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Herbie Blash im Interview (Teil 1)

„Plötzlich brannte die Werkstatt“

Herbie Blash - 2017 Foto: xpb 26 Bilder

Er war Mechaniker bei Lotus, Teammanager bei Brabham, Sportdirektor bei Yamaha und FIA-Rennleiter. Der Mann, der 792 F1-Rennen gesehen hat, erzählt uns seine seine spannendsten Geschichten. Teil 1: Der Einstieg in den Grand Prix-Zirkus.

12.08.2017 Michael Schmidt

Wie kamen Sie zum Motorsport?

Blash: Als ich der auf Grundschule war, gab es alle zwei Wochen einen Film-Nachmittag im Kino. Da wurden die alten Shell-Filme aus der Zeit von Fangio gezeigt. Ich war acht oder neun Jahre alt. Seit der Zeit bin ich Motorsport-Fan. Ab dem Alter von 12 habe ich mit Traktoren und Motorrädern herumgespielt und bin viel Motocross gefahren. Ich war zunächst gar nicht so ein großer Formel 1-Anhänger. Das einzige Rennen, das wir in England im Fernsehen sehen konnten, war der Grand Prix in Monte Carlo. Motocross gab es jedes Wochenende. Ich kann mich aber noch erinnern, wie ich vom Unfall von Stirling Moss am Radio hörte. Das hat mich schwer getroffen.

Und der erste Job?

Blash: Als ich noch auf der Schule war, habe ich bei Rob Walker kleine Arbeiten erledigt. Er hatte eine kleine Werkstatt in unserem Dorf. Dort habe ich dann auch eine Lehre angefangen, doch meine Eltern bestanden darauf, dass ich die Schule beende. Ich habe beides gemacht. Ich wusste erst gar nicht, dass Walker auch ein Rennteam hatte. Es war nur 200 Meter weiter stationiert. Ich bin natürlich sofort dahin, habe durchs Fenster geschaut, gefragt, ob ich was tun könne. Sie haben mich den Transporter waschen lassen. So wurde ich Teammitglied. Später haben sie mich auf Rennen mitgenommen und am Auto von Joakim Bonnier arbeiten lassen. Mein erstes Rennen war Goodwood 1964. Jim Clark hat alle Rennen gewonnen. Formel 1, Formel 2, Tourenwagen. Er war sofort mein Held. Von da an habe ich Motorsport gelebt und geatmet.

Was mussten Sie bei Walker sonst noch tun?

Blash: Ich war anfangs nur das Mädchen für alles. Habe Sachen von da nach dort getragen, die Autos geputzt und betankt und den Transporter gefahren. Das Team bestand nur aus vier Leuten und mir. Mein erster Grand Prix war der GP England 1965. Ich konnte nicht alle Rennen bestreiten, weil ich nebenher noch zur Schule ging. Von 1965 bis 1968 war ich bei 16 Rennen dabei.

Und wann wurde es ernst?

Blash: In der Saison 1968. Und es hätte auch gleich wieder vorbei sein können. Wir hatten vor dem Race of Champions gerade den Lotus 49 bekommen. Siffert hat ihn im Training zerstört. Ich musste das beschädigte Monocoque zu Lotus fahren, um es dort reparieren zu lassen. Als das Chassis zurückkam, wollten wir es wieder zusammenbauen. Ein Mechaniker wollte ein Ventil im Benzinsystem entfernen und hat dazu einen elektrischen Bohrer benutzt. Der Boden der Werkstatt war natürlich mit Benzin benetzt und überall stand auch Benzin herum. Ein Funke entzündete den Kraftstoff, und in einer Sekunde stand der ganze Laden in Flammen. Unser Chefmechaniker Tony Claverly und ich waren in einer Ecke der Werkstatt gefangen. Ich weiß bis heute nicht, wie wir das durch ein Fenster in 1,50 Meter Höhe rausgekommen sind. Ich hatte Verbrennungen an den Armen. Alles brannte bis auf die Grundfeste ab. Wir mussten einen komplett neuen Lotus aufbauen. Das wurde bei Lotus in der Fabrik erledigt, und ich habe mitgeholfen. So kannte ich schon mal alle bei Lotus. Die suchten einen Mechaniker für die Saison 1969. Ich habe meine Hand gehoben. Siffert hat dann übrigens mit dem neu aufgebauten Lotus 49 den GP England 1968 gewonnen. Es war der letzte Sieg eines echten Privatteams.

