Hamilton-Hype

"Das achte Weltwunder"

Foto: dpa

Zwischen Lewis-Mania und Hamilton-Hype - die Begeisterung um den neuen Superstar Lewis Hamilton kennt in Großbritannien keine Grenzen. Die Insel-Zeitungen sind voller Lobeshymnen und Geschichten über das "achte Weltwunder" (The Sun) und den "am meisten vergötterten Neuling der Formel-1-Geschichte" (Daily Mail).

Das Haus des "Wunderknaben" wird von Fotografen belagert. Die Einschaltquoten des Senders ITV 1 sind dank des 22 Jahren alten McLaren-Mercedes-Piloten so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Die Betreiber von Kartbahnen melden Rekordzahlen.

"In England sind alle trocken wie ein Schwamm, nachdem sie jahrelang keinen Star mehr hatten", stellte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug fest. Der Grand Prix am Sonntag (14:00 Uhr) in Silverstone, 100 Kilometer von Hamiltons Wohnort Stevenage entfernt, ist seit Wochen ausverkauft. Das Verkehrschaos am Wochenende ist vorprogrammiert. "Was da abgehen wird, hat die Motorsportwelt noch nicht gesehen", ist sich Haug sicher.

Neuer Stern am Formel 1-Himmel

Seit Damon Hill 1996 haben die Fans in Silverstone keinen WM-Spitzenreiter aus dem selbst ernannten "Mutterland des Motorsports" gesehen. Der letzte Brite, der auf der geschichtsträchtigen Strecke in Mittelengland gewann, war 2000 der Schotte David Coulthard. "Hamilton wird die Historie der Formel 1 neu schreiben. Der Preis des aufregendsten Neulings muss nur für ihn erfunden werden", schloss sich Ex-Weltmeister Hill den Elogen an.

Hamilton ist mittlerweile neben Fußball-Profi David Beckham der neue Superstar in Englands Sport. Das Wettbüro Paddy Power nimmt schon jetzt keine Wetten mehr darauf an, dass das "Wunderkind" zu "Großbritanniens Sportler des Jahres" gewählt wird. Hamilton kann kaum noch unbehelligt in ein Restaurant gehen, überall wird er erkannt. Deshalb erwägt er den Umzug nach Monte Carlo oder in die Schweiz.

Hamilton bleibt auf dem Boden

Doch bisher lässt sich Hamilton nicht anmerken, dass der Ruhm eine Last ist. Der Hochbegabte bleibt auch im größten Trubel gelassen und zeigt trotz seiner jungen Jahre eine erstaunliche Reife. Keine Spur von Arroganz oder Abgehobenheit. Selbst knifflige Fragen nach dem schwierigen Verhältnis zu seinem Teamkollegen und schärfsten WM-Rivalen Fernando Alonso bringen ihn nicht aus der Ruhe.

Nur an sein erstes Heimrennen als Formel-1-Fahrer denkt Hamilton mit gemischten Gefühlen. "Die meisten Leute wären glücklich, einige hätten Angst. Bei mir ist es irgendwo dazwischen", sagte er. "Ich finde es wirklich aufregend, zurück in Großbritannien zu sein, denn ein Rennen in deinem Heimatland ist eine große Sache. Die Unterstützung zu spüren, gibt einen enormen Schub. Aber es wird eine neue Erfahrung, die Aufmerksamkeit zu kontrollieren."

Lebenslauf mit Drehbuch-Charakter

Der Aufstieg des "am besten vorbereiteten Neulings in der Formel-1-Geschichte" (BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen) ist atemberaubend. Hamiltons Vita hat das Zeug für einen Hollywood-Film: Er ist der erste Farbige in der Königsklasse. Seine Eltern trennten sich, als er zwei Jahre alt war. Vater Anthony nahm bis zu drei Jobs an, um die Rennleidenschaft seines Sohnes zu finanzieren. Sein Bruder Nicolas ist behindert. "Lewis wird berühmter als Tiger Woods", glaubt Michael Eboda, Chefredakteur von "New Nation", einer Zeitschrift für die afrikanisch-karibische Bevölkerung.

Hamilton schickt sich an, nach dem Ende der Ära Michael Schumacher ein neues Zeitalter zu begründen. Er bricht eine Rekordmarke nach der anderen. Er ist der jüngste Fahrer, der je die WM angeführt hat. In den bisherigen acht Rennen stand er acht Mal auf dem Podium. Er gewann zwei Mal - und das in Montréal und Indianapolis, wo er zuvor noch nie gefahren war.

Der "Zauberlehrling" kann auf Anhieb Weltmeister werden. "Ich glaube, Lewis wird der Maßstab für eine ganze Generation von Fahrern", sagte der dreifache Weltmeister Jackie Stewart. Frank Williams, Chef des konkurrierenden Williams-Teams, fragte sich angesichts der Hamilton-Auftritte, "ob es nicht doch einen Gott gibt". Für Rennlegende Stirling Moss ist sein Landsmann schon jetzt "der Beste, den ich je gesehen habe".

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