Hockenheim will Null-Risiko Vertrag

GP Deutschland vor dem Aus?

Impressionen - Formel 1 - GP Deutschland - Hockenheim - 27. Juli 2016 Foto: ams 30 Bilder

Der Vorverkauf für den GP Deutschland so gut wie schon lange nicht mehr. Der Veranstalter darf hoffen, ohne Verlust abzuschließen. Doch für die Zukunft hat Hockenheim die Zitterpartie satt. Man hat die F1-Organisation wissen lassen, dass man nur noch einen Vertrag ohne eigenes Risiko abschließen wird.

Das erste Jahr nach dem Umbau des Hockenheimrings auf die aktuelle Länge von 4,5 Kilometern war das beste. Damals wurden 93.000 zahlende Zuschauer gezählt. Damals gab es noch Michael Schumacher. Und damals schloss Hockenheim den Grand Prix mit einem Gewinn ab. Auch beim zweiten Auftritt 2003 schrieb man noch schwarze Zahlen. Doch dann wurde es zäh. Der GP Deutschland rutschte in die rote Zone. So auch bei den letzten beiden Auftritten 2014 und 2016. „Trotzdem haben wir unseren Vertrag immer erfüllt“, berichtet Hockenheim-Geschäftsführer Georg Seiler stolz.

In diesem Jahr gibt es wieder positive Signale. Die WM hat sich zu einem spannenden Dreikampf zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull entwickelt. Sebastian Vettel ist mittendrin im Titelrennen. Max Verstappen mobilisiert holländische Fans rund um den Globus. Zehn Wochen vor dem GP Deutschland hat Hockenheim schon 61.000 Karten verkauft. 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren zur gleichen Zeit. Mehr als 2016 am Renntag dann tatsächlich auf der Tribüne saßen.

„Wir rechnen beim Rennen mit 65.000 bis 70.000 Besuchern“, erklärt Seiler. Vielleicht werden es sogar mehr, wenn die Formel 1 weiter so Rennen zeigt wie zuletzt in Bahrain, Shanghai und Baku. Allein 10.000 Fans reisen aus Holland an. 3.000 davon haben den kompletten Block A der Innentribüne gemietet. Marketingchef Jorn Teske beruhigt: „Es gibt noch Karten für die Nordtribüne und auf Teilen der Südtribüne.“

Dollar-Kurs kostet Hockenheim siebenstellige Summe

Impressionen - F1 Tagebuch - GP Deutschland 2016 Foto: xpb
Die Verstappen-Fans werden dieses Jahr noch zahlreicher an den Hockenheimring pilgern.

Die positive Entwicklung wird in Hockenheim mit Erleichterung registriert: „Wir werden wohl mit einem blauen Auge davonkommen“, sagen Seiler und Teske im Gleichklang. Von einer schwarzen Null wollen sie nicht sprechen. „Weil wir in die Bilanz alte und neue Investitionen an der Strecke mit einbeziehen müssen.“

An dem 62 Millionen Euro teuren Umbau der Strecke zwischen 2001 und 2002 knabbert Hockenheim immer noch. Und noch viel mehr daran, dass es keinerlei Unterstützung vom Land, der Region oder der Stadt gibt. „Wir stemmen alles alleine. Aber in Zukunft können wir das nicht mehr“, warnt Seiler. Ein weiteres Problem ist der ungünstige Dollarkurs: „Wir haben mit einem Kurs von 1.35 Dollar für den Euro kalkuliert. Im Moment gibt es nur 1.18 Dollar pro Euro. Bei den Summen, die da aufgerufen werden, geht das richtig ins Geld.“

Die Hockenheimer haben den Formel 1-Chefs klipp und klar gesagt: „Der nächste Vertrag muss ohne Risiko für uns sein. Wir können die Formel 1 nicht mehr subventionieren und dabei drauflegen.“ Der Nürburgring steht auf dem gleichen Standpunkt. Auch in der Eifel gibt es kein Geld zu verschenken.

