Keine Strafe für Brendon Hartley

„Ich sah mich schon fliegen“

Pierre Gasly - Brendon Hartley - Toro Rosso - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 28. April 2018 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Das war haarscharf an einem Monsterunfall vorbei. Nach einem Reifenschaden am Toro Rosso von Brendon Hartley wäre Pierre Gasly fast mit 300 km/h auf das Auto des langsam dahinrollenden Teamkollegen aufgefahren.

Es war eine Szene die sich kein Rennfahrer wünscht. Pierre Gasly stand der Schreck noch eine Stunde nach der Beinahe-Kollision mit Teamkollege Brendon Hartley ins Gesicht geschrieben. „Ehrlich, ich sah mich schon fliegen. Ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich ihn treffen werde.“ Wohin der Toro Rosso mit der Startnummer 10 geflogen wäre, will man sich gar nicht ausmalen. Gasly hatte in dem Moment bereits die 300 km/h-Marke überschritten. Und Hartley rollte mit einem Reifenschaden links vorne langsam um den Kurs. „Der Speedunterschied betrug weit über 100 km/h“, hieß es bei der FIA. Einen genauen Wert konnte man nicht angeben, weil das GPS keine verlässlichen Werte ausspuckte.

Die Sportkommissare sahen von einer Bestrafung des Neuseeländers ab. „Der Reifenschaden passierte zwischen den Kurven 13 und 14. Hartley musste erst einmal die Situation begreifen. Dann hat er versucht, sich nach links zu verdrücken. Als er merkte, dass sich auch Gasly für links entschieden hatte, rückte er wieder nach rechts. Ein klassisches Missverständnis“, hieß es bei der Rennleitung.

Gasly nicht sauer auf Hartley

Toro Rosso - Formel 1 - GP China 2018 Foto: sutton-images.com
In China ging die Sache zwischen den beiden Toro Rosso-Piloten nicht ganz so glimpflich aus.

Der Crash, der gottlob nicht stattfand, erinnerte fast an die fatale Kollision zwischen Jochen Mass und Gilles Villeneuve im Abschlusstraining zum GP Belgien 1982. Damals war Mass genau in die Richtung ausgewichen, für die sich Villeneuve entschieden hatte. Auch der Flug von Mark Webber über den Caterham von Heikki Kovalainen in Valencia 2010 haben wir noch in frischer Erinnerung.

Pierre Gasly konnte die heikelste Szene seiner Karriere noch im Detail nacherzählen: „Kurve 14 ist blind. Da konnte ich Brendon noch nicht sehen. Erst bei der Anfahrt auf Kurve 15 habe ich bemerkt, wie schnell ich auf ihn aufschloss und wie langsam er war. Das Speed-Delta war riesig. Ich bin nach links, dann nach rechts, aber Brendon hat in die gleiche Richtung rübergezogen. Mir blieb nur noch übrig, noch weiter nach rechts zu lenken. Dabei bin ich mit den rechten Rädern auf den Randstein gekommen und habe die Kurve 15 nicht mehr erwischt.“

Gasly ist trotz der prekären Situation nicht sauer auf seinen Teamkollegen: „Brendon hat es nicht absichtlich getan. Er wurde von dem Reifenschaden überrascht und hatte alle Hände zu tun, die Situation zu begreifen und zu managen. Da kommt es vor, dass er nicht dauernd in den Spiegel schaut. Ich bin mir sicher, dass er sich beim nächsten Mal auf eine Linie festlegt und die auch hält. Es war sicher nicht ideal, dass er in der Mitte der Straße fuhr.“ Hartley entschuldigte sich trotzdem: „Ich fühlte mich richtig dumm, als ich gesehen habe, wie gefährlich die Situation war.“

Toro Rosso ist ein Fahrstuhl-Team

Mit etwas Abstand fand Gasly sogar wieder Zeit sich über andere Dinge zu ärgern als den Beinahe-Crash: „Ich war in der Runde echt gut unterwegs und lag schon sechs Zehntel unter meiner eigenen Bestzeit. Da ich wusste, dass Brendon irgendwo vor mir sein musste, habe ich mich schon auf den Windschatten gefreut, den er mir auf der langen Geraden geben würde. Es hätte locker ins Q2 gereicht. Und dann hätte ich ungefähr die Zeit von Sirotkin fahren können. “ Technikchef James Key glaubt sogar: „Mit etwas Glück wären wir ins Q3 gefahren.“

Toro Rosso entwickelt sich zu einem Fahrstuhlteam. Schwach in Melbourne, stark in Bahrain, mittelmäßig in China. „Hier liegen wir irgendwo zwischen Bahrain und China. Am unteren Ende des Mittelfeldes“, urteilte Gasly. Der Franzose gab aber auch zu: „Die Zeiten von Renault und Force India waren unerreichbar für uns.“

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