Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Malaysia - Sepang - 30. September 2017 sutton-images.com
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Malaysia - Sepang - 30. September 2017
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Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Malaysia - Sepang - 30. September 2017
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Hamilton überrascht sich selbst

Diva zwischen Himmel und Hölle

Am Freitag war Mercedes nur Außenseiter. Nach dem dritten Training weiter die dritte Kraft, doch mit Sichtkontakt zu Ferrari und Red Bull. Dann überraschte sich Lewis Hamilton mit der Pole Position selbst. Sein Team sucht nach Erklärungen.

Teamchef Toto Wolff hat den Mercedes W08 einmal eine Diva genannt. Wenn dieser Vergleich jemals perfekt gepasst hat, dann in Malaysia. Die Diva bewegte sich zwischen Himmel und Hölle. Genaugenommen umgekehrt.

Es begann mit der Hölle. Im Freitagstraining lagen die Mercedes über eine Sekunde zurück. Auf allen Reifentypen. Auf einer Strecke, die dem Auto eigentlich liegen müsste. Unter beinahe perfekten Bedingungen. Die Strecke war grün, die Temperaturen lagen dank einer geschlossenen Wolkendecke im erträglichen Bereich.

Und doch zog Außenminister Niki Lauda in seiner unvergleichlichen Art ein niederschmetterndes Fazit: „Wir haben alles falsch gemacht.“ Zu dem Zeitpunkt konnte der Österreicher noch nicht ahnen, was der nächste Tag bringen würde. Und die Ingenieure brüteten bis 2 Uhr morgens über ihren Daten, um herauszufinden, ob nur das Setup oder das neue Aerodynamikpaket oder vielleicht beides dafür verantwortlich war.

Die Not war so groß, dass Mercedes einen Ansatz wählte, der auch schon zu einer Zeit populär war, als Niki Lauda selbst noch Rennen fuhr. Ein Auto wurde mit der alten, das andere mit der neuen Aerodynamikspezifikation bestückt. Beide Autos wurden entsprechend mechanisch neu abgestimmt.

Im dritten Training passierten drei Dinge. Mercedes halbierte den Rückstand auf die Konkurrenz. Lewis Hamilton war mit der alten Aerodynamik leidlich zufrieden, Valtteri Bottas berichtete von einer deutlichen Steigerung mit dem neuen Paket.

Hamilton fuhr wieder eine Hamilton-Runde

Jetzt war guter Rat teuer. Was nehmen? „Wir haben die Fahrer befragt und uns dann entscheiden, alles so zu lassen wie es ist. Es erschien uns sicherer als ein Auto wieder umzurüsten“, erzählt Wolff.

Hamilton war nach dem dritten Training noch kurz ins Grübeln gekommen: „Vor der Qualifikation wollte ich eigentlich zurück auf das neue Paket, weil es von den Daten her besser sein sollte, weil Valtteri und ich ungefähr gleich schnell waren und weil sich Valtteri plötzlich sehr wohl damit gefühlt hat. Ich wollte nicht mit einem Nachteil in die Qualifikation gehen, wo jede Millisekunde zählt. Doch uns lief die Zeit davon, uns so blieben wir bei dem, was wir hatten.“ Die Ingenieure verrieten: „Der Umbau hätte 2 Stunden gedauert.“

Hamilton reichte auch die alte Aerodynamik um seine 70. Pole Position zu feiern. Ab dem Q1 war der Mercedes wie verwandelt. Im Q1 konnte man es vielleicht noch auf die Soft-Reifen schieben, doch der Trend setzte sich im Q2 mit den Supersoft-Sohlen fort. Und zwar noch bevor Mercedes den Motor auf Quali-Modus drehte.

Dann gelang Hamilton wieder eine jener Hamilton-Runden: „Der erste Versuch war eine wirklich saubere und gute Runde. Ich war selbst überrascht, wie gut das Auto lief, kann aber nicht sagen, woher die Rundenzeit kam. Ferrari war das ganze Wochenende schneller als wir. Und plötzlich standen wir vorne.“

Im Q3 zeigte Hamilton wieder einmal, dass er jeden Penny wert ist, den er verdient. Eine K.O.-Runde davor fuhr Valtteri Bottas noch auf Augenhöhe. Als es um alles ging, fehlten dem Finnen 0,682 Sekunden. „Lewis hat exakt das Reifenfenster getroffen, Valtteri nicht. Das macht den Unterschied. Wir haben das gleiche Phänomen auch bei anderen Teams erlebt“, erklärte Toto Wolff. Bottas selbst rätselt, warum er gerade seit der Sommerpause so deutlich hinter seinen Teamkollegen gefallen ist: „Das Auto ist nicht grundlegend anders als davor.“

Die Krux mit zwei kleinen Fenstern

Jetzt war es an der Zeit, den Außenstehenden zu erklären, wie sich ein Rennauto innerhalb von 24 Stunden vom Saulus zum Paulus wandeln kann. Am Aero-Paket, das zunächst im Verdacht stand, lag es nicht, auch wenn Hamilton mit der alten Spezifikation scheinbar das Gegenteil beweist. „Das neue Aero-Paket funktioniert, wie es der Windkanal versprochen hat“, verrät Wolff.

Also wieder einmal die Umstände und die Reifen? Ein bisschen von beidem. Lassen wir zuerst Niki Lauda sprechen, der die Problematik in allgemeinverständlicher Sprache erklärt: „Wir haben ein unheimlich schnelles Auto, wenn alles passt. Das Auto und die Reifen funktionieren aber nur in sehr kleinen Fenstern. Kleiner als bei den anderen. Wenn sich durch äußere Einflüsse irgendetwas verändert, dann fallen wir aus einem der Fenster oder aus beiden heraus und sind nirgendwo.“

Wolff geht ins Detail: „Am Freitag haben die Vorderreifen überhitzt und die Hinterreifen waren zu kalt. Im dritten Training war es umgekehrt. Dann finden die Fahrer keine Balance. Das kann sich aber ändern, wenn ein Parameter oder mehrere sich ändern.“ Gemeint sind Asphalttemperatur, der Grip von der Strecke, Setup-Änderungen, Anpassungen des Fahrstils. Der Teamchef fasst es so zusammen: „Bei unserem Auto ist das Fenster kleiner, das Auto kapriziöser und daher die Schwankungen größer.“

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