6 Ausgaben testen + attraktive Prämie sichern!

6 Ausgaben auto motor und sport mit 25% Preisvorteil zum Preis von nur 17,60 € (ggf. zzgl. 1 € Zuzahlung) testen.

Dazu eine unserer zahlreichen attraktiven Prämien sichern!

Weitere Infos und Bestellung HIER!

Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Interview mit Renault-Sportchef Cyril Abiteboul

"Ich stelle Palmer kein Ultimatum"

Alain Prost - Cyril Abiteboul - Renault - F1 - GP Aserbaidschan 2017 - Baku Foto: xpb 50 Bilder
Interview

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul erklärt im Gespräch, wo der Renault-Motor nach der Leistungssteigerung in Baku steht, was es im Werksteam noch zu richten gibt und warum Jolyon Palmers Cockpit nicht unmittelbar in Gefahr ist.

01.07.2017 Michael Schmidt
Wo steht Renault mit dem Motor nach der Verbesserung der Kennfelder?

Abiteboul: Wir können anhand der Drehmomentsensoren und der Daten ganz klare Fortschritte im Gegenwert von zwei Zehnteln erkennen. Bei der Leistung, der Energie-Abgabe und der Kühlung. Es gibt noch mehr Dinge, die wir tun wollen und werden. Im Vergleich zum Vorjahr stehen wir viel besser da. Unter besten Umständen hätte ein Auto mit Renault-Power auf einen der ersten drei Startplätze fahren können. Solange wir aber nicht auf einer Stufe mit Mercedes stehen, sind wir nicht zufrieden. Und wir sind noch nicht auf einer Stufe mit Mercedes.

Wie hat Renault den Schritt geschafft, ohne mechanisch etwas am Motor zu verändern?

Abiteboul: Wir haben zu Beginn des Jahres einen komplett neuen Motor gebracht. Die Version von Montreal war die gleiche wie die von Baku. Wir nutzen den Motor nur anders. Eine unserer größten Baustellen ist die Zuverlässigkeit. Die hält uns davon ab, das volle Potenzial des Motors abzurufen. Diese Standfestigkeitsprobleme konnten wir am Prüfstand wie auf der Rennstrecke beobachten. Einige davon sind jetzt gelöst. Dadurch können wir auch mehr Testläufe auf dem Prüfstand fahren, was uns wiederum mehr Erfahrung bringt. Wir haben jetzt etwas mehr Zuversicht und können die Klopfgrenze weiter in die gewünschte Richtung verschieben. Gleichzeitig optimieren wir das ganze System Motor, Turbolader, MGU-H, um auch da mehr Power rauszuholen. Deshalb war es in Baku möglich, mehr Power abzurufen.

Es steckt also noch viel mehr in diesem Motor?

Abiteboul: Exakt. Über den Winter hat uns jeder gefragt, warum wir unseren Motor neu erfinden, nachdem wir 2016 ohne einen Schaden abgeschlossen hatten. Aber das alte Konzept war am Limit. Wir mussten neue Wege bestreiten, und die Zahlen geben uns Recht. Auch wenn wir dafür ein paar Schäden in Kauf nehmen mussten. Es ist ein kurzfristiger Schmerz für einen langfristigen Gewinn. Wir befinden uns jetzt am Anfang dieser langfristigen Erfolgsstory.

Planen Sie für dieses Jahr noch mit echten Upgrades am Motor?

Abiteboul: Es wird dieses Jahr noch den Motor Nummer 3 und 4 geben, möglicherweise auch einen fünften Motor, was wir aber ganz gerne vermeiden würden. Der Plan ist nach wie vor, es bei vier Antriebseinheiten zu belassen. Das bedeutet, dass wir noch zwei Chancen haben, etwas Neues zu bringen. Die dritte Einheit wird kleine Unterschiede in der Hardware aufweisen, allerdings hauptsächlich um die Standfestigkeit besser abzusichern. Das wiederum wird uns helfen, das Potenzial des Motors durch andere Einstellungen noch besser zu nutzen. Am Ende der Saison werden wir sehen, ob wir noch etwas Neues in Sachen Power bringen. Wir arbeiten schon unter Volldampf an 2018. Alles, was wir dieses Jahr noch auf der Strecke optimieren können, wird uns nächstes Jahr helfen.

Wo steht Enstone in Bezug auf Leute und Werkzeuge?

Abiteboul: Im Moment sind wir zu 75 bis 80 Prozent auf dem Stand, wo wir einmal hinwollen und zu 100 Prozent dort, wo wir es für diesen Moment geplant haben. In einer Woche wird unser neuer Aerodynamikchef anfangen, den wir von Red Bull abwerben konnten. Diesem Transfer werden einige weitere folgen, die ich Ihnen aber noch nicht verraten kann. Die neue Struktur wird erst 2018 Erfolge abwerfen. Wir gehen im Moment noch durch eine schwierige Phase, weil es auf der einen Seite das Tagesgeschäft, auf der anderen den Ausbau der Struktur gibt. Es ist wichtig, dass wir für die Zukunft die richtigen Weichen stellen und uns nicht zu sehr von der Gegenwart ablenken lassen. Trotzdem wollen wir Resultate abliefern, um zu zeigen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Was am aktuellen Paket Auto und Motor ist gut, was schlecht?

