Hypersoft bringt eine Sekunde

Monaco wohl wieder Einstopprennen

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Monaco - Formel 1 - Donnerstag - 24.5.2018 Foto: xpb 113 Bilder

Pirellis neuer Hypersoft-Reifen glänzt bei seinem GP-Debüt. Die Rundenzeiten fallen dramatisch. Dafür neigt der weichste Kleber dazu, zu körnen. Trotzdem geht der Reifenlieferant von einem Einstopprennen aus.

Die Fahrer freuen sich. Pirellis neuer Hypersoftreifen liefert ihnen jede Menge Extra-Grip. Schon im ersten Training fiel der Streckenrekord. Am Donnerstagnachmittag besserte Daniel Ricciardo in 1:11.841 Minuten nach. Zum ersten Mal knackte die Formel 1 die 1:12er Minutenmarke auf dem 3,337 kilometer langen Streckenlayout im Fürstentum. Im Vergleich zum zweiten Training 2017 ist die Rundenzeit um fast eine Sekunde gefallen. Im Vergleich zur Pole-Zeit von Kimi Räikkönen um über drei Zehntelsekunden.

Keine Aufwärmprobleme mit Hypersoft

Deshalb war der Hypersoft die mit Abstand meistgefahrene der drei Gummisorten im Training. Der Ultrasoft kam weniger zum Zug, der Supersoft nur vereinzelt. Pirelli macht zwischen Hypersoft und Ultrasoft einen Unterschied von gut einer Sekunde auf eine Runde aus. Es ist die größte Sprung zwischen allen Mischungen. „Ein Zehntel mehr als wir erwartet haben“, verrät Pirellis Sportchef Mario Isola. „Zwischen Ultrasoft und Supersoft liegen vier bis fünf Zehntel.“

Die weichste Mischung im Pirelli-Regal erlaubt Attacke von der ersten Sekunde. Es gibt keine Probleme, die Hypersofts ins magische Arbeitsfenster zu fahren. Das hilft Teams wie Red Bull, die ein reifenschonendes Auto haben, ein schleichender Aufwärmprozess im Qualifying jedoch an Performance kostet. Dafür stellten Pirelli und die zehn Teams ein anderes Phänomen fest. Die Hypersofts körnen während der Longruns. Im Fachjargon heißt das Abrubbeln der Reifenoberfläche Graining. „Es betrifft alle vier Reifen. Am stärksten das linke Vorderrad“, berichtet Isola.

Zwei Stopps wohl zu gefährlich

Durch das verstärkte Graining an der Vorderachse erhöht sich das Untersteuern. Gleichzeitig steigt der Reifenabbau. Im Donnerstagstraining fiel er höher aus als Pirelli vorher gemutmaßt hatte. Renault Technikchef Nick Chester erklärt, mit welchem Problem die Teams konfrontiert sind. „Du verlierst an der Vorderachse Grip durch das Graining. Hinten bauen die Reifen ab, weil in Monaco viel aus langsamen Kurven beschleunigt wird. Das musst du beim Setup berücksichtigen, um die Achsen in Einklang zu bringen.“ Trotz des erhöhten Reifenabaus rechnet Chester fest mit einem Einstopprennen. „Wir werden die Hypersofts lange genug durchbringen, bis wir den Ultrasoft aufschnallen können.“

Auch Pirelli geht von einem Besuch in der Boxengasse aus. „Die Strecke wird sich durch die Rahmenrennen entwickeln. Und die Teams sind gut darin, die Probleme mit Graining über das Setup zu lindern und die Vorderreifen zu schützen.“ Zum Beispiel über den Reifensturz und die Reifendrücke. Wer zweimal stoppt, mag durch frischere Reifen einen Vorteil haben. Doch man riskiert, in den Verkehr zu fallen. Oder hinter dem direkten Konkurrenten zu versauern, nachdem man ihn eingeholt hat. In Monte Carlo ist Überholen bekanntlich ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst bei einem Speed-Delta von zwei Sekunden. Die Reifen sollten für Red Bull also kein Stolperstein sein. Zumal Helmut Marko im Training feststellte. „Bei uns ist das Graining viel weniger ausgeprägt als zum Beispiel bei Mercedes.“

Bleibt nur der Undercut oder Overcut. Im Vorjahr war der spätere Reifentausch die bessere Wahl. Das könnte 2018 anders sein. Sofern die körnenden Reifen sich weiter stark auf die Performance auswirken. Pirellis Mario Isola warnt. „Die Fahrer müssen schon im Qualifying aufpassen. Klar ist das Graining mit wenig Benzin kein so großes Thema. Aber wenn es einmal auftaucht, strapaziert es den Reifen.“ Und das wirkt sich negativ auf den ersten Rennteil aus.

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