Ihre ersten Erfahrungen bei Lotus?

Herbie Blash - Präsentation Lotus72 - 1970 Foto: Rubio
Herbie Blash bei der Präsentation des Lotus 72 im Jahr 1970.

Blash: Du hast deinen rechten Arm für das Team gegeben und für Peanuts gearbeitet. Als ich Ende 1968 an einem Sonntagnachmittag dort aufschlug, sind wir erst einmal ins Pub gegangen. Mit Darts wurde ausgefochten, wer die Werkstatt am nächsten Tag putzen musste. Auf dem Brett stand an meiner Stelle „Herbert“. Ich heiße eigentlich Michael. Den Namen hat mir Rob Walker gegeben. Er kam von dem Film „ein toller Käfer“. Weil ich so jung und so klein war und den Kopf voller Unsinn hatte. Ich wollte aber nicht Herbert heißen. Das war das dümmste, was ich sagen konnte. Ab da war ich nur noch Herbie. Kurzum. Ich habe verloren und musste putzen. Mein Job fing Montagmorgen an. Ich habe meine Wohnung zum ersten Mal am Mittwochmorgen wieder gesehen. Bei Lotus gab es vielleicht sechs Mechaniker für zwei Autos. Wir haben alles gemacht. Formel 1, Formel 2, Tasman-Serie. Auch an der Rennstrecke war es nicht wie heute. Wir haben die Autos nicht an der Strecke vorbereitet sondern in Garagen außerhalb. In Monte Carlo waren wir in Nizza. Wir haben die Autos um 7.30 Uhr morgens an die Strecke gebracht und um 16 Uhr wieder zurück. Erst dann begann die Arbeit. Meistens die ganze Nacht. Colin Chapman und Graham Hill gaben uns eine Liste mit ungefähr 20 Jobs. Einige davon, speziell von Graham Hill, haben mich echt geärgert. Er wollte immer irgendwelche Kleinigkeiten am Stabi oder der Lenkung verändert haben. Er liebte es die Lenkung ständig anzupassen. Wir verwendeten dafür Distanzscheiben. Einmal haben wir darauf verzichtet, die Liste aber trotzdem abgehakt. Graham hat sich danach beschwert, dass ihm das Lenkrad zu nahe stand. Dabei hatten wir gar keine Distanzscheiben eingebaut. Es war mühsam mit ihm zu arbeiten, weil er nie zufrieden war. Aber er hat sich nach der Arbeit mit seinen Mechanikern getroffen und sie auf einen Drink eingeladen.

Was war Ihr eindrücklichstes Erlebnis bei Lotus?

