

Hamilton profitierte vom Bremsklotz Bottas und der Fahrt in sauberer Luft. Man hat es schon oft gesehen in der Vergangenheit. Wenn Mercedes in Führung liegt, hat man das Reifenmanagement unter Kontrolle. Sobald die silbernen Autos aber in den Verkehr fallen, werden sie verwundbar und neigen dazu, die Reifen zu überhitzen. Hamilton erzielte auf den Ultrasoftreifen 25 Runden lang konstante Rundenzeiten. Dabei hatte der lilafarbene Kleber am Trainingsfreitag überhaupt nicht mit dem Mercedes W09 harmoniert. Die Ingenieure konnten sich die plötzliche Verbesserung nicht nur durch die Fahrt in sauberer Luft erklären. „Die Reifen sind ein Rätsel“, sagt der Teamchef. „An einem Tag funktionieren sie perfekt, am nächsten nicht. Der Asphalt war zeitweise 60 Grad heiß. Normalerweise ist das Gift für uns. Dieses Mal nicht. Das stimmt mich optimistisch, dass wir in Hitzerennen auch in Zukunft mitmischen werden.“

Der Sieger führte die Wandlung auf zwei Umstände zurück. Training und Rennen seien nicht zu vergleichen. „Manchmal fährst du im Training schneller und im Rennen langsamer, um die Reifen zu schonen. Manchmal ist es umgekehrt.“ Und ein Setup-Umbau machte aus dem Mercedes W09 ein Siegerauto. „Im ersten Training gefiel mir das Auto nicht. Ich ließ es umbauen. Wir haben aber erst gegen Ende des zweiten Trainings gemerkt, dass wir in die falsche Richtung eingeschlagen haben. Deshalb waren die Longruns mäßig. Im dritten Training hat es immer noch nicht gepasst. Aber Valtteri war schnell. Da wusste ich, was in unserem Auto steckt.“

Der inzwischen fünfmalige Saisonsieger trat die Führung nur zwischen den Runden 25 und 39 an seinen WM-Rivalen Vettel ab. Ferrari hielt den Heppenheimer so lange wie möglich auf der Bahn. Aus zwei Gründen. Vettel startete auf den härteren Softs. Und die Taktiker hofften auf ein Safety Car. „Dann hätte Vettel das Rennen gewinnen können“, sagen die Mercedes-Strategen. Es kam nicht, und Hamilton brauste zum 67. Karriere-Sieg. „Dieser Sieg ist ein Bonus. Ferrari hat das bessere Paket für solche Strecken“, weiß der Titelverteidiger.

Bottas wird bestraft

Für den Teamkollegen endete das Rennen auf einem enttäuschenden fünften Platz. Mercedes coverte mit Bottas den frühen Boxenstopp von Räikkönen. Danach musste der 28-Jährige 55 Runden auf den Softreifen aushalten. Verkehr für Vettel und schnelle Rundenzeiten vor dessen Boxenstopp retteten Bottas den zwischenzeitlichen zweiten Platz. Was wäre passiert, wenn Vettel vor dem zweiten Mercedes auf die Strecke gekommen wäre und Hamilton hätte jagen können? „Dann hätten wir trotzdem gewonnen“, sprechen die Mercedes-Taktiker. „Lewis hatte die besseren Reifen als Valtteri. Und Vettel hat sich ewig abgemüht, ihn zu überholen.“

Fünf Umläufe vor dem Ende zollte Bottas den abbauenden Hinterreifen Tribut. „Die Reifen waren am Ende“, berichtete Wolff. Vettel überholte Bottas vor der zweiten Kurve. Dann krachte der Finne in den Ferrari. „Wahrscheinlich hat er sich verbremst und verschätzt. Zum Glück hat es mein Rennen nicht zerstört“, erzählte Vettel.

Bottas zerstörte sich den Frontflügel. Mit einem waidwunden Mercedes wehrte er sich in den letzten zwei Runden gegen die Attacken von Daniel Ricciardo. Mit unfairen Mitteln, wie die Stewards später befanden. Sie bestraften seinen Rammstoß mit einer zehnsekündigen Zeitstrafe. Was am Ergebnis aber nichts mehr änderte. „Auf dem TV-Bildschirm sah es nach einem harten Manöver aus. Aber Valtteri hatte einfach keinen Abtrieb mehr an der Vorderachse“, verteidigte Wolff.

Mercedes baute die Führung in beiden Meisterschaften aus. Hamilton nimmt einen Vorsprung von 24 Punkten mit in die Sommerpause. In der Team-Wertung führt Mercedes mit 345 zu 335 Punkten vor Ferrari.

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