Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona Wilhelm
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - Qualifying - Samstag - 15. August 2020
Red Bull - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - Qualifying - Samstag - 15. August 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - Qualifying - Samstag - 15. August 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - Qualifying - Samstag - 15. August 2020 34 Bilder

Hamilton ringt Bottas nieder: Verstappen Favorit auf Barcelona-Sieg

Hamilton ringt Bottas nieder „Verstappen Favorit auf Rennsieg“

Es war mal wieder eine Mercedes-Show. Doch am Rennsonntag könnten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas mehr in den Rückspiegel schauen müssen, als ihnen lieb ist. Red Bull hofft, über das bessere Reifenmanagement eine Chance zu haben.

Das Ergebnis ist keine Überraschung. Der Abstand auch nicht. Mercedes ist in der Qualifikation nicht zu halten. Die Weltmeister haben auf eine schnelle Runde keinen Gegner. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas können sich an den Samstag-Nachmittagen ganz auf den internen Zweikampf konzentrieren.

Zum fünften Mal in den ersten sechs Rennen drang keiner in die Phalanx der Silberpfeile ein. Nur in der Qualifikation zum GP Steiermark erzielten die Mercedes nicht die Positionen eins und zwei. Im Regen soff Valtteri Bottas ab und Max Verstappen rückte auf. Doch wenn nicht widrige Umstände dazwischenkommen, ist Mercedes nicht zu schlagen.

Das gilt für den Samstag, allerdings nicht für den Rennsonntag. Quali und Rennen sind zwei verschiedene Disziplinen. Die Erfahrungen aus der Vorwoche haben den Klassenprimus vorsichtig gemacht. Über die Distanz ist der Red Bull bei hohen Temperaturen eine Waffe. Deshalb sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Auf Basis der Longruns vom Freitag ist Verstappen der Favorit auf den Rennsieg. Ich hoffe, wir können ihm einen harten Kampf liefern, damit er für den Erfolg richtig schwitzen muss, sollte er uns tatsächlich schlagen."

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona
Wilhelm
Valtteri Bottas war dicht dran, doch die Pole ging an den Teamkollegen.

Mercedes sieben Zehntel vor Red Bull

Dieses Mal betrug der Abstand zum Rest der Formel 1-Welt 0,708 Sekunden. Red Bull verzeichnete trotzdem einen Fortschritt. Für gewöhnlich liegt der Rückstand bei etwa einer Sekunde. Verstappen lobte sich selbst und stellte fest: "Ich habe anscheinend ein Abonnement auf den dritten Platz an diesem Wochenende. Ich bin zufrieden mit meiner Runde in Q3. Ich habe das Maximum aus dem Auto gequetscht." In allen Trainings war der WM-Zweite der erste Mercedes-Verfolger.

Es war ein seltsamer dritter Qualifikationsteil. Fünf der zehn Fahrer erzielten ihre schnellste Runde in den letzten 12 Minuten im ersten Anlauf. Darunter Hamilton, Bottas und Verstappen. Nur Sergio Perez, Alexander Albon, Carlos Sainz, Lando Norris und Pierre Gasly legten im Finale zu.

Auch Bottas schien auf dem Weg zu einer Verbesserung. Doch auf den letzten Metern entglitt dem 30-Jährigen die zweite Pole-Position nach 2019 in Spanien. "Auf meinem Display stand eigentlich, dass ich ein Zehntel unter meiner vorherigen Zeit sei, als ich über den Zielstrich fuhr. Doch dann hat sich die Zeitnahme aktualisiert. Das kommt immer ein bisschen zeitversetzt. Plötzlich war ich ein paar Tausendstel langsamer." Es waren 16 Tausendstel, um genau zu sein."

Bottas unterliegt knapp

Der Zweitplatzierte der Qualifikation wusste, wo er die entscheidenden Bruchteile verloren hat. "Mit den Kurven zehn und zwölf stand ich schon das ganze Wochenende auf Kriegsfuß. Da hat mir ein wenig die Balance im Auto gefehlt. Der Wind und die Streckentemperaturen haben es nicht leicht gemacht. Es wurde in der Qualifikation zwar besser, aber nicht ausreichend. Ich wusste, es würde zwischen mir uns Lewis um Millisekunden gehen. Die waren heute auf seiner Seite", bedauerte der Sieger des Auftaktrennens in dieser Saison.

Das Duell der Silberpfeile entschied Hamilton in Summe um 59 Tausendstel für sich. Der viermalige Spanien-Sieger war zwar zufrieden mit seiner ersten Runde in Q3, sah allerdings noch Verbesserungspotential. Doch auf dem zweiten Satz der weichen Mischung schwand der Grip. "Ich sah in ein paar Kurven, dass es eigentlich schneller gehen müsste. Stattdessen bin ich nur noch herumgerutscht. Der Grip war nicht da, und die Runde deshalb einfach nur armselig. Ich kann froh sein, dass ich trotzdem auf Pole bin", resümierte der Mann, der seinen Rekord auf 92 Karriere-Poles hochschraubte. Auch der teils böige Wind erschwerte den Piloten das Leben. Wie so oft in Barcelona.

