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Das Honda-Wunder

Toro Rosso-Honda fährt am längsten

Pierre Gasly - Toro Rosso - F1-Test - Barcelona - Tag 5 - 6. März 2018 Foto: Stefan Baldauf 44 Bilder

Vor einem Jahr verbrachte McLaren-Honda die Testwochen von Barcelona die meiste Zeit in der Garage. Zwölf Monate später spulte das neue Honda-Team Toro Rosso die meisten Kilometer aller Teilnehmer ab. Wie hat Honda die Kurve gekriegt? Und was ist von den Japanern zu erwarten?

06.03.2018 Michael Schmidt

Erinnern Sie sich noch an die Testfahrten vor einem Jahr? Da schaffte McLaren-Honda an 8 Testtagen 1.978 Kilometer. Honda verheizte fünf Motoren. Der McLaren verbrachte den Großteil der Zeit in der Garage. Ein Jahr später steckt der Honda V6-Turbo in einem Toro Rosso, und McLaren fährt mittlerweile mit Renault-Power. Obwohl ein Wintereinbruch in Barcelona in der ersten Testwoche nur 3 Tage geregelten Testbetrieb zuließ und auch da die Bedingungen nicht optimal waren, gab es schon einen Sieger. Und der hieß Honda.

Pierre Gasly und Brendon Hartley haben im Toro Rosso-Honda 1.508 Kilometer abgespult. Fast so viel wie McLaren 2017 in doppelt so viel Zeit. Es gab beim Probegalopp der neuen Partner nicht ein Problem im Antrieb. Der Honda-Sechszylinder lief und lief und lief. So als hätte es die Defektserie der letzten drei Jahre nie gegeben.

Doch warum haben die Japaner plötzlich die Kurve gekriegt? Eigentlich war Honda schon Ende 2016 auf einem guten Weg. Doch dann passierten drei Dinge. Honda wechselte vor der Saison 2017 die halbe Technikermannschaft aus, wollte mit einem neuen Motorkonzept nach den Sternen greifen und wurde von McLaren zu einigen Umbauten gezwungen, die sich im Rückblick als fatal erwiesen. Zum Beispiel ein zu großer Verdichter und eine Motorsteuerung, die das Triebwerk thermisch zu stark belastet hat.

STR13 fährt 322 Runden an drei Tagen

02/2018, Toro Rosso STR13. Neuer Toro Rosso STR13 für 2018 Erste Bilder des Honda-Renners

Bei Toro Rosso hat Honda freie Hand. Priorität hatte über den Winter die Sicherstellung der Zuverlässigkeit. Deshalb baute Honda das aktuelle Triebwerk auf dem Fundament des Vorjahresmotors auf. Und nimmt seit einem Dreivierteljahr auch Expertise von außen an. Es ist kein Geheimnis mehr, dass Ilmor den Japanern beim Verbrennungsprozess hilft.

Außerdem verabschiedete man sich von McLarens Sonderwünschen. Mit dem Erfolg, dass Toro Rosso mit 322 Runden den Distanzrekord der ersten Testwoche aufstellte. Knapp vor Mercedes mit 306 Runden und Ferrari mit 298 Runden. McLaren liegt mit Renault-Motor mit 260 Runden übrigens auf Platz 7.

Der Honda V6 hat auch moderat Leistung zugelegt. Der große Schub soll mit der ersten Ausbaustufe kommen. Bei Red Bull erwartet man, dass Honda dann auf Augenhöhe mit Renault fährt. Für Toro Rosso erwies sich der kompakte Motor aus dem Entwicklungszentrum Sakura als Segen. „Das hat die Integration ins Chassis erleichtert. Hätten wir von Honda zu Renault wechseln müssen, wäre es schwieriger geworden“, verrät Technikchef James Key. Was mit anderen Worten bedeutet: Die Antriebseinheit von Renault ist größer und schwerer.

Toro Rosso ist jetzt ein Werksteam

Von Honda kommen nicht nur frei Haus Motoren, sondern auch ein Entwicklungszuschuss. Toro Rosso ist jetzt quasi ein Werksteam. Zum ersten Mal seit dem Formel 1-Einstieg 2006. Teamchef Franz Tost freut sich: „Wir haben den Motor exklusiv. Das ist eine große Chance für ein Team für uns.“ Key ergänzt: „Es ist auch eine große Verantwortung.“

Toro Rosso STR13 - Screenshot - Honda-Motor Soundcheck-Video - 2018
So klingt der neue Honda-Motor 1:28 Min.

Die Ingenieure haben nach den vielen Wechseln der Motorenpartner in den letzten vier Jahren schon Übung im Umbau des Autos. Die Honda-Lösung war bereits im Juli spruchreif. So konnte man sich im Designbüro in Faenza schon mal grundlegende Gedanken machen. Vom Honda V6-Turbo wusste man, dass er in seiner Architektur dem Mercedes-Motor ähnlich ist. Verdichter und Turbine sind getrennt, die MGU-H sitzt auf einer Welle dazwischen.

Ab September herrschte Klarheit. Nach einem zweitägigen Crash-Kurs mit Honda-Ingenieuren wurde das bereits konzipierte Chassis an seiner Rückseite dem neuen Motor angepasst und ein neues Getriebe gebaut. „Wir hatten schon spätere Motorentscheidungen und damit schwierigere Aufgaben“, lächelt Key. Das Endprodukt, den neuen Toro Rosso STR13, würde der Engländer so umschreiben: „Vorne eine Evolution, hinten komplett neu.“

Interkultureller Technik-Austausch

Red Bulls Juniorteam muss sich an den neuen Partner noch gewöhnen. Die Entfernung nach Sakura ist größer als nach Viry-Chatillon. Die Sprachbarriere größer. Vielleicht hilft es da, dass Englisch sowohl für die Italiener bei Toro Rosso als auch für die Japaner die zweite Sprache ist. Um sich besser in die Kultur der Japaner hineinzuversetzen, nahm Toro Rosso Nachhilfestunden, wie man mit einem japanischen Großkonzern am besten zusammenarbeitet.

Angst vor einer Fortsetzung der Pannenserie haben sie in Faenza nicht. „Ich bin überzeugt, dass Honda die Kapazität und das Wissen hat, um den Motor so zu entwickeln, dass wir dorthin kommen, wo wir hin wollen“, bekundet Tost. Und wo ist das? „Die drei Top-Teams sind eine eigene Liga. Ab dem 4. Platz gibt es einen offenen Kampf. Unser Ziel muss es sein, in diesem großen Mittelfeld so weit vorne zu landen wie möglich.“

Neuester Kommentar

Das würde ja eine Saison, falls der Knoten bei Honda endgültig geplatzt sein sollte und Alonso im McLaren-Renault nicht an den Toro Rosso-Honda vorbeikäme, hoffentlich bleibt ihm dieser Horror erspart.

Nabob 6. März 2018, 23:01 Uhr
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