Hamilton

Lob von allen Seiten

Foto: Daniel Reinhard 52 Bilder

Der grandiose Sieg von Lewis Hamilton in Silverstone ist immer noch Tagesgespräch in der Formel 1. Bei den Testfahrten in Hockenheim zwei Tage danach gab es immer noch Lob - auch von der Konkurrenz.

Es war eine der überlegensten Triumph-Fahrten in der GP-Geschichte. 68 Sekunden Vorsprung - mehr gab es zuletzt 1995 in Adelaide, als Damon Hill mit zwei Runden Abstand zu Olivier Panis gewann. Einer der ersten Gratulanten im Fahrerlager von Hockenheim war David Coulthard. Der Schotte klopfte Hamilton auf die Schulter: "Unglaubliches Rennen Lewis, well done. Ich hatte Gegelegenheit, fast den ganzen Grand Prix am Fernsehschirm anzuschauen." Coulthard war in der ersten Runde mit Sebastian Vettel kollidiert.

Vergleich mit den Großen

Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug war voll des Lobes: "Das war ein Sieg im Stile von Senna oder Schumacher." Als Hamilton in den letzten Runden mit komfortablem Vorsprung führte, begann an der Box das große Zittern. "Wir haben ihn über Funk gebeten, dass er nichts mehr riskieren soll, aber Lewis hat nur gesagt: Ich kann nicht langsam fahren." Der Sieg war auch gut für die Psyche. Damit sind die Kritiker widerlegt. "Ich verstehe die Kritik sowieso nicht", sagt Haug. "Lewis stand bei 26 Starts 17 Mal auf dem Podest. Ich kenne keinen, der so eine Quote hat."

Das größte Problem an einem perfekten Nachmittag war laut Haug das Visier von Hamiltons Sturzhelm. Es war von innen so beschlagen, dass der Fahrer teilweise kaum etwas sehen konnte. "Einmal hörte ich, dass von hinten ein Auto näher kam. Gesehen habe ich nichts", erzählt Hamilton. "Ich dachte, wer fährt denn da schneller als ich? Es war Barrichello, der mit seinen Extremwetterreifen im starken Regen an allen vorbeigeflogen ist." An der McLaren-Box wurde lange diskutiert, wie man das Visier säubern könnte, ohne dass beim Tankstopp Zeit verloren geht. Schließlich entschied man, dass ein Mechaniker das Visier mit einer Spezialflüssigkeit von innen abwischen sollte.

Taktikvorteil bei Mercedes

Ansonsten ging bei den Silberpfeilen alles glatt. Das ist auch die positive Erkenntnis von Norbert Haug. "Früher hatten wir ja unsere Schwächen mit der Taktik, gerade unter schwierigen Bedingungen. Da sind wir jetzt unheimlich treffsicher geworden." Die Statistik gibt ihm Recht. Die Chaosrennen des Jahres hat alle McLaren-Mercedes gewonnen: Melbourne, Monte Carlo, Silverstone.

Ferrari ist durch die jüngste Technikoffensive von McLaren unter Druck geraten. In Silverstone waren die McLaren unter allen Bedingungen schneller. Heikki Kovalainen fuhr eine überlegene Trainingsbestzeit, Lewis Hamilton dominierte das Rennen. Haug bleibt dennoch vorsichtig. "Ich will noch den Grand Prix in Hockenheim abwarten. In Silverstone sah es gut aus. Wer hätte schon gedacht, dass wir in der Qualifikation bei vergleichbarem Benzingewicht einem Ferrari mal eine halbe Sekunde abnehmen."

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