Force India-Pilot Sergio Perez im Interview

"Sollte Formel 1 in zwei Klassen teilen"

Sergio Perez - Force India Foto: xpb 53 Bilder

Sergio Perez erzählt im Gespräch über die Probleme mit dem Auto, warum sie ihn besonders treffen und warum er immer noch volles Vertrauen in sein Team hat. Er spricht auch über den Frust, dass er möglicherweise nie einen Grand Prix gewinnen kann.

Warum tut sich Force India schwerer als in den letzten Jahren?

Perez: In der Formel 1 gibt es keine Wunder. Wir hatten finanzielle Probleme und konnten das Auto nicht so entwickeln, wie wir wollten. Hätten wir in dem Tempo entwickelt wie in den letzten Jahren, wären wir leicht „Best of the rest“ gewesen.

Das Auto war aber schon bei den Wintertests problematisch.

Perez: Das stimmt, aber wir hatten eine solche Situation schon öfter, und haben es immer geschafft, uns da wieder rauszuarbeiten und das Auto konkurrenzfähig zu machen.

Was hat dem Auto am Anfang gefehlt?

Perez: Wir haben die Probleme immer noch, nur nicht so schlimm. Uns fehlt Abtrieb im Heck. Am Kurveneingang ist das Auto zu unruhig. Das trifft mich hart. Ich musste meinen Fahrstil massiv umstellen, um die Defizite des Autos zu kompensieren. Ich bin es gewohnt, viel Speed mit in die Kurve hineinzunehmen. Wenn ich dann am Kurveneingang mit dem Auto kämpfen muss, ist das ein Problem.

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Das hat sich aber gebessert?

Perez: Ja, aber nicht genug. Viele Upgrades kamen mit Verspätung.

Spürt man auch, dass der Mercedes-Faktor verloren gegangen ist?

Perez: Ferrari hat einen tollen Job gemacht. Das hilft HaasF1 und Sauber. Unser Glück ist, dass HaasF1 aus seinen Möglichkeiten bis jetzt zu wenig gemacht hat. Sonst würden die sogar vor Renault liegen. Ehrlich gesagt, HaasF1 macht mir mehr Sorgen als Renault. Dass wir immer noch dabei sind, haben wir unserem Team zu verdanken. Wir holen immer das Maximum raus. Deshalb bin ich auch nicht pessimistisch. Ich kenne die Qualitäten des Teams. Ich vertraue unseren Jungs. Wir müssen nur ein paar Probleme mit dem Auto lösen.

Esteban Ocon und Sie waren in diesem Jahr schon fünf Mal in Unfälle in der ersten Runde verwickelt, was am Ende viele Punkte gekostet hat. Wird in diesem Jahr härter gefahren?

Perez: Der Ausgang der ersten Runde bestimmt zu 90 Prozent, bei manchen Strecken zu 95 Prozent den Ausgang des Rennens. Deshalb will jeder da so viele Plätze wie möglich gutmachen.

Sie haben mehr Punkte als Ihr Teamkollege, er führt im Trainingsduell. Warum das?

Perez: In der Qualifikation leide ich mehr unter den Defiziten des Autos als im Rennen. Im Rennen kann ich das überspielen. Obwohl es in diesem Jahr wegen der Probleme des Autos nicht mehr so einfach ist, die Reifen zu managen.

Sergio Perez - Force India - GP Ungarn 2018 - Rennen Foto: xpb
Sergio Perez und Esteban Ocon trennt in der WM ein Punkt.

Ihre Prognose für den Rest der Saison?

Perez: Wir hatten bis jetzt nicht das beste Jahr, sind aber immer noch voll drin im Kampf um Platz 4. Wenn die Finanzen geregelt sind, haben wir immer noch Chancen, Platz 4 zu verteidigen.

Was wird der Schlüssel sein?

Perez: Dass wir die Upgrades kriegen, die schon geplant sind. Die werden unser Auto deutlich verbessern.

Sie zählen mit ihren dritten Plätzen in Baku 2016 und 2018 zu den wenigen Fahrern mit einem Podium, die nicht in einem Mercedes, Ferrari oder Red Bull sitzen. Wie frustrierend ist es für Sie, eigentlich keine Chance auf ein Podium zu haben?

Perez: Sehr frustrierend. Es gibt in der Formel 1 zwei Kategorien. Für mich ist es das größte Problem, das die Formel 1 lösen muss, wenn sie die Show verbessern will. Das Feld muss enger zusammenrücken. Es muss mehr als nur drei Teams geben, die um den Sieg kämpfen. Im Moment sollten wir es wie Le Mans machen. Es gibt einen Sieger der ersten Kategorie und einen der zweiten.

Nico Hülkenberg hat gesagt: Wer es nicht in eines der drei Top-Teams schafft, wird wahrscheinlich nie einen Grand Prix gewinnen. Haben Sie auch diese Sorge?

Perez: Ja, die habe ich auch. Zwischen den schnellsten und langsamsten Fahrern in der Formel 1 liegen vielleicht drei Zehntel, mehr nicht. Der eine Fahrer aber hat vier Weltmeisterschaften gewonnen, der andere nicht mal einen Grand Prix. Oder nicht mal ein Podium. Das ist kein fairer Sport mehr. Der Abstand zwischen den Topautos und dem Rest ist zu groß.

Wo geht diese Sekunde oder mehr pro Runde auf die Spitzenautos verloren?

Perez: Überall. Beim Bremsen, einlenken, beschleunigen. Es gibt Kurven, da fahren die Topautos voll durch. Verstappen zum Beispiel in der ersten Kurve in Hockenheim. Wir bremsen oder schalten zurück. Würde ich das nicht tun, lande ich in der Mauer. Und jetzt war Verstappen in Hockenheim noch mal ein gutes Stück weg von Mercedes und Ferrari. Eineinhalb Sekunden pro Runde, das ist ein massiver Unterschied an Abtrieb. Eigentlich gar nicht zu beschreiben. Eine andere Welt.

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Sie sind seit diesem Jahr Vater. Sind Sie ein anderer Rennfahrer geworden?

Perez: Wenn ich den Helm aufsetze, bin ich der gleiche wie vorher. Ich fahre immer am Limit. Mein Ziel ist, immer zu gewinnen. Ich hasse es, geschlagen zu werden. Außerhalb der Strecke habe ich mich geändert. Ich bin ruhiger und reifer geworden. Ich habe gelernt: Es gibt auch noch ein Leben außerhalb der Formel 1.

Pendeln Sie öfter zwischen Europa und Mexiko hin und her?

Perez: Ich bin mit meiner Familie nach Europa umgezogen. So kann ich sie öfter sehen.

Wie schwierig ist es für Sie, das richtige Team für 2019 zu finden?

Perez: Wenn Force India überlebt und in gute Hände gerät, dann würde ich gerne bleiben. Es ist immer noch das beste Team hinter den großen Drei. In diesem Jahr muss ich mir keine Hoffnungen auf ein Topteam mehr machen, so wie früher, als ich ewig auf eine Entscheidung von Ferrari gewartet habe. Deshalb dürfte die Entscheidung diesmal früher fallen.

Hinweis: Dieses Interview haben wir am Donnerstag (26.7.) vor dem Rennen in Ungarn geführt.

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