Horners Rat an Verstappen

Ricciardo als Vorbild?

Max Verstappen - GP Monaco 2018 Foto: sutton-images.com 48 Bilder

Max Verstappen musste sich nach einem erneuten Unfall in Monaco viel Kritik anhören. Teamchef Christian Horner empfiehlt seinem Schützling, er solle einfach nur auf die andere Garagenseite schauen. Daniel Ricciardo als Vorbild?

Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko hält meistens seine schützende Hand über Max Verstappen. Doch diesmal war es auch dem sonst so strengen Doktor zu viel. „Ein unverzeihlicher Fehler. Im dritten Training geht es um nichts. Wenn ihn Sainz irritiert, soll er die Runde abbrechen.“ Der Unfallpilot antwortete trotzig: „Ich lag trotz der Behinderung noch zwei Zehntel unter meiner Bestzeit.“ Typisch Verstappen. Er ist immer und überall am Limit. Er kann einfach nur Vollgas. Das macht ihn bei seinen Fans so beliebt.

Das kann man gut oder unklug finden. In Monte Carlo war es ein Eigentor. Verstappen verspielte mit seinem Crash die Chance auf einen Red Bull-Doppelsieg. Aus der Sicht des Teams fühlten sich Platz 1 und 9 im Rennen fast wie eine Niederlage an. Selten war ein Auto so überlegen wie der RB14 in Monte Carlo. Daniel Ricciardo und Max Verstappen führten die drei Trainingssitzungen im Doppelpack an. Ricciardo nahm Ferrari zwei, Mercedes vier Zehntel ab. „Die fahren raus und sind immer sauschnell“, staunte Sebastian Vettel.

Verstappen könnte die WM anführen

Max Verstappen - Red Bull - GP Monaco - Formel 1 - Samstag - 26.5.2018 Foto: sutton-images.com
Kleiner Fehler, große Wirkung: Max Verstappen warf im dritten Training einen möglichen Sieg weg.

Nach dem Unfall verfolgte Verstappen mit mürrischem Gesicht, wie der Teamkollege zum zweiten Mal in seiner Karriere auf die Pole Position fuhr. Während der eine Red Bull ganz vorne in der Startaufstellung stand, stellte sich der andere ganz hinten auf. Die starke Aufholjagd auf Platz 9 waren nur ein schwacher Trost. „Wäre er nur am Samstag so gefahren“, stöhnte Teamchef Christian Horner.

Die Experten sparten nicht mit Kritik. „Wäre er mein Fahrer, würde ich ihn fragen: Wie lange willst du das noch machen? Das war ein völlig unnötiger Unfall“, urteilte Niki Lauda. TV-Experte Martin Brundle meinte: „Max sollte sich jetzt einige Fragen stellen. Er hat 66 Grands Prix auf dem Buckel und ist kein Neuling mehr. Jeder andere Fahrer würde nach so einer Serie von Unfällen rausgeworfen. Er könnte die WM anführen, kann sie aber jetzt schon fast abschreiben.“

Tatsächlich steht Lewis Hamiltons Konto bereits auf 110 Punkten, das von Vettel auf 96. Verstappen krebst mit 35 Zählern auf WM-Platz 6 herum. So selten wie Hamilton und Vettel ausfallen, wird es schwierig werden, den Rückstand aufzuholen. Red Bull muss seine Karten fast schon auf Ricciardo setzen, der mit 72 Punkten noch in Reichweite ist. Brundle ist überzeugt: „Verstappen hätte dieses Jahr in jedem Rennen aufs Podium fahren können. Umso bitterer sind seine Fehler.“

Verstappen gibt sich nur für die Ausrutscher in Shanghai und Monte Carlo die Schuld. Alles andere sind Rennunfälle, wie sie im Zweikampf eben passieren. Auch Baku. Doch da hatte der wilde Max noch Glück. Die Sportkommissare hätten ihn empfindlich bestraft, hätten nicht beide Red Bull-Fahrer Schuld auf sich genommen. „Wäre der Zwischenfall mit einem anderen Fahrer passiert, hätte es ein Rennen Sperre geben können“, hören wir aus FIA-Kreisen. Weil Verstappen erneut in der Bremszone zwei Mal die Spur gewechselt hatte. „Irgendwann muss er die Quittung dafür bekommen“, fordert ein WM-Kontrahent.

Ricciardo wird immer wertvoller

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen Foto: sutton-images.com
Neue Nummer 1 bei Red Bull: Ricciardo wird von Adrian Newey, Christian Horner und Helmut Marko gefeiert.

