Helmut Marko redet Klartext

„Ricciardo wollte bei uns unterschreiben“

Helmut Marko - Formel 1 - 2017 Foto: Red Bull 34 Bilder

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko ist ein Mann klarer Worte. Beim Haussender „Servus TV“ nahm der Österreicher nun erstmals Stellung zum Wechsel von Daniel Ricciardo zu Renault und zur Beförderung von Toro Rosso-Pilot Pierre Gasly.

Die Sommerpause fiel bei Helmut Marko etwas arbeitsintensiver aus als gewöhnlich. Direkt nach dem Grand Prix von Ungarn wurde er von Daniel Ricciardos Wechsel zu Renault überrascht. Nun galt es für den Teamberater möglichst schnell die Alternativen auszuloten. Zudem nutzte der Grazer die freie Zeit für einen Besuch beim nächstjährigen Red-Bull-Motorenpartner Honda, um sich vor Ort in Japan ein Bild zu machen.

Kurz bevor es in Spa-Francorchamps wieder mit der Action auf der Strecke losgeht, wurde Marko beim Red-Bull-Haussender „ServusTV“ zum Interview eingeladen. Wie immer nahm „der Doktor“ kein Blatt vor den Mund. Lesen Sie hier noch einmal die wichtigsten Aussagen zum Ricciardo-Wechsel, zur Beförderung von Pierre Gasly, einer möglichen Alternative Fernando Alonso, dem Wechsel des Motorenpartners 2019 und den WM-Kampf zwischen Vettel und Hamilton:

Helmut Marko über den Wechsel von Renault zu Honda:

Gasly & Verstappen - Formel 1 - 2018 Red Bull befördert Pierre Gasly Toro-Rosso-Pilot ersetzt Ricciardo

„Renault hat das aktuelle Motorenpaket nicht in den Griff bekommen. Sie sind von der Leistung nicht auf der Ebene von Mercedes oder Ferrari. Und es hapert auch an der Zuverlässigkeit. Im Gegensatz zu Ricciardo haben wir den Glauben an Renault verloren. Mit Honda haben wir einen Partner, der mit vollem Einsatz dabei ist, der die menschlichen und technischen Ressourcen besitzt und der uns als Nummer-1-Team sieht. Bei Renault waren wir nur ein zahlender Kunde. Wir wurden zwar fair behandelt, aber natürlich hat das eigene Team immer Vorrang gehabt. Die Versprechen von Renault, dass man konkurrenzfähig sein würde, sind nie eingetreten. Deshalb haben wir die Alternative, die sich uns geboten hat, freudig wahrgenommen.“

„Ich habe die Anbahnungsgespräche geführt und bin dann zum Boss, Dietrich Mateschitz gegangen. Er war hellauf begeistert. Dann haben wir das mit Toro Rosso im ersten Jahr begonnen, damit man mal sieht, wie sie arbeiten und wie sich die Kooperation entwickelt. Das hat alles bestens funktioniert. Im nächsten Jahr wird Honda einen wesentlich größeren Aufwand betreiben. Die haben in Sakura ein Entwicklungszentrum, bei dem sonst überhaupt niemand mithalten kann.“

Helmut Marko über die Erfolgsaussichten mit Honda:

„Wir haben eine andere Herangehensweise mit Honda als McLaren. Die haben Honda mehr oder weniger vorgeschrieben, wie der Motor auszusehen hat und wo die Aggregate platziert werden müssen. Wir haben einfach gesagt, sie sollen uns den besten Motor bauen, den es gibt. Den versuchen wir dann irgendwie im Chassis unterzubringen. Wir diskutieren alles gemeinsam. Die Japaner haben eingesehen, dass sie Fehler gemacht haben. Es wurde Personal ausgewechselt und sie haben sich von Experten beraten lassen. Die diesjährige Form von Toro Rosso zeigt ja deutlich, dass es aufwärts geht. Ich bin sicher, dass wir nächstes Jahr weit vor Renault fahren werden.“

Helmut Marko über den Wechsel von Daniel Ricciardo zu Renault:

Ricciardo, Horner & Marko - GP Monaco 2018 Foto: Red Bull
Ricciardo hatte seiner Vertragsverlängerung bei Red Bull eigentlich schon zugestimmt.

