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Interview mit zwei Mechaniker-Legenden von Lotus

Wie waren Senna, Clark, Chapman?

Bob Dance - Classic Team Lotus Foto: xpb 64 Bilder

Bob Dance und Chris Dinnage gehören zum alten Schlag. Und zum Inventar von Team Lotus. Sie arbeiteten einst mit Jim Clark, Ayrton Senna und Colin Chapman. Ein Gespräch über die alten Zeiten.

31.12.2017 Andreas Haupt
Wie kamen Sie zu Lotus und was machen Sie heute?

Dance: Ich fing in der Produktionsabteilung für Rennautos an. Damals bauten wir den Lotus 18 und 19 und arbeiteten am sequentiellen Fünfganggetriebe. Danach wechselte ich in die Entwicklungsabteilung zu Mike Costin, der ja später Cosworth gründete. Später zog es mich weiter ins Rennteam. Ich habe von allem etwas gemacht: Formel 1, Sportwagen, Indy. Heute arbeite ich in der Garage hinten.

Dinnage: Das wichtigste hat er ausgelassen. Er war Chefmechaniker von Lotus und hat mich 1982 eingestellt. Jetzt sitzen wir hier 35 Jahre später und gehen immer noch derselben Arbeit nach. Ich glaube, dass unsere Zusammenarbeit die längste in der Geschichte von Team Lotus überhaupt ist.

Dance: Stimmt, wir haben einiges erlebt in dieser Zeit.

Dinnage: Ich habe 1982 bei Team Lotus angefangen. Dann ging ich zum Rennteam. Das war 1983. Ich habe mit Elio de Angelis, Ayrton Senna, Nelson Piquet, Martin Donnelly und Johnny Herbert gearbeitet. Ende 1991 wechselte ich den Posten. Ich wurde das Bindeglied in der Fabrik zwischen der Technikabteilung und dem Rennteam. Ein Jahr bevor der Rennstall dichtmachte, war ich zum Abendessen mit Clive Chapman verabredet. Sein Vorhaben, Classic Team Lotus zu gründen, klang nach einer guten Idee. Nach einem Intermezzo bei Lotus Cars mit der Elise Championship wurde ich hier zum Teammanager. Es gibt viele Leute, die alte McLaren, Brabham, Ferrari oder Sonstiges fahren. Aber es gibt kein Team, das wie ein Werksteam geführt wird – gelenkt von den alten Mechanikern. Wir halten den Namen Colin Chapman am Leben.

Colin Chapman - Classic Team Lotus - Lotus Workshop - Werkstatt - Hethel - England Besuch beim alten Lotus-Rennstall Werkstatt mit Meisterflair
Wie war Ihr alter Chef?

Dance: Er war selbst ein sehr guter Fahrer. Und ein qualifizierter Ingenieur. Er war Anführer und Motivator. Colin konnte Leute dazu bewegen, noch eine Extra-Meile zu laufen. Er arbeitete immer sehr lange. Er hat nie weniger als 100 Prozent gegeben.

Dinnage: Er verstarb leider kurz nachdem ich kam. Aber der Ethos, seine Arbeitseinstellung und seine Prinzipien haben sich auf alle übertragen. Auch nach seinem Tod blieb sein Glaube in unserem Team verwurzelt: Wir sind Team Lotus. Wir schaffen das.

Dance: Sogar jetzt. Wenn wir ein Problem mit einem Auto haben, geben wir 100 Prozent, um es zu reparieren.

Dinnage: Wir machen aber nicht mehr dieselben Fehler. Wir planen alles penibel. Unsere Mechaniker müssen ihre ToDo-Liste mit einzelnen Punkten abarbeiten. Die Mechaniker machen von allem Notizen, was bei den Klassik-Rennen passiert. Sie zeichnen jede Runde und jeden Kilometer auf. An unserem Engagement hängt viel Papier-Kram. Aber das sorgt dafür, dass unsere Autos zuverlässig sind.

Wie war es, früher Mechaniker zu sein?

Dance: Das Gehalt war mau. In einer guten Werkstatt konnte man mehr verdienen. Aber man wollte Rennmechaniker sein, um die Welt zu bereisen. Und weil man den Nervenkitzel und die Spannung spüren wollte. Unser Formel-1-Team bestand in den 1960ern aus fünf oder sechs Leuten. Ein enger Betrieb, und der Chef hat dich gejagt, wo immer es nötig war.

Senna oder Clark: Wer war der bessere?

Dance: Das fragen mich die Leute immer. Man kann sie nicht vergleichen. Das waren unterschiedliche Zeiten. In ihrer jeweiligen Epoche stachen beide heraus. Was meinst du Chris?

Bob Dance - Classic Team Lotus Foto: xpb
Lotus-Mechaniker-Legende Bob Dance (82).

Dinnage: Ganz genau. Ayrton war als Mensch, und nicht nur als Rennfahrer, unglaublich. Wahrscheinlich ist er der intelligenteste Mensch, den ich je getroffen habe. Wie er seine Erfahrungen für sich genutzt hat, die er in der Vergangenheit machte. Wie er mit den Leuten um sich herum umsprang. Er hatte ein fotografisches Gedächtnis für die Sachen, die ihm geholfen haben. Was ihm nicht half, hat er nicht gespeichert. Er hat 50 Prozent seiner Leistungsfähigkeit dafür genutzt, schneller als andere mit 100 Prozent zu fahren. Die andere Hälfte hat er eingesetzt, um seine Umgebung zu checken: Wo bin ich auf der Strecke? Wer ist hinter mir? Wie weit ist er weg? Wie sind meine Reifen? Kommt Regen oder nicht?

