Lewis Hamilton - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020 xpb
Carlos Sainz - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
Formel 2 Crash - Russland - Sotschi 2020
Valtteri Bottas - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
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FIA-Geldbuße für Mercedes

Hamilton-Strafpunkte gestrichen

Die FIA hat das Urteil gegen Lewis Hamilton nachträglich geändert. Die beiden Strafpunkte für die falsch ausgeführten Startübungen wurden gestrichen. Stattdessen gibt es eine Geldbuße für Mercedes. Wir erklären, wie es dazu kam.

Nach dem Grand Prix von Russland sorgte nicht das Rennen selbst für die größten Diskussionen im Fahrerlager sondern eine Szene, die sich vor dem Anpfiff abgespielt hatte. Lewis Hamilton hatte seine Startübungen an das Ende der Boxenausfahrt gelegt. Dabei ist in den Anweisungen der FIA klar beschrieben, dass die Prozedur direkt am Boxenausgang durchgeführt werden muss.

Das Vergehen selbst war unstrittig. Diskutiert wurde vor allem über die Sanktionierung. Hamilton bekam 10 Sekunden beim ersten Boxenstopp aufgebrummt, durch den er alle Chancen auf den Sieg verlor und auf Rang drei zurückfiel. Als Sahnehäubchen gab es noch zwei Strafpunkte für die persönliche Sünderkartei obendrauf.

Vor allem letztere Entscheidung konnte der Pilot nicht nachvollziehen. "Das ist doch lächerlich", winkte Hamilton ab. "Strafpunkte sollte es nur für Crashs oder ähnliche Vergehen auf der Strecke geben. Ich habe doch niemandem geschadet und keinen gefährdet."

Selbst Konkurrenten wie Max Verstappen sprangen dem Weltmeister beiseite: "Er war mit der Zeitstrafe doch schon genug bestraft. Ich bin nicht sicher, ob die Strafpunkte richtig sind." Und auch Sebastian Vettel nahm seinen Kumpel in Schutz: "Wenn man irgendwelche verrückten Sachen auf der Strecke macht, dann ist es okay. Aber für kleine Vergehen sollte es keine Punkte geben."

Lewis Hamilton - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
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Missgeschick auf dem Weg zum Startplatz. Die Zeitstrafe kostete einen möglichen Sieg.

Hamilton kurz vor Sperre

Brisant wurde die Geschichte vor allem durch die Tatsache, dass Hamiltons Konto mit dem Sotschi-Vergehen schon auf zehn Strafpunkte angewachsen war. Bei zwölf Punkten innerhalb von einem Kalenderjahr gibt es automatisch ein Rennen Sperre. Erst nach dem Rennen in Istanbul wären wieder ein paar Punkte gestrichen worden.

"Ich weiß nicht, wer der Ersatzfahrer von Mercedes ist. Aber wenn ich er wäre, würde ich schon mal anfangen zu trainieren", spottete Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Wenn ihm der kleinste Fehler passiert, dann ist er seine Lizenz los."

Doch dann wendete sich doch noch alles zum Guten. Gut drei Stunden nach der Zieldurchfahrt schickte die FIA neue Dokumente zum Urteil gegen Hamilton raus. Darin wurde plötzlich das Strafmaß geändert. Statt den Punkten für den Fahrer gab es plötzlich eine Geldbuße in Höhe von 25.000 Euro für das Team.

Safety-Car - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
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Kurz nach der Safety-Car-Phase kam die Nachricht an Hamilton, dass es eine Strafe gibt.

Mercedes zeigt eigenen Fehler an

In der Begründung für die Änderung gaben die Kommissare an, dass Mercedes in der Anhörung zugegeben hat, den Piloten fälschlicherweise an den inkorrekten Ort für die Startübungen geschickt zu haben. Die Stewards hörten sich noch einmal den Funkverkehr an und entschieden dann, das Team und nicht den Fahrer zu sanktionieren.

Wir haben noch einmal in die Diskussion mit Renningenieur Pete Bonnington in den entscheidenden Sekunden reingehört:

Hamilton: "Hier ist alles voller Gummi. Kann ich weiter raus fahren?"

Mercedes: "Bestätigt!"

Hamilton: "Bis ans Ende der Boxenmauer?"

Mercedes: "Ja, verstanden. Versuche genug Platz für die anderen Autos zu lassen, damit sie vorbeikommen!"

Das Funkprotokoll entlastet somit den Piloten. Aus dem Lager der Ingenieure hörte man, dass es zunächst Verwirrung gab, wo genau die Startübungen durchgeführt wurden. Eine Teilschuld muss man Hamilton aber auch geben. "Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen nachzufragen, ob ich mir einen anderen Platz aussuchen kann", erklärte Max Verstappen auf Nachfrage.

Hamilton & Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
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Hamilton fühlt sich als Dauersieger unter Beschuss.

Hamilton kritisiert Strafen-Willkür

In seinem ersten Frust äußerte Hamilton zwischen den Zeilen den Vorwurf, dass er von den Schiedsrichtern besonders hart rangenommen wird: "Ich muss mir nochmal die Regeln anschauen. Aber ich habe glaube ich noch nie zwei Fünf-Sekunden-Strafen gesehen."

"Wenn man vorne liegt, steht man immer unter genauer Beobachtung. Ich weiß zum Beispiel, dass unser Auto immer ganz besonders gründlich inspiziert wird. Die Motor-Regeln wurden auch geändert, um uns einzubremsen. Ich weiß nicht, ob solche Strafen wie heute auch in diesem Zusammenhang zu sehen sind."

"Es ist ein ständiger Kampf. Aber mir ist schon häufiger Gegenwind ins Gesicht geblasen. Ich werde nun noch einmal ganz genau das Regelbuch checken und überall schauen, wo mögliche Vergehen lauern, die noch nie bestraft wurden. Ich will ihnen einfach kein Grund mehr geben, irgendetwas zu machen."

Durch die Revision des Urteils kann sich Hamilton mit dem Studieren der Regeln noch etwas Zeit lassen. Sein Punktekonto steht nun wieder bei entspannten acht Zählern. Da droht für die nächste Zeit erst einmal keine Sperre.

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