„Den Wechsel kann ich nicht nachvollziehen. Das war eine ganz merkwürdige Geschichte. Die Verhandlungen waren schwierig. Am Mittwoch vor dem GP Österreich habe ich zwei Stunden mit ihm zusammengesessen und wir waren uns einig. Während des Grand-Prix-Wochenendes hat es noch einmal Nachbesserungen für ihn gegeben. In Ungarn hat er sowohl mir als auch Herrn Mateschitz gesagt: Es passt alles, am Dienstag beim Test unterschreibt er. Das hat er nicht gemacht. Am Donnerstagnachmittag habe ich einen Anruf bekommen. Er war schon so komisch in der Stimme. Ich habe ihm gesagt: Komm zur Sache! Wir sind ja erwachsen. Da hat er gesagt: Ich gehe zu Renault.“

„Ich kann nur mutmaßen, dass er nicht so an das Honda-Projekt glaubt und dass ihm Renault einen sehr hohen Betrag geboten hat. Aber ich glaube mit Shoeys wird es für ihn in nächster Zeit schwer werden.“

„Er war insgesamt mit der Junior-Zeit zehn Jahre bei Red Bull. Er hat wohl einen Tapetenwechsel gebraucht. Ich kann verstehen, wenn er denkt, dass das Gras beim Nachbarn grüner ist. Auf der anderen Seite ist es auch schade. Im Rennen war er sicher einer der stärksten Fahrer. Seine Überholmanöver waren einfach klasse. Die Gegner haben manchmal gar nicht mitbekommen, dass sie überholt werden. Im Qualifying ist er aber zuletzt nicht mehr ganz mit Max mitgekommen.“

Helmut Marko über Fernando Alonso:

„Wir haben 2007 oder 2008 mit ihm verhandelt. Das war schon sehr mühsam wegen der Forderungen, die er gestellt hat. Wenn man sich seine Historie anschaut, bei McLaren und bei Ferrari, das war immer eine One-Man-Show. Das passt bei uns nicht. Außerdem haben wir unser Junior-Programm. Wir bringen unsere eigenen Leute. Alonso ist als Fahrer sicher absolut top, aber er passt nicht in unser Gefüge hinein.“

Helmut Marko über die Beförderung von Pierre Gasly:

„Pierre ist erst in seinem zweiten Jahr in der Formel 1. Es fehlt ihm also noch an Routine. Aber vom reinen Speed im Qualifying wird er nicht weit entfernt von Max liegen. Das ist eine seiner Stärken. Den Rest muss er lernen. Wir erwarten, dass er bis Mitte der Saison Ricciardo adäquat ersetzt. Bei Toro Rosso müssen wir nun das Cockpit von Gasly nachbesetzen. Das wollen wir bis Monza entscheiden.“

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Helmut Marko über die Aussichten in der zweiten Saisonhälfte:

„Demnächst kommen noch Strafen auf uns zu. Wir haben ja dieses unsägliche Reglement, das besagt, dass man mit drei Motoren durch die Saison kommen muss – was kaum einer schafft. Wir wollen unsere Strafen so einplanen, dass sie uns am wenigsten wehtun, also auf Strecken wie Monza oder Austin, wo man überholen kann. Dann können wir auf Strecken wie Singapur oder Mexiko vielleicht nochmal ganz vorne mitmischen.“

Helmut Marko über das WM-Duell Vettel vs. Hamilton:

„Vielleicht ist der Druck bei Ferrari zu groß. Bei uns hat Sebastian diese Fehler nicht gemacht. Da ging es in der WM mit Alonso ja auch zweimal ganz eng zu. In Hockenheim war es besonders schade. Da hat er nicht nur die Punkte verloren. Mercedes war mehr oder weniger down. Und durch den Ausfall und das Safety-Car gewinnt Hamilton dann ein Rennen, in dem er bestenfalls Fünfter geworden wäre. Ich glaube aber, Sebastian ist mental stark genug. Ferrari hat derzeit das beste Auto. In der Vergangenheit ist Vettel bei uns immer extrem stark aus der Sommerpause herausgekommen. Ich hoffe, er kann das wieder aktivieren. Mir ist es eigentlich schon lieber, ein Vettel gewinnt im Ferrari als wieder ein Mercedes.“

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