Brundle ärgert sich, dass Red Bulls Hoffnungsträger so oft über das Ziel hinausschießt. „Max hat so viel mehr Talent als ich es je hatte. Als Rennfahrer tut es weh zu sehen, wie so viel Talent einfach verschleudert wird.“ Es habe fast etwas Arrogantes an sich, wie unbekümmert Verstappen mit diesen Zwischenfällen umgeht. Als ob er wüsste, dass er Red Bulls teuerstes Pferd im Stall ist und sich deshalb jeden Fehler leisten kann.

Horner versucht den Ball flach zu halten: „Max sollte jetzt mal in sich gehen und darüber nachdenken, was in Monaco möglich gewesen wäre, wenn er nicht diesen Unfall gehabt hätte. Er hat Talent im Überfluss, vergeudet es aber im Moment, weil er zu viel auf einmal will. Er arbeitet härter denn je und kriegt nichts dafür zurück. Die Welt schaut ihm dabei zu. So etwas frustriert.“

Gleichzeitig lobt der Engländer die Siegesfahrt seines zweiten Fahrers. Horner verglich sie mit Michael Schumachers 2. Platz 1994 in Barcelona, als dem damaligen Benetton-Piloten über weite Strecken des Rennens nur noch der fünfte Gang blieb. „Daniel hat perfektes Problem-Management unter höchstem Druck gezeigt.“

Deshalb der Rat an den Teamkollegen: „Vielleicht schaut Max einfach mal auf die andere Seite der Garage. Das wäre die beste Lektion.“ Vielleicht auch nicht. Es hat fast den Anschein, als wäre Ricciardo eher Verstappens Problem. Der Australier war nach dem letzten Jahr gar nicht mehr auf seiner Rechnung. Verstappen sah sich selbst mit Hamilton und Vettel im Dreikampf um den Titel. Und jetzt stellt Verstappen fest, dass Ricciardo mit diesem RB14 mindestens so gut zurecht kommt wie er selbst. Und praktisch fehlerlos fährt.

Red Bull hatte Verstappen mit der Vertragsverlängerung für kolportierte 30 Millionen Euro pro Jahr zur gefühlten Nummer eins im Stall befördert. Bei aller Gleichbehandlung: Verstappen ist Red Bulls Investition in die Zukunft. Ricciardo soll nur die Hälfte verdienen. Sein Vertrag läuft aus. Es wäre bei der Konstellation keine Überraschung, wenn das Team im Zweifel auf den Mann setzt, der bleibt und nicht auf den, der vielleicht geht.

Der Punktestand verkehrt die Theorie ins Gegenteil. Ricciardos Höhenflug erhöht den Druck auf einen Wunderknaben, der den Eindruck macht, als wolle er den Titel schon in diesem Jahr erzwingen. Die WM-Situation stellt auch Red Bull vor ein Problem. Ricciardo wird immer wertvoller. Auch für die Konkurrenz.

Neuester Kommentar

Meiner Meinung nach heissen VERs Probleme Jos Verstappen und Helmut Marko.

Dieser ziemlich unberechtigte Hype um den Buben haben ihm einen deratig grossen Kopf verschafft, dass er gar nicht mehr anders kann als sich für Spiderman und Ironman in einer Person zu halten.

Wenn man es mal realistisch betrachtet, hat VER ausser seinem Duselsieg in Barcelona und ein paar echt guten Runden im Regen in Brasilien, nicht viel getan, was den Rummel um seine Person rechtfertigt.Im Gegenteil, er hat ausgesprochen viel Mist produziert, für den andere Fahrer entweder schon lange gesperrt worden, oder vom Team gefeuert geworden wären.

Ich gehe mal davon aus, das Max durch die finanziellen Mittel und die Beziehungen seines Vaters ziemlich locker durch die unteren Klassen gesegelt ist und sich nie wirklich durch grössere Schwierigkeiten beissen musste.
Da geht man dann als Jugendlicher gerne mal davon aus, dass dies immer so weiter geht und man hält sich für den Besten der Besten.

Ich seh da einen grossen fehler sowohl beim Herrn Papa als auch jetzt bei Marko, die ihn nie zurück auf den Boden gebracht haben.

Ein gewisses Manko bei der Intelligenz (sorry, seh ich so) hilft da natürlich auch nicht bei der gesunden Selbsteinschätzung.

Ich spreche VER nicht ab dass er einen gewissen Grad an Talent besitzt, aber bei Weitem nicht soviel wie er und sein Umfeld ihm zuschreiben.

Wen er nämlich irgendwann seinen Fahrstil so umstellt, dass auch Ergebnisse dabei rausschauen, wird das deutlich weniger spektakulär und durchschnittlicher.

SMG 1. Juni 2018, 10:03 Uhr
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