Interview mit Red Bulls Max Verstappen

"Ich wünsche mir für mich zehn dominante Jahre"

Max Verstappen - Red Bull Foto: Wilhelm 53 Bilder

Max Verstappen durchlebt eine Pannensaison mit sieben Ausfällen und nur einem Podium. Im Interview spricht Red Bulls Wunderknabe über sein Jahr, das Duell mit Daniel Ricciardo und mögliche Selbstzweifel.

Zwei Drittel der Saison sind vorbei. Wie ist die Stimmung im Team?

Verstappen: Gemischt. Die eine Seite der Garage ist natürlich glücklicher als die andere. Mit all den Schwierigkeiten, die es an meinem Auto gab. Aber allgemein wird die Stimmung im Team immer besser. Insbesondere wenn man es mit dem Saisonstart in Melbourne vergleicht. Das Auto wird schneller, wir immer konkurrenzfähiger.

Sie sind mit der Entwicklung des Autos also zufrieden.

Verstappen: Alles geht in die richtige Richtung. Aber wir müssen nicht nur beim Auto weiter zulegen. Das ganze Paket muss besser werden. Vieles davon liegt nicht in unseren Händen. Das Auto unterliegt unserer Kontrolle. Und da wollen wir das Beste daraus machen.

In welchen Bereichen muss das Auto besser werden?

Verstappen: Es sind Kleinigkeiten. In den Kurven sind wir knapp dran. Oftmals fahren wir aber auch mit weniger Anpressdruck, um unser Power-Defizit auf den Geraden auszugleichen. Deshalb ist es schwer zu sagen, wo genau wir uns weiter verbessern müssen. Wenn ich nur nach meinem Gefühl gehe, brauchen wir ein bisschen mehr Anpressdruck und ein bisschen mehr mechanischen Grip.

Vor der Saison rechneten alle mit Red Bull. Alle rechneten mit einem genialen Newey-Trick. Wie schwer war es, erstmal nicht vorne mitzumischen und keine WM-Aussichten zu haben?

Verstappen: Ich denke, wir haben die Konkurrenz etwas unterschätzt. Dann hatten wir noch Korrelationsprobleme mit dem Windkanal. Jetzt müssen wir so gut es geht aufholen, um im nächsten Jahr dran zu sein.

Max Verstappen - Red Bull - GP Belgien 2017 - Rennen Foto: Wilhelm
Max Verstappen fiel in sieben von 14 Rennen vorzeitig aus - wie hier in Belgien.
Ihr Teamkollege sammelt die Podestplätze. Sie die Ausfälle. Wie gehen Sie damit um?

Verstappen: Was soll ich machen? Ich würde es mir anders wünschen, aber so kann es im Leben laufen. Ich versuche einfach, positiv zu bleiben. Ich muss die positiven Seiten der Saison sehen. Das war bisher immer das Qualifying. Der Speed ist da. Auch im Rennen war ich immer in guten Positionen, bevor ich ausfiel. Ich kann nicht todtraurig sein. Auf der anderen Seite spiegeln die Ergebnisse nicht das wider, was ich in dieser Saison leiste.

Ändern Sie durch die vielen Pannen Ihren Ansatz?

Verstappen: Nicht wirklich. Mein Ansatz ist richtig. Ich habe einfach nur eine Pechsträhne. Warum sollte ich also was ändern? Ich bin schnell.

Kommen Ihnen nicht Selbstzweifel? Nach dem Motto: Wenn die Technikgebrechen immer mich treffen, vielleicht liegt es ja an mir.

Verstappen: Wir können anhand der Telemetriedaten sehen, dass ich nichts falsch mache oder anders als Daniel. Es ist einfach komisch, dass die Probleme am Rennsonntag immer nur an meinem Auto auftauchen.

Wie groß ist der Frust?

Verstappen: Im Moment bin ich ziemlich relaxt. Ich sehe den Rest der Saison einfach als eine Mini-WM, in der ich gut abschneiden will.

Sie haben das Qualifying angesprochen. Dort steht es 10:4 für Sie gegen Ricciardo.

Verstappen: Daniel war immer bekannt als ein schneller Pilot im Qualifying. Er ist sehr schnell auf eine Runde. Ich bin dieses Jahr im Schnitt aber drei bis vier Zehntelsekunden schneller als er. Das ist ein Haufen Zeit.