Max Verstappen - Red Bull - GP Spanien 2020 - Barcelona
xpb
Max Verstappen dürfte Mercedes den Rennsieg streitig machen.

Vorteile für Hamilton

Der 612 Meter lange Sprint in die ersten Kurve könnte vorentscheidend sein. "Das wird meine beste Gelegenheit", weiß Bottas. Ansonsten wird es ein Ding der Unmöglichkeit für den Finnen, am Teamkollegen vorbeizukommen. Dafür muss man auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya schon eklatant schneller sein. Überholen ist hier eine Kunst, weil es in den Turbulenzen kaum möglich ist, am Ausgang der Zielschikane am Vordermann dran zu bleiben. Dann helfen auch eine ein Kilometer lange Gerade, DRS und Windschatten wenig. Es sei denn, dem Vordermann brechen die Reifen ein.

Wie es geht, hat ihm im Vorjahr Hamilton vorgemacht. Der Titelverteidiger überrumpelte seinen Kollegen bereits auf den ersten 100 Metern. Die Statistik spricht für Mercedes. Ein Start aus der ersten Reihe ist in Barcelona ein Faustpfand. Man muss sich nur die Ergebnisse der letzten Jahre anschauen. In den letzten fünf Ausgaben gewann dreimal der Mann von der Pole-Position (2018 und 2017 Hamilton, 2015 Nico Rosberg). Nur einmal kam der Sieger nicht aus der ersten Reihe. Das war 2016. Sie erinnern sich? Damals hieß der Sieger Max Verstappen. Es war die Premiere für den Holländer.

Damals kollidierten Hamilton und Rosberg in der vierten Kurve und machten den Weg frei für den Red Bull-Aufsteiger. Auf eine Wiederholung braucht Verstappen kaum zu hoffen. Bottas und Hamilton gehen pfleglicher miteinander um. Doch Red Bull wähnt sich in Schlagposition. Die Longruns vom Vortag stimmen Fahrer und Ingenieure optimistisch.

Mercedes voll auf Abtrieb?

Am Freitag war Verstappen auf allen drei Reifentypen so schnell wie die Mercedes. "Ich hoffe, dass das auch im Rennen so sein wird. Wenn sich eine Chance eröffnet, müssen wir sie unter Druck setzen, um wie in Silverstone zu profitieren", fordert der Jäger. Zünglein an der Waage könnten wieder die Reifen sein. Dieses Mal ziehen die Pirellis zwar keine Blasen, doch Abnutzung und Abbau sind eingroßes Thema bei Asphalttemperaturen um die 50 Grad.

Die Vergangenheit zeigte, dass Red Bull ein weit besseres Rennauto hat als in der Qualifikation. Dort profitiert Mercedes mehr vom stärkeren Motor. Und auch die Abtriebs-Unterschiede sprechen für die Silberpfeile. Kein Auto generiert mehr Anpressdruck in den Kurven als der W11. Gleichzeitig ist der Mercedes auch in den verzweigten Ecken das beste Auto. Das spricht für den meisten mechanischen Grip.

In den Topspeed-Messungen am Ende der Zielgerade tauchten die Mercedes erst im unteren Drittel auf. Bottas flog mit 319,8 km/h durch die Lichtschranke, Hamilton sogar nur mit 317,8 km/h. Das deutet daraufhin, dass Mercedes auf maximalen Abtrieb gesattelt hat, um die Reifen zu schützen. "Es ist bei diesen Temperaturen unheimlich schwer, den richtigen Kompromiss aus Topspeed und genügend Abtrieb für die Kurven zu finden", wirft Wolff ein. Die schnellen Rechtskurven drei und neun schälen den linken Vorderreifen. Der Schlussabschnitt geht auf die Hinterreifen. Mehr Anpressdruck hilft in Barcelona im Gegensatz zu Silverstone, weil der Asphalt ein anderer ist, die Kurvenfolgen sich unterscheiden und der Volllastanteil von 81 auf 76 Prozent fällt. Es gibt nur zwei echte Highspeedecken statt der 12 von Silverstone. Dort war zu viel Abtrieb Gift für die Pirellis.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona
Wilhelm
Kann Verstappen Mercedes über das Reifenmanagement schlagen?

Start auf Softreifen

Die Ingenieure haben aus dem Reifendesaster gelernt. Die Mercedes-Fahrer glauben, die schwarzen Sohlen dieses Mal besser im Griff zu haben. Trotzdem warnt Hamilton. "Red Bull wird eine echte Gefahr." Bottas ergänzt: "In der Hitze sind die Red Bull für gewöhnlich sehr stark."

Beim Startreifen gibt es keine Unterschiede im Gegensatz zu Silverstone. Verstappen beginnt wie die Mercedes auf dem Softreifen. "Das ist ein ziemlich guter Reifen hier", sagt Mercedes-Teamchef Wolff. Die Sieganwärter haben je zwei frische Sätze des Medium und einen harten Reifen in der Hinterhand. Da dürfte es Red Bull schwerfallen, den Triumph über die Strategie zu erzielen. Einzig der Undercut dürfte eine sehr effektive Waffe sein. Doch um einen früheren Reifenwechsel in Positionsgewinne umzusetzen, muss Verstappen schon den Mercedes im Heck kleben.

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