Hamilton - Bottas - Zetsche - Podium - GP Deutschland 2018 - Rennen Wilhelm
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Deutschland 2018 - Rennen
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Sebastian Vettel - Ferrari - GP Deutschland 2018 - Rennen 66 Bilder

Hamilton zittert sich zum Sieg in Hockenheim

Sieg und Zitterpartie nach Missverständnis

Lewis Hamilton war krasser Außenseiter. Doch dann brachte ihn der Regen und Fehler von Ferrari und Sebastian Vettel ins Rennen um den Sieg beim GP Deutschland zurück. Ein Missverständnis mit der Box schenkte ihm die Führung und hätte ihn fast noch um den Sieg gebracht. Protokoll einer Achterbahnfahrt.

Der GP Deutschland war 44 Runden lang eine klare Angelegenheit. Sebastian Vettel fuhr seinem fünften Saisonsieg entgegen. Hinter ihm stritten sich zwei Finnen um den zweiten Platz. Valtteri Bottas hätte das Duell wegen der frischeren Reifen wahrscheinlich gewonnen. Lewis Hamilton lag zu diesem Zeitpunkt 22,8 Sekunden hinter Vettel an fünfter Stelle. Der Mann vom 14. Startplatz hätte noch elf Sekunden aufholen müssen, um Max Verstappen vom 4. Platz zu verdrängen. Allein das wäre eine Titanenaufgabe gewesen.

Doch dann spielte das Wetter Schicksal. Es begann stellenweise zu regnen. Wie im Jahr 2000 als Rubens Barrichello von Startplatz 18 gewann, war nicht die ganze Strecke betroffen. Erst regnete es in Kurve 6, dann zwischen den Kurven 1 und 2. Mal mehr, mal weniger. Für die tückische Strecke hatte Hamilton die besten Reifen am Auto. Der Mercedes-Pilot fuhr seit Runde 42 mit Ultrasoft-Reifen. Alle seine Gegner waren mit älteren und härteren Reifen unterwegs. Auf einer Strecke, die nicht genug nass für Intermediates war, aber an gewissen Stellen zu nass für alte Soft-Gummis, hatte Hamilton plötzlich einen Joker in der Hand.

Der Titelverteidiger machte pro Runde zwischen zwei und drei Sekunden gut und wurde damit selbst für Vettel zur Gefahr. Für Hamilton war es nach dem Pech im Training eine emotionale Achterbahnfahrt. Ein Hydraulikdefekt hatte ihn tief ins Feld verbannt, während WM-Gegner Vettel von der Pole Position beste Siegchancen hatte. Auf mehr als Schadensbegrenzung durfte Hamilton eigentlich nicht hoffen, und dieses Gefühl beherrschte ihn auch in der ersten Rennphase. Der Weltmeister sieht sich ja gerne in der Opferrolle. „Du darfst den Glauben an das Wunder nie aufgeben, aber ein Sieg war von meiner Startposition doch ziemlich unwahrscheinlich. Ich habe vor dem Rennen ein langes Gebet zum Himmel geschickt. Als der Regen kam, da waren alle negativen Gedanken mit einem Mal weggewaschen“, erklärte Hamilton.

Eine Frage wird für Hamilton zum Befehl

Plötzlich war der Renngott wieder auf seiner Seite. Die Gegner spielten Hamilton die Trumpfkarten zu. Verstappen hatte sich mit einem Wechsel auf Intermediates und zurück auf Ultrasoft-Sohlen selbst aus dem Kreis der Sieganwärter gepokert. Bottas und Räikkönen waren bereits in Sichtweite, Vettel nur noch 12,1 Sekunden in Führung, und das Wetter wartete mit immer neuen Schauern quer über die Strecke verteilt auf. Keine Runde war wie die andere. Ferrari hatte seinem Fahrer an der Spitze unnötigen Druck aufgebaut, weil sie den Positionswechsel mit Räikkönen viel zu spät angeordnet hatten. Das kostete Vettel fünf Sekunden.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Deutschland 2018 - Rennen
Wilhelm
Erst wehrte Hamilton die Attacke von Bottas ab, dann folgte die Stallregie.

Vettel musste wieder ins Risiko. In der 52. Runde ging der Balanceakt ging schief. Der Ferrari rutschte in der Sachskurve von der Bahn. Es war die Runde, die für Hamilton Himmel und Hölle bedeuten konnte. Über Vettels Ausfall wollte keine Freude aufkommen: „Ich hatte selbst alle Hände voll zu tun, mein Auto auf der Strecke zu halten.“ Kaum steckte Vettels Ferrari im Kies, rief Mercedes seine beide Fahrer an die Box. Das fällige Safety Car bedeutete einen Gratis-Boxenstopp und die Chance, sich für den Re-Start und die letzten 15 Runden noch einmal mit frischen Ultrasoft-Reifen einzudecken.

