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Ersatz für Perez in Silverstone

Hülkenberg-Comeback perfekt

Nico Hülkenberg ersetzt in Silverstone den an Corona erkrankten Sergio Perez. Im schnellen Racing-Point-Auto bietet sich für den Rheinländer die große Chance auf das erste Podium seiner Karriere.

Die Formel 1 schreibt auch in Zeiten der Pandemie verrückte Geschichten. Erst am Donnerstag wurde Sergio Perez positiv auf das Corona-Virus getestet. Einen Tag später steht Nico Hülkenberg bereits im Fahrerlager von Silverstone parat, um für den Mexikaner einzuspringen. Doch das Comeback hing lange am seidenen Faden.

Eigentlich sollte Hülkenberg dieses Wochenende für RTL aus dem Kölner Studio als TV-Experte arbeiten, als ihn der überraschende Anruf von Racing Point erreichte. Der Pilot musste nicht lange überlegen und sagte dem Sender kurzfristig ab. Um pünktlich zum ersten Training an der Strecke zu sein, machte sich der 32-Jährige direkt auf den Weg nach England.

"Ich war eigentlich gerade auf dem Weg zum Nürburgring für ein anderes Rennprojekt, als mich der Anruf von Otmar (Szafnauer) erreichte", berichtet der Ersatzmann. "Das war vor nicht einmal 24 Stunden. Für mich fühlt sich das alles etwas surreal an, aber ich freue mich auf die Herausforderung – und das ist sicherlich eine große. Für Sergio ist das natürlich jetzt eine schwierige Situation. Er ist ein Kumpel von mir, ein alter Teamkollege. Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung. Ich werde einspringen und mein Bestmögliches für das Team tun."

Last-Minute Corona-Test

Bevor Hülkenberg ins Fahrerlager gelassen wurde, musste er aber erst selbst noch einmal zum Corona-Test an der Strecke antreten. Den halben Vormittag warteten alle gespannt auf das Ergebnis. Erst kurz vor dem Start des ersten Freien Trainings gab es das grüne Licht aus dem Analyse-Container und Hülkenberg wurde der Zugang zum Paddock gewährt.

Nico Hülkenberg - GP England 2020
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Um 11.13 Ortszeit verließ Nico Hülkenberg erstmals die Garage in Silverstone.

Das Team musste derweil noch etwas Papierkram erledigen. Fahrerwechsel sind dem Reglement entsprechend formell bei der FIA anzumelden. In solch außergewöhnlichen Situationen ist die Zustimmung der Rennleitung natürlich nur Formsache, auch wenn die Entscheidung relativ kurzfristig erfolgte.

"Wir hatten auch noch Papierkram wegen seiner Super-Lizenz zu erledigen. Das ist wegen der kurzfristig unterschriebenen Verträge nicht ganz so einfach", erklärte Teamchef Szafnauer. "Dann mussten wir ihm noch die ganze Technik erklären. Er saß deshalb am Vormittag noch einmal 45 Minuten in unserem Simulator." Weil sich die ganze Prozedur etwas länger hinzog als geplant, konnte Hülkenberg erst 13 Minuten nach Anpfiff des Auftakttrainings erstmals die Garage verlassen.

Trotz der kurzen Simulator-Session ist es kaum vorstellbar, dass Hülkenberg das Tempo von Teamkollege Lance Stroll schon direkt am ersten Wochenende mitgehen kann. Die Chancen stehen aber gut, dass es nicht nur bei einem Einsatz bleibt. Auch wenn es noch nicht offiziell bestätigt wurde, wird Hülkenberg wohl auch beim zweiten Rennwochenende von Silverstone für Perez im Auto sitzen.

Sollte sich der Ersatzmann schnell eingewöhnen und dabei noch etwas Rennglück haben, springt nach 177 Rennen ohne Podium vielleicht doch noch unverhofft der erste Formel-1-Pokal heraus. Zu hohe Erwartungen sollten die Fans aber nicht stellen. Trotz Hülkenbergs großer Erfahrung wird es bei der Komplexität moderner F1-Renner nicht einfach, direkt aus dem Stand konkurrenzfähig zu sein.

Etwas helfen dürfte, dass Hülkenberg in der Saison 2012 sowie zwischen 2014 und 2016 bereits vier Jahre für den Rennstall gefahren ist, der damals aber noch unter dem alten Namen "Force India" firmierte. Der Deutsche stand 78 Mal für das Team am Start und sammelte dabei 278 WM-Punkte. Nun sind alle gespannt, wie viele in Silverstone dazukommen.

Sergio Perez - Formel 1 - 2020
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Sergio Perez musste sein Cockpit unfreiwillig räumen.

Perez steckt sich bei Heimatbesuch an

Parallel zur Ankunft von Hülkenberg hat sich Sergio Perez erstmals nach Bekanntwerden seiner Infektion zu Wort gemeldet. In einem emotionalen Video-Statement, das über die sozialen Medien veröffentlicht wurde, zeigte sich der Mexikaner sichtlich geknickt. "Es ist wirklich traurig. Einer der traurigsten Tage meiner Formel-1-Karriere. Wir haben viel Aufwand in die Vorbereitung dieses Wochenendes gesteckt, um 100 Prozent bereit zu sein. Ich weiß, dass das Auto fantastisch sein wird. Das Team hat einen tollen Job erledigt."

Angesteckt hat sich Perez offenbar in Mexiko: "Ich habe alle Regeln der FIA und meines Teams befolgt, als ich in der Pause mit dem Privatjet nach Mexiko in meine Heimat geflogen bin, um meine Mutter für zwei Tage zu besuchen. Sie hatte einen schweren Unfall. Ich wollte sie unbedingt sehen, als sie das Krankenhaus verlassen konnte. Dann bin ich unter Einhaltung aller Protokolle wieder nach Europa zurückgekehrt. Ich weiß nicht, wo ich mich angesteckt habe. Mir geht es aber momentan gut. Ich habe keine Symptome."

Neben Hülkenberg waren für Racing Point auch noch Esteban Gutierrez und Stoffel Vandoorne Ersatzkandidaten. "Stoffel war aber leider nicht verfügbar. Er ist wegen der Formel E in Deutschland", so Szafnauer. "Am Ende haben wir uns für Nico und gegen Esteban Gutierrez entschieden, weil Nico das Team einfach schon besser kennt."

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