Abiteboul: Wenn du irgendwann gewinnen willst, brauchst du das beste Chassis, den besten Motor, die besten Abläufe, die besten Fahrer. Das haben wir im Moment noch nicht. Wir wissen, dass uns beim Motor noch zwischen drei und fünf Zehntel fehlen. Da uns im Schnitt eineinhalb Sekunden von den Topteams trennen, geht der Rest aufs Chassis. Was uns am meisten fehlt, ist Zeit. Wir rennen einem Rückstand hinterher, da die Basis, von der wir gestartet sind, nicht optimal war. Wenn du mit Rückstand anfängst, musst du schneller entwickeln als die Konkurrenz.

Wie viel Zeit geben Sie sich?

Abiteboul: Wir wollten uns dieses Jahr im Mittelfeld etablieren. Das ist uns gelungen, auch wenn wir in der Rangliste ganz gerne noch ein bisschen nach oben klettern möchten. Siege müssen 2019 möglich sein. Das hört sich nach einer langen Zeitspanne an, ist es aber nicht. Wir wissen, wo die Topteams stehen. In der Formel 1 entscheiden Menschen. Wenn ich heute ein Talent verpflichte, muss ich ein bis zwei Jahre warten, bis ich sein Talent nutzen kann. Das hat erst einen Einfluss auf das 2020er Auto.

Wie gut arbeiten Viry-Chatillon und Enstone zusammen?

Abiteboul: Das war der wichtigste Punkt beim Start des Projekts. Es hatte nur ein Jahr lang keine Zusammenarbeit gegeben. Deshalb kannten sich die Leute und auch die gegenseitigen Prozesse. Das hat die Aufgabe vereinfacht. Die Integration des Motors in das Chassis ist in diesem Jahr schon viel besser als 2016 und wird im nächsten Jahr dann auf dem Stand sein, den wir uns vorstellen. Im Vergleich zu den Topteams haben wir weniger Ressourcen. Das heißt, wir müssen effizienter arbeiten. In der Art wie wir zusammenarbeiten.

Nico Hülkenberg - Renault - GP Aserbaidschan 2017 - Qualifying - Baku - Samstag - 24.6.2017 Foto: xpb
Nico Hülkenberg ist der einzige Punktelieferant bei Renault bislang.

Deshalb werden bestimmte Funktionen zusammengelegt, damit die beiden Bereiche nicht aneinander vorbeireden. Also ein Finanzdirektor, ein Technikchef, ein IT-Chef, ein Investitionschef, ein PR-Chef. Ein Kopf soll entscheiden, in welchem Bereich wir das Geld am besten investieren. Mercedes hat den Luxus, dass sie nicht darüber nachdenken müssen, was effizient ist und was nicht. Wir müssen uns heute schon mit denen vergleichen, die wir morgen schlagen wollen. Das verlangt eine neue Identität des Teams. Die versuchen wir gerade zu finden. Es ist besser, das als eine Gruppe und nicht als zwei Einheiten zu tun.

Das Mindestziel für 2017 war der 6. Platz. Im Augenblick sammelt nur ein Fahrer Punkte. Wie lange können Sie sich diesen Zustand noch leisten?

Abiteboul: Wir können uns das nicht leisten. Jolyon Palmer muss einen Beitrag leisten, und er will einen Beitrag leisten. Ich zweifle nicht daran, dass er das kann. Er war als Elfter in Monte Carlo und Montreal zwei Mal knapp dran. Ich stelle Jolyon kein Ultimatum. Er und wir wissen, dass man mit diesem Auto in die Punkte fahren kann. Und das muss er tun.

Warum hat er so große Probleme?

Abiteboul: Es ist ganz klar eine Sache des Selbstvertrauens. Er hat seine Qualitäten als Rennfahrer ja nicht einfach so verloren. Er hat es in der GP2 und letztes Jahr bei uns bewiesen. Die Saison hat schlecht für ihn begonnen, und darunter leidet er. Dazu kamen Standfestigkeitsprobleme an seinem Auto und ein Teamkollege, der extrem schnell ist. Das hat von ihm verlangt, sich zu steigern. Weil ihm das nicht gleich gelungen ist, fiel er in eine Negativspirale. Ich will ihn schützen und ihm ein Umfeld bieten, das es ihm ermöglicht, sein Vertrauen zurückzugewinnen.

Schließen Sie aus, ihn zu ersetzen, wenn er sich nicht steigern kann?

Abiteboul: Zu diesem Zeitpunkt schließe ich es aus. Beide Parteien wissen, dass er seine Probleme lösen muss. Es ist eine harte Zeit für ihn und für uns. Aber wir gehen da zusammen durch.

Wenn Sie sich auf dem Fahrermarkt umschauen, sehen Sie da GP-Sieger und Titelkandidaten, die sich Renault als Ziel aussuchen könnten?

Abiteboul: Ohne Namen zu nennen: Ich weiß, dass sich viele Fahrer für das interessieren, was wir tun. Wir sind eines von drei Hersteller-Teams. Wir bauen etwas auf. Wir können nur gewinnen und besser werden. Die Fahrer, die sich für uns interessieren, wissen dass sie 2018 noch kein Siegerauto erwarten können und das wir erst am Anfang einer Erfolgsstory stehen. Jeