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Helmut Marko im Interview nach dem GP Japan

„Ferrari holen wir nicht mehr ein“

Helmut Marko - Formel 1 2017 Foto: Wilhelm 24 Bilder

Red Bull ist jetzt dort, wo man schon am Anfang der Saison sein wollte. Motorsportchef Helmut Marko trauert den verpassten Chancen nach und freut sich gleichzeitig, dass Red Bull nun auf jeder Rennstrecke in der Verlosung um den Sieg ist.

09.10.2017 Michael Schmidt 2 Kommentare

Wie sieht Ihr Fazit nach dem GP Japan aus?

Marko: Unser Rennspeed ist deutlich besser als unser Speed in der Qualifikation. Wir konnten das ganze Rennen lang Hamilton folgen. Mit den Supersoft-Reifen haben wir uns etwas schwerer getan, aber auf den Soft-Reifen waren wir schneller.

Normalerweise ist es umgekehrt. Wie ist das zu erklären?

Marko: Mit diesem Rätsel musst du leben. Wir wissen jedenfalls, dass wir seit Spa auf jedem Streckentyp ein schnelles Auto haben.

Wo hat es Verstappen im Vergleich zu Hamilton noch gefehlt?

Marko: In der VSC-Phase haben wir 1,5 Sekunden verloren. Da zeigt ein Hamilton seine Routine. Er ist in den Runden einfach einen kürzeren Weg gefahren als Max.

Hätte Verstappen gewinnen können?

Marko: Die Manöver von Alonso und speziell Massa waren unglaublich. Massa hat Max nicht nur aufgehalten, sondern Hamilton auch noch Windschatten gegeben.

Thema Windschatten: Damit ist Verstappen besser zurechtgekommen als Hamilton?

Marko: Unser Auto ist im Verkehr stärker als der Mercedes. Interessanterweise gibt unser Auto auch einen schlechteren Windschatten. Ich hatte überhaupt keine Angst, dass Bottas noch am Ricciardo vorbeikommt.

Wie schätzen Sie das Rennen von Ricciardo ein?

Marko: Daniel war genauso unglücklich wie in Malaysia. Dort fährt ihm Bottas beim Start vor die Nase, diesmal der Ocon. Wenn du beim Start auf die Außenspur gezwungen wirst, musst du nachgeben. Als Ricciardo endlich an Ocon vorbeigekommen ist, war der Zug vorne abgefahren. Das kannst du nimmer aufholen. Er ist aber ab da den gleichen Speed gefahren wie die Spitze.

Können Sie immer erklären, wer wann und warum schnell ist?

Marko: Es lassen sich schon gewisse Muster erkennen. Sie sind abhängig vom Motor-Anteil, von der Asphalttemperatur und vom Streckenbelag. Die Hitze am Sonntag hat uns sicher geholfen.

Ist das ein versöhnlicher Ausklang dieser Saison?

Marko: Wenn wir die Saison mit dieser Form begonnen hätten und nicht so oft ausgefallen wären, dann wären wir jetzt ganz vorne dabei. Das ist ärgerlich.

Dafür scheint Ferrari zu schwächeln?

Marko: Für mich war Ferrari bis zur Sommerpause klarer Favorit. Was dem Sebastian in den letzten drei Rennen widerfahren ist, kann man gar nicht glauben. Plötzlich reiht sich Fehler an Fehler und Panne an Panne.

Kann Red Bull Ferrari noch einholen?

Marko: 92 Punkte Rückstand sind zu viel. Uns steht mit beiden Autos noch jeweils ein Motorwechsel bevor. Das heißt Start von ganz hinten. Wir werden die Motorstrafen bei unterschiedlichen Rennen nehmen, so dass wir wenigstens mit einem Auto vorne dabei sind. Jetzt zeigt sich, dass es richtig war, den letzten Motorwechsel in Monza vorzunehmen. Sonst wäre er uns irgendwo aufgezwungen worden.

Was passiert gerade bei Toro Rosso?

Marko: Renault hat sich sehr spät und ein bisschen unerwartet dafür entschieden Palmer auszuwechseln. ToroRosso hat daraufhin eine Pressemitteilung herausgegeben, die falsch war. Gasly kann in Austin nicht fahren, weil Honda wünscht, dass er zur gleichen Zeit in Japan den Super Formula-Titel für sie holt. Honda will da unbedingt die Meisterschaft gewinnen. Der Speed des ToroRosso ist im Moment nicht gerade überwältigend. Da ist es nicht so tragisch, wenn ein Rennen mal ein anderer fährt.

Sie konnten nicht im Handumdrehen einen Ersatz aus dem Hut zaubern, weil es nicht so viele Formel 1-taugliche Fahrer auf dem Markt gibt. Stimmt da etwas im System nicht?

Marko: Da ist etwas faul. Die ganze Kostenstruktur, angefangen vom Kartsport, ist zu hoch. Eine Kart-Saison kostet 250.000 Euro. Für einen Sitz in der Formel 2 sind es 1,7 Millionen. Wer kann sich das leisten? Da fallen schon viele durch den Rost, die eigentlich Talent hätten. Übrig bleiben die Söhne reicher Eltern und Fahrer mit Staatssponsoren.

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@beschenker

Gut beobachtet. Von Max und auch von dir. Der Silberpfeil ist von den top Wagen mit Abstand der empfindlichste. Wirklich wie eine Diva. Nicht vergessen, die zugehörige, im Winter aufwendig entwickelte Aufhängung, auch als "Wunderaufhängung" bezeichnet, wurde auf Betreiben vor allem von Ferrari natürlich von Todt verboten. Damit hatte AMG über die gesamte Saison ein extrem schmales Fenster, um die Reifen ans Arbeiten zu bringen. Deutlich schmaler als die Roten und auch RB. Letztere waren durch die schwache PU benachteiligt. Wie auch Marchionne gerade sagte, Ferrari hat sicher nucht das schlechtere Auto als AMG. Den Unterschied macht ein Hamilton aus, der einen Vettel hinsichtlich speed, racung und Fehlerquote z.T. deklassiert. Wie vorhergesagt holt Lewis 2017+ 2018 ( AMG konstanter) locker die WM, bevor Verstappen uu AMG, Ricciardo zu Ferrari und Alonso zu RB geht. Interessant, dass Marko nur Massa und nicht Alonso kritisiert. Dieser aber von den Stewards allein bestraft wird! Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

F1hardcore 10. Oktober 2017, 12:13 Uhr
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