Hamilton baut Vorsprung aus

War’s das schon für Vettel?

Sebastian Vettel & Lewis Hamilton - GP Singapur 2018 Foto: sutton-images.com 62 Bilder

Lewis Hamilton ist auf dem Weg zum fünften WM-Titel einen großen Schritt näher gekommen. Mit seinem Singapur-Sieg baute er den Vorsprung vor Sebastian Vettel auf 40 Punkte aus. Ferrari scheint im Endspurt wieder die Puste auszugehen.

Viele Jahre war Singapur für Sebastian Vettel ein gutes Pflaster. Zwischen 2011 und 2015 stand der Heppenheimer beim Nachtrennen vier Mal ganz oben auf dem Podium. Doch in der jüngeren Vergangenheit ist irgendwie der Wurm drin. Nach der Startkollision im Vorjahr gab es nun erneut lange Gesichter im Lager der Scuderia. Eigentlich war Vettel mit dem Ziel angereist, den Rückstand auf WM-Konkurrent Hamilton zu reduzieren. Nun vergrößerte sich die Lücke von 30 auf 40 Punkte.

Zweckoptimist Vettel will die Hoffnung trotz der aussichtslosen Lage nicht aufgeben: „Es geht immer was. Aufstecken ist keine Alternative. Wir haben alle Zutaten, die es braucht. Wir müssen es nur zusammenbringen und dann Schritt für Schritt gehen. Natürlich hilft es nicht, wenn man ein Wochenende wie dieses hat, wo man Punkte verliert. Aber das kann man jetzt nicht mehr ändern.“ Immerhin kann Vettel den Titel noch aus eigener Kraft gewinnen. Wenn er immer gewinnt und Hamilton immer Zweiter wird, geht die Meisterschaft mit 2 Zählern nach Hessen.

Vettel verliert Singapur-Sieg im Qualifying

Sebastian Vettel - GP Singapur 2018 Foto: Wilhelm
Der Undercut-Versuch muss als Verzweiflungstat abgestempelt werden.

Doch an solch ein Szenario ist nach dem Wochenende in Singapur nur schwer zu glauben. Wie schon in Monza stellte sich Ferrari selbst ein Bein. Schon im Qualifying brachten die Ingenieure ihren Piloten in die Defensive. Die Pole Position war für Hamilton die halbe Miete zum Erfolg. „Es ist klar, dass wir nicht 6 Zehntel langsamer sind. Die Zeit von Lewis hätten wir auf jeden Fall auch fahren können. Aber dafür muss alles zusammenkommen. Und im Qualifying lief es einfach nicht rund genug“, erklärte Vettel.

So blieb im Rennen nur ein Verzweiflungsangriff. Obwohl der Rückstand gegenüber Hamilton schon auf fast 4 Sekunden angewachsen war, probierte es Ferrari in Runde 14 mit dem Undercut. „Wir haben probiert aggressiv zu sein, aber das ging nach hinten los. Wir wollten mit dem Ultrasoft-Reifen einen Platz nach vorne springen. Dann habe ich aber im Verkehr etwas Zeit verloren. Und da war uns auch direkt klar, dass es die falsche Entscheidung war, weil der Reifen nicht so gut hält.“

Vettel versuchte sein Team trotz des Strategiefehlers in Schutz zu nehmen: „Hinterher ist man immer schlauer. Wir hatten unsere guten Gründe, in diese Richtung zu gehen. Es hat aber nicht so funktioniert, wie wir es dachten. Es hat doch relativ viel gefehlt, um Lewis zu gefährden. Natürlich ist nun einfach, das zu kritisieren.“

Schadensbegrenzung auf weichen Reifen

Lewis Hamilton - GP Singapur 2018 Foto: Wilhelm
Hamilton gelingt momentan einfach alles.

Durch den Taktik-Fauxpas rutschte Max Verstappen vorbei auf Rang 2. Für Vettel hätte es aber noch schlimmer kommen können. „Ich hatte erst keine großen Hoffnungen, dass wir es mit den Reifen bis ins Ziel schaffen. Hätten wir noch einen Boxenstopp eingelegt, wären wir auf Platz 6 gelandet. Ich habe nur versucht mich über Wasser zu halten und über die Distanz zu kommen. Valtteri hatte hinter mir aber auf den eigentlich besseren Reifen auch Probleme. Deshalb haben wir es offenbar doch noch ganz gut gemanagt.“

Im Lager von Mercedes konnte man das Glück kaum fassen: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier 10 Punkte gutmachen werde. Aber ich bin sehr dankbar dafür. Wir müssen weiter bescheiden bleiben und so hart arbeiten, wie wir können. Es sind immer noch viele Punkte zu vergeben. Ich glaube aber fest daran, dass wir noch einige solcher Wochenenden abliefern können“, strahlte Hamilton.

Obwohl er es sich leisten könnte, will der Brite nun nicht in den Verteidigungsmodus übergehen: „Die Herangehensweise, die ich gerade habe, funktioniert ganz gut. Deshalb gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Wir lernen mit jedem Wochenende mehr über das Auto. Wir gewinnen immer mehr Selbstvertrauen. Ich glaube, wir haben gerade eine gute Balance gefunden.“

Hamilton verbläst alle

Hamilton & Vettel - GP Singapur 2018 Foto: Wilhelm
Auf dem Podium machte Hamilton Vettel noch einmal nass.

Teamchef Toto Wolff warnte ebenfalls davor, den Titel schon als gewonnen zu betrachten: „Wir müssen den Fuß weiter auf dem Gas halten und dürfen uns keine Fehler erlauben. Ob der Vorsprung 40 oder 0 Punkte beträgt, ändert für uns gar nichts. In Österreich hatten wir einen Doppelausfall. Daran sieht man, wie schnell es gehen kann.“

Seine Speerspitze im Cockpit kann Wolff gar nicht genug loben: „Seit sechs Jahren höre ich immer wieder die Frage, wie wir es Lewis erlauben können, dass er so viel in der Weltgeschichte herumfliegt. Und wisst Ihr was: Er hat es in den letzten Tagen so extrem wie noch nie betrieben. Er war erst in Shanghai auf einer Modenschau, ein paar Tage später in New York, und dann kam er hierher und hat alle verblasen. Er weiß einfach am besten, was gut für ihn ist.“

Für Vettel geht es nun darum, die Pleite so schnell wie möglich wegzustecken. Der erste Schritt zur Frustbewältigung lag darin, die Niederlage fair anzuerkennen: „Lewis hat nicht erwartet, dass er hier 10 Punkte gutmacht. Und ich hätte nicht gedacht, dass wir 10 Punkte verlieren. Aber das Ergebnis ist absolut gerechtfertigt. Heute waren wir vom Speed etwas hintendran. Das müssen wir verstehen. Aber mein Rennen war auch ein komplett anderes als seins. Ich glaube, wir müssen uns vor keiner Strecke fürchten. Russland sollte uns auch gut liegen.“

Die Laune will sich der Heppenheimer jedenfalls nicht nachhaltig verderben lassen: „Ich habe ja jetzt schon einige Rennen auf dem Buckel. Manchmal fehlen eben ein paar Kleinigkeiten. Das gehört zum Spiel dazu. Aber solange wir daraus lernen und es das nächste Mal besser machen, ist es kein großes Drama.“

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