Blash: 1969 und 1970 habe ich an Rindts Auto gearbeitet. Es war in Barcelona 1969. Wir mussten die Frontflügel modifizieren. Da war dieses große Stück Aluminium. Ich zerschnitt es, ohne zu wissen, dass dieses Stück für den großen Heckflügel vorgesehen war. Es war 4 Uhr morgens, als Chapman in die Garage kam. Er ist völlig ausgerastet, als er gesehen hat, dass es kein genügend großes Stück Aluminium mehr gab, um den neuen Heckflügel zu bauen. Er hat herumgetobt und gesagt, dass Lotus seine Nennung für den GP Spanien zurückziehen wird, weil er keine rennfähigen Autos hat. Wir sollten die Autos auf den Transporter laden. Ich war am Boden zerstört. Lotus sagt den Grand Prix ab, und ich war schuld. Ich war damals erst 20 Jahre alt. Chapman zeigte auf mich und sagte: Du, du kommst mit. Ich dachte, meine Stunde hätte geschlagen. Er nahm mich in ein kleines Café in der Nähe mit, das die ganze Nacht auf hatte. Dann hat er mir von dem Zimmermann erzählt, der zu viel von der Türe abgeschnitten hat. Es sollte mir eine Lehre sein, nie zu viel von etwas wegzunehmen, weil es nicht mehr herzustellen ist. Wir sind dann zurück in die Werkstatt. Dort hat er uns angeherrscht. Baut die Autos zusammen. Morgen ist Training. Es wurde ein dramatisches Rennen. An beiden Autos brachen die Flügel. Rindt wurde schwer verletzt und hat den GP Monaco verpasst. Beide Autos waren komplett zerstört. Chapmans Ansage war, dass wir Monaco auslassen, weil wir die Autos nicht fertig kriegen. Wir konnten also bequem von Spanien zurück nach England fahren. Als wir am Mittwochabend in Dover ankamen, wurden wir schon von einem Lotus-Mitarbeiter erwartet. Er trieb uns zur Eile. Wir fahren doch in Monte Carlo. Jetzt mussten wir zwei neue Autos aufbauen. Wir haben Tag und Nacht geschuftet. Dazu kam, dass die hohen Flügel verboten wurden. Es musste also auch noch in die Motorabdeckung integrierter Flügel konstruiert und gefertigt werden. Wir gingen in Monte Carlo auf dem Zahnfleisch. Jeder konnte das sehen. Dort habe ich zum ersten Mal Bernie (Ecclestone) wahrgenommen. Er hat Jochen Rindt gemanagt und natürlich mitgekriegt, wie Chapman uns mit Arbeit zuschüttete. Er bekam Mitleid mit uns und hat versucht Colin von uns fernzuhalten, wann immer es ging. Er hat ihm auch gesagt, dass es schlecht für die Vorbereitung der Autos sei, wenn die Mechaniker übermüdet sind. Graham Hill hat dann in Monte Carlo gewonnen.

Gab es noch mehr dieser Dramen?

Blash: Die gab es. Ich hatte noch eine zweite Panne mit Chapman. Nach einer Nachtschicht war ich wieder mal übermüdet. Ich füllte gerade den Öltank auf, als Colin zusammen mit unserem Konstrukteur Maurice Phillippe plötzlich ans Auto trat. Leider hatte ich vergessen die Ölablassschraube wieder reinzuschrauben. Das Öl lief über seine schönen schwarzen Schuhe. Er schrie herum und regte sich furchtbar auf. Trotzdem kam ich mit ihm wunderbar aus. Er hat mich öfter sogar im Privatjet mitgenommen. Das erste Mal in Spa. Nach einer weiteren Nachtschicht flog er uns in seinem Flugzeug über die Strecke und zeigte uns die Kurven, in denen tödliche Unfälle passiert waren. Spa war für Lotus eine Todesfalle. Aber damals war der Tod akzeptiert. Du bist damit aufgewachsen. Heute unvorstellbar bei der Sicherheit, die wir heute haben.

Wie sind Sie mit den vielen Nachtschichten zurechtgekommen?

Blash: Keine Ahnung. Irgendwie ging es immer. 1969 haben wir mehrere Autos vorbereitet. Den Lotus 49 und das Vierradauto. Nicht nur dass wir die Autos zusammengeschraubt haben, wir haben auch Teile dafür gefertigt. Wir haben Nonstop gearbeitet. Mein Kollege Dave Sims ist zwei Mal bei der Arbeit eingeschlafen. Ein Mal in Spa an der Strecke beim Wechseln der Getriebeübersetzung. Chapman hat ihn sofort wegschaffen lassen. Er wollte nicht, dass andere sehen, wie hart wir arbeiten mussten. Trotzdem bin ich stolz, dass ich für eine Legende arbeiten durfte. Es gibt nur Enzo Ferrari und ihn. Chapman war mein Gott.

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