Hamilton greift nach viertem WM-Titel

„Motor so oft es geht geschont“

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Mexiko - Formel 1 - Donnerstag - 26.10.2017 Foto: xpb 98 Bilder

Lewis Hamilton kann in Mexiko wieder Weltmeister werden. Sein alter Rivale Fernando Alonso lobt den WM-Führenden über den grünen Klee. Auf Mercedes wartet in Mexiko vermutlich eine knifflige Strecke.

999 Rennrunden ist die Formel 1-Saison 2017 alt. Oder 17 Grand Prix. Es gibt nur einen Fahrer im Feld, der alle Rennen beendet und alle Rennrunden gefahren ist. Das ist Lewis Hamilton. Der WM-Führende kommt mit neun Saisonsiegen und elf Pole-Positions zum drittletzten Rennen des Jahres. Hamilton reist mit 66 Punkten Vorsprung an. In Mexiko kann er mit einem fünften Platz seinen vierten Titel in der Königsklasse klarmachen. Dann kann sich Sebastian Vettel strecken, wie er will.

Hamilton will vor dem Rennwochenende keine Erwartungen aufbauen. Für ihn ist es nicht wichtig, dass er in Mexiko Weltmeister wird. Sondern, dass es überhaupt passiert. „Es ist egal, an welchem der verbleibenden Rennorte ich es schaffe“, sagt der 32-Jährige. Das haben wir schon letzte Woche in Austin gehört, als Hamilton vorzeitig schon hätte Champion werden können. „Es ist klar, dass es natürlich am schönsten ist, den Titel mit einem Sieg einzufahren“, schiebt Hamilton hinterher. In Mexiko erwartet Mercedes aber die schwerste der letzten drei Strecken. Auf dem 4,304 Kilometer langen Kurs wird mit viel Anpressdruck gefahren. Der dünnen Luft wegen, die den Luftwiderstand der Autos senkt. Strecken, die viel Abtrieb verlangen, waren in diesem Jahr bislang aber die Domäne von Ferrari.

Die Mercedes-Ingenieure führen aus: „Vom Luftwiderstand der Autos ist es vergleichbar mit Spa. Aber du hast keine Miniflügel drauf. Du fährst hier mit Flügeln wie in Singapur, Budapest und Monaco. Also maximaler Abtrieb. Da haben Ferrari und Red Bull das bessere Paket.“ Die Ingenieure sehen noch einen zweiten Nachteil für das eigene Team: „Auf dieser Strecke ist es unglaublich schwierig, alle vier Reifen gleichzeitig zum Arbeiten zu bringen. Besonders die Vorderreifen heizen sich nur langsam auf. Auch in dieser Beziehung sind Ferrari und Red Bull eigentlich besser. Deshalb erwarten wir sowohl Schwierigkeiten im Qualifying als auch im Rennen.“

Noch ohne Schaden durch die Saison

Trotzdem besteht kein Zweifel, dass Hamilton sich 2017 zum vierten Mal die Krone aufsetzt. Auch wenn Konkurrent Vettel sagt: „Noch ist es nicht vorbei. Auch wenn wir es natürlich nicht selbst in der Hand haben und auf ihr Pech hoffen müssen. Wir wollen die letzten drei Rennen gewinnen. Und das können wir. Wir haben das Auto dafür.“

Mercedes - GP Mexiko - Formel 1 - Donnerstag - 26.10.2017 Foto: ams
Mercedes überzeugt 2017 einmal mehr bei der Standfestigkeit.

Bis auf einen defekten Turbolader im Auto von Valtteri Bottas beim GP Spanien hat sich Mercedes allerdings nichts zuschulden kommen lassen. Die Zuverlässigkeit ist etwas, was Hamilton trotzdem umtreibt. „Es kommt nur ganz selten vor, dass man ohne Ausfall über alle Grand Prix kommt. Es wäre eine unglaubliche Leistung, wenn wir das schaffen.“

Der Mercedes-Pilot lobt seine Mannschaft für die maximale Zuverlässigkeit seines Autos. Andererseits lobt er auch sich selbst. Er habe das maximal mögliche getan, um ohne Defekt durchzukommen. „Ich habe immer die Motoren geschont, so gut es ging, wenn ich in Führung lag. Den Leistungsverlust habe ich dann über meinen Fahrstil kompensiert, indem ich zum Beispiel die Reifen härter rangenommen habe.“ Das muss sich für die Konkurrenz wie eine Ohrfeige anfühlen.

Alonso sieht Hamilton in Top 5 der Geschichte

Mit dem vierten WM-Triumph würde Hamilton auch in dieser Statistik sein Idol Ayrton Senna überflügeln. Deshalb sieht er sich jedoch nicht als besseren Fahrer. „Ayrton ist so früh verstorben. Wenn er unter den heutigen Sicherheitsstandards gefahren wäre, hätte er mehr Rennen und Titel gewonnen. Es geht nicht um mehr Siege, Poles und Titel. Ich bin einfach nur glücklich, dass mein Name in einem Atemzug mit seinem fällt.“

Sein alter Rivale Fernando Alonso, mit dem er 2007 gemeinsam für McLaren fuhr, zählt den Briten zu den fünf besten Fahrern der Geschichte. „Er hat in allen Serien gewonnen, in denen er gefahren ist. Er war in jeder Formel 1-Saison konkurrenzfähig. Lewis ist einer der wenigen, die auch mit einem schlechten Auto gewinnen können. Das hat er zum Beispiel 2009 bewiesen. Er braucht nicht das schnellste Auto, um zu triumphieren.“

Ein fünfter Platz hätte Hamilton auch schon in seiner ersten Formel 1-Saison zum Titel gereicht. Damals vergeigte es der Neueinsteiger. Zuerst mit einem eigenen Fehler in Shanghai. Dann befiel seinen McLaren in Brasilien für über eine Minute der Defektteufel. Es würde an ein Wunder grenzen, sollte Hamilton wieder patzen. Zumal er in diesem Jahr praktisch fehlerfrei fährt. „Ich hatte damals schon das Talent. Jetzt habe ich einfach noch mehr Werkzeuge. Ich bin erfahrener und habe ein besseres Wissen, was ich wann machen muss.“ Generell ist Hamilton über die Jahre wie jeder Mensch gereift. Lebenserfahrung macht ihn zu einem besseren Fahrer. „Mit 22 bist du einfach ein anderer Mensch. Ich war damals noch grün hinter den Ohren.“

Denkt Hamilton schon ans Aufhören? Seine Fans müssen sich nicht sorgen. „Ich will noch ein paar Jahre bleiben“, sagt der 32-Jährige. „Ich könnte aber ganz einfach ohne die Formel 1 leben. Allerdings kommen noch einige sehr coole Dinge auf mich zu, so dass ich hier bleiben möchte. Das sind Dinge, die ich geplant habe, aber über die ich noch nicht sprechen kann. Mit 40 werde ich aber sicher nicht mehr im Auto sitzen.“

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