Bottas kam an die Box, erlebte dort ein Chaos, weil Soft-Reifen bereitlagen, man aber Ultrasoft-Gummis wollte und zwischenzeitlich Intermediates angefordert wurden. Und dann passierte eines jener Missverständnisse, die man im Rückblick als geniale Entscheidung oder einfach Glück bezeichnen kann. Hamilton war bereits auf dem Weg an die Box, als er seinem Renningenieur über Funk warnte: „Kimi bleibt draußen.“ Der Ferrari-Pilot fuhr direkt vor seiner Nase. Der Ingenieur verstand den Spruch nicht gleich und wiederholte ihn. Hamilton hörte nur die Worte „Stay out“, die sich zunächst gar nicht auf ihn bezogen, sondern eine Frage waren, wenn er wohl damit meinte. Dann ging es am Funk drunter und drüber. Die einen sagten „rein“, die anderen „raus“. Hamilton lenkte instinktiv seinen Mercedes über das Gras zurück auf die Strecke. Hinterher verkaufte er den Sinneswandel als seinen guten Riecher. „Es war nur so ein Gefühl. Am Ende hat es sich als richtig herausgestellt.“ So sah es auch Teamchef Toto Wolff: „Weil Lewis draußen blieb, haben wir die Strategie gesplittet. Valtteri hatte frische Reifen, Lewis die bessere Position auf der Strecke.“

Präzedenzfall sprach gegen Hamilton

Jetzt hatte Hamilton die schlechteren Karten in der Hand. Beim Re-Start in Runde 57 waren seine Reifen zehn Runden älter als die seiner Verfolger. Das rächte sich in der ersten fliegenden Runde nach fünf Runden Fahrt mit langsamen Tempo. Hamiltons alte Reifen kühlten mehr aus und sie kamen auch langsamer auf Temperatur. Bottas attackierte seinen Chefpiloten über mehrere Kurven. Bis der Befehl kam, Position zu halten. Bottas steckte sofort zurück. Wolff erklärte die Stallregie: „Wir haben sie gegeneinander fahren lassen, aber bei den tückischen Bedingungen konnten wir nicht riskieren, beide Autos zu verlieren. Wir hatten in diesem Jahr schon zu viele Missgeschicke verkraften müssen.“

Für Hamilton hatte der GP Deutschland noch ein Nachspiel im Büro der Sportkommissare. Der Engländer musste sich für sein Manöver mit dem abgebrochenen Boxenstopp verantworten. Er war zwar brav an der rechten Seite des Pollers in der Boxeneinfahrt vorbeigefahren, hatte aber gegen Anhang L in Kapitel 4 d des Sportgesetzes verstoßen. Der untersagt, die weiße Linie zu kreuzen, die Boxeneinfahrt und Strecke trennt. Es gab da einen Präzedenzfall, der gegen Hamilton sprach. Kimi Räikkönen kassierte beim GP Europa 2016 für das gleiche Vergehen fünf Sekunden Zeitstrafe und zwei Strafpunkte.

Drei Stunden und neun Minuten nach dem Vorfall ließen die Kommissare Nish Shetty, Felix Holter, Steve Stringwell und Mika Salo Vernunft walten. Hamilton wurde nur verwarnt. Eine Fünfsekundenstrafe hätte ihn hinter Bottas auf Platz 2 geworfen. Als Begründung gaben die Schiedsrichter an, dass der Täter geständig war, dass Konfusion zwischen Fahrer und Team dazu führte, und dass die Regelverletzung während einer SafetyCar-Phase stattfand und demzufolge kein anderer Fahrer in Gefahr gebracht wurde. „Räikkönens Fall vor zwei Jahre ereignete sich in einem Hochgeschwindigkeitsabschnitt. Das war potenziell gefährlich“, erklärte FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

Obwohl der Sieg in der Familie geblieben wäre, hatte Wolff auf ein maßvolles Urteil gehofft. „Wenn der Sieger hinterher am grünen Tisch gekürt worden wäre, hätte man dieses großartige Motorsport-Show vor vollem Haus, und das sensationelle Rennen von Lewis entwertet.“ Hamiltons Ritt auf der Rasierklinge zeigte für Wolff den Unterschied zwischen den sehr guten und den außergewöhnlichen Fahrern. „Gerade an schwierigen Tagen wie diesen, zeigt sich der Unterschied.“

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