Sie fahren seit Mai 2016 an Ricciardos Seite. Was konnten Sie von ihm lernen?

Verstappen: Es geht einfach um Erfahrungswerte. Man muss aus bestimmten Situationen, Ereignissen und Fehlern lernen, die man selbst durchlebt und gemacht hat. Mit 27 oder 28 Jahren werde ich sicher ein viel besserer Fahrer sein als ich es momentan bin. Weil ich dann gewisse Sachen anders und besser beurteilen kann.

Wer überholt besser? Sie oder Ricciardo?

Verstappen: Das müssen die Experten beurteilen.

Was befriedigt Sie mehr? Zu überholen, oder einen Gegner in einem schnelleren Auto hinter sich zu halten?

Verstappen: Ich bevorzuge es, zu überholen. Das ist einfach ein geileres Gefühl.

Würde Max Verstappen in einem Mercedes oder in einem Ferrari 2017 um die WM fahren?

Verstappen: Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.

Glauben Sie, dass Red Bull Ihnen 2018 ein Auto hinstellt, mit dem Sie um den Titel fahren?

Verstappen: Ich hoffe es. Es lässt sich allerdings schwer vorhersagen in der Formel 1. Ich kann nur so viel versprechen: Wir werden unser Bestes geben, um das bestmögliche Auto hinzustellen. Ich glaube an mein Team. Unsere Technikmannschaft ist dazu in der Lage. Aber wir brauchen das ganze Paket, um unsere hohen Ziele zu erreichen.

Glauben Sie an Renault als Red Bulls Motorenpartner?

Verstappen: Sie arbeiten sehr hart daran, die technischen Gebrechen auszumerzen und mehr Leistung aus dem Paket zu holen. Ich bin aber nicht in die Entwicklung involviert. Ich bin immer mal wieder in Viry-Châtillon in der Motorenfabrik. Zuletzt vor ein, zwei Monaten. Aber das ist eben ein Tag. Ich kann nicht konstant dort sein, um auf die Entwicklung zu schauen.

Es sieht so aus, als würde Red Bull ab 2019 mit Honda-Motoren fahren. Wie stehen Sie dazu?

Verstappen: Ich bin nicht an den Gesprächen beteiligt. Deshalb kann ich nichts dazu sagen. Einen Mercedes- oder Ferrari-Motor bekommen wir sowieso nicht.

Auf Sie prasselt immer wieder Kritik. Wie gehen Sie damit um? Interessiert Sie überhaupt, was Außenstehende über Sie sagen?

Verstappen: Ich bin ehrlich und geradeaus. Ich lüge nicht. Das einzige, was ich will, ist ein Siegerauto. Das ist kein abwegiger Wunsch. Ich bin sehr selbstbewusst. Wenn ich es nicht wäre, würde ich immer noch Kart fahren.

Red Bull - Formel 1 - GP Italien 2017 Red Bull mit Honda-Motoren ab 2019 Renault lässt Red Bull fallen
Wie gehen Sie mit Druck um?

Verstappen: Ich bin als Kind viel mit meinem Vater gereist. Er hat mir viele Ratschläge gegeben. Ich muss einfach schnell fahren und neben der Strecke so hart wie möglich arbeiten. Ich habe nie wirklich Druck gefühlt. Alles hat bisher gut geklappt in meiner Karriere. Wenn du mal in einer Situation bist, in der dir dein Teamkollege im Qualifying und Rennen um die Ohren fährt, dann baut sich Druck auf. In einer solchen Situation war ich nie in meinem Leben.

Wie lange werden wir Sie in der Formel 1 sehen? Wollen Sie die Rekorde knacken?

Verstappen: Ich bin nicht an Pole-Rekorden oder den meisten Siegen interessiert. Ich will einfach nur gewinnen. Dann schauen wir, was am Ende meiner Karriere steht. Aktuell interessiert mich nur, dass ich gewinne. Man muss auch Glück haben, um sieben Titel wie Michael Schumacher gewinnen zu können. Du musst zur richtigen Zeit im richtigen Team sein.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Formel 1?

Verstappen: Zehn dominante Jahre für mich. Der Rest ist nicht so wichtig.

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