Dance: Ich erinnere mich an Testfahrten in Rio. Als wir das erste Mal mit Renault-Motoren gefahren sind. Wir hatten zehn Mini-Anzeigen im Cockpit. Für Temperaturen, Drücke usw. Er hat auf der einen Runde die eine Hälfte gecheckt, auf der nächsten die andere. Er wusste ganz genau, was da abgeht.

Dinnage: Und das bei 180 Meilen pro Stunde. Das war in den frühen Tagen der Telemetrie. Die Renault-Ingenieure wollten überprüfen, ob die gleichen Daten in der Box ankommen. Er war schon ein ganz spezieller Junge.

Dance: Und er war sehr umgänglich.

Dinnage: Ja, er wusste, wie er das Beste aus seinen Mechanikern holt. Er blieb bis spät in die Nacht. Er verschwand nicht nach dem Debrief, wie viele seiner Kollegen. Er wollte alles wissen, sprach mit verschiedenen Leuten, mit anderen Teams. Einfach, um das Auto besser zu machen.

Wie war Clark?

Dance: Eher still. Er hat nicht verstanden, warum er schneller war als jeder andere. Ich schätze, das war ein bisschen jenseits seiner Fähigkeiten. Er hat das Rennfahren einfach nur genossen. Colin Chapman konnte das Beste aus ihm rausholen. Sie haben wie enge Freunde zusammengearbeitet. Am Anfang des Rennens wollte Jim einfach dem Feld davonziehen. Auch er fuhr mit Köpfchen. Ich erinnere mich an den GP England 1965. Ihm ging das Öl aus. Plötzlich drehte der Motor ab. Er hob dann durch Woodcote den Gasfuß. Sein Vorsprung schmolz zusammen. Aber er rettete sich knapp vor Graham Hill ins Ziel. Als er reinkam, erzählte er uns vom abfallenden Öldruck, und dass er den Motor retten musste.

Sie erlebten Unfälle, Fahrer starben. Gehörte das einfach zum Business?

Dance: In den 1960ern haben die Leute nicht über die Gefahren nachgedacht. In Straßenautos gab es keine Gurte. Heute ist das anders. Alles hat sich verbessert.

Dinnage: Das wichtigste sind die geänderten Strecken mit größeren Auslaufzonen. Sie sind der Hauptgrund dafür, dass sich die Fahrer nicht mehr so leicht verletzen. Bob, hast du jemals einen Fahrer angeschnallt, der nicht zurückkam?

Chris Dinnage - Classic Team Lotus Foto: xpb
Lotus-Mechaniker-Legende Chris Dinnage (56)

Dance: Ja, John Dawson-Damer in Goodwood.

Dinnage: Es gehört einfach dazu. Das Risiko ist Teil des Nervenkitzels. Ich habe Martin Donnelly an dem Tag festgeschnallt, als er schwer verunfallte.

Dance: Ich versuche, das aus meinen Gedanken zu halten. Wenn es einen Unfall gab, wolltest du immer wissen, dass es nichts mit dem Auto zu tun hatte. Damit niemand mit dem Finger auf dich zeigen konnte und sagt: Entschuldigung, du hast hier eine Schraube nicht richtig festgedreht. Wir überprüften alles zweimal.

Was war Ihr Lieblingsauto?

Dance: Immer das, das gewonnen hat. Die Mitte 1960er waren eine tolle Zeit für Lotus. Mit dem Lotus 25. Dem Lotus 33, einem weiteren Rennsieger und Weltmeisterauto. Und unsere Indy-Zeit: Team Lotus gegen die Amerikaner. Das hat uns viel Respekt eingebracht.

Dinnage: Für mich sticht der Lotus 97 heraus. Das war ein super Auto. Die Hinterradaufhängung am 97 war sehr steif. Dieses Auto hätte die WM gewinnen sollen. Aber es ging ein bisschen zu häufig kaputt.

Ist die heutige Formel 1 zu sicher?

Dinnage: Ich denke, die Sicherheit ist wichtig. Das letzte, was wir sehen wollen, sind Verletzte. Ich denke, die Formel 1 ist einfach zu streng reglementiert. Niemand zieht aus den Regeln einen unfairen Vorteil, weil er genau hingeschaut hat. Darum ging es früher. Damals hatten auch die Mechaniker großen Einfluss auf den Bau des Autos.

Steckbriefe

Chris Dinnage

  • Geburtstag: 20. Mai 1961
  • Geburtsort: Diss, Norfolk
  • Herkunftsland: England

Karriere:

  • 1980-82: Mechaniker TR8 Rallye
  • 1982-93: Mechaniker Lotus
  • 1994-99: Mechaniker bei Classic Team Lotus
  • 1999-2003: Teammanager Lotus Motorsport
  • Seit 2003: Teammanager Classic Team Lotus

Hobbys:

  • Reisen, Skifahren, Musik

Robert Dance

  • Geburtstag: 10. Mai 1935
  • Geburtsort: Enfield, Middx
  • Herkunftsland: England

Karriere:

  • 1960-69: Mechaniker Lotus
  • 1970-71: Mechaniker March STP
  • 1972-76: Mechaniker Brabham
  • 1977-94: Mechaniker Lotus
  • 1995-98: Mechaniker Toms GB
  • 1998-2004: Mechaniker Bentley Project
  • Seit 2004: Mechaniker Classic Team Lotus

Hobbys:

Fliegen, Reisen

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