Jetzt liegt der Ball bei Liberty. Lassen sie Hockenheim zugunsten neuer Bewerber wie Miami, Hanoi, Kopenhagen, Buenos Aires oder Hainan über die Klinge springen, oder ist die Strahlkraft eines Grand Prix im Autoland Deutschland zu groß und wichtig für das Image des Sports? „Die Amerikaner haben gesagt, dass sie die Traditionsstrecken fördern wollen. Und dass ihnen Deutschland als GP-Schauplatz wichtig ist“, hofft Seiler.

Wenn der GP Deutschland in Zukunft wieder jedes Jahr stattfinden soll, dann muss das F1-Management Hockenheim bis zum Rennen am 29. Juli Bescheid geben. „Wenn sie mit der Lösung alle zwei Jahre zufrieden sind, haben wir mehr Zeit“, meint Seiler. Eine kleine Hintertür lässt sich der Hockenheim-Chef noch offen: „Einen Null-Risiko-Vertrag können wir auch noch im November abschließen.“

Wie der aussehen soll, ist Sache von Liberty. „Es gibt da verschiedene Denkansätze.“ Von einem flexiblen Antrittsgeld ohne das Wechselkurs-Risiko zwischen Dollar und Euro oder der Lösung, dass die Formel 1 die Strecke mietet, dafür aber alle Einnahmen aus den Ticketverkäufen und Nebengeräuschen bekommt. Ein solches Konzept wurde Silverstone angeboten. Die haben aber abgelehnt. Für Hockenheim könnte es ein Rettungsanker sein. „Wir wären für so ein Modell offen.“

USA und China wichtiger als Deutschland

Grid Girls - Formel 1 - GP USA - Austin - 2016 Foto: sutton-images.com
Lieber zwei Rennen in den USA und China als eines in Deutschland.

Der Unterschied: England gilt als Mutterland des Motorsports. Silverstone demonstriert seit Jahren, dass man dort Zuschauerzahlen jenseits von 120.000 mobilisieren kann und damit auch ordentlich verdienen würde, wenn man selbst den Promoter spielt. Deutschland ist im Vergleich dazu eher Formel-1-Entwicklungsland. So wie Frankreich vor 10 Jahren.

Seiler will nicht betteln gehen, aber insgeheim hofft er doch, dass sich noch Unterstützer für einen Grand Prix in Deutschland zu einem runden Tisch einfinden und alle an einem Strang ziehen. Egal, ob aus der Politik oder der Industrie. Die Formel 1 in Hockenheim ist ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Studien der Universität von Mannheim ergaben eine zusätzliche Wertschöpfung von über 10 Millionen Euro in der näheren Umgebung. So recht wollen die Hockenheimer aber selbst nicht mehr an das Wunder glauben. „Vielleicht wachen die Leute erst auf, wenn es mal kein Rennen mehr bei uns gibt.“

Angesichts der Alternativen ist es fraglich, ob das F1-Management dem GP Deutschland Sonderrechte einräumen wird. Es gibt verschiedene Optionen als Ersatz. Die Stadtverwaltung von Miami hat den Beginn von Verhandlungen mit Liberty bestätigt. Wenn alles nach Plan läuft, soll im Oktober 2019 ein zweiter US-Grand Prix in Miami stattfinden. Der 4,136 Kilometer lange Kurs in Downtown benötigt eine Aufbauzeit von 3 Monaten. Das größte Problem sind drei Straßenbahn-Übergänge und Dehnungsfugen aus Metall auf den beiden Brücken zwischen dem Zentrum und der Hafen City von Miami.

Der GP Vietnam mitten in Hanoi kommt frühestens 2020 ins Programm. Auch Kopenhagen bewirbt sich mit einem Stadtkurs für einen Grand Prix. In Zandvoort gab es bereits eine Streckenbesichtigung. Die Traditionsstrecke am Nordseestrand hat offenbar das Wettbieten gegen Assen gewonnen. Wenn es je dazu kommt. Zandvoort müsste nicht nur das Antrittsgeld stemmen, sondern auch massiv Geld in den Kurs investieren. Das gleiche gilt für Buenos Aires.

Der zweitwichtigste Wachstumsmarkt neben den USA ist für Liberty im Moment China. Dort soll schon bald ein zweiter Grand Prix neben Shanghai stattfinden. Beworben hat sich die Insel Hainan im Süden des Riesenreichs. Hainan ist wie Macau eine Visa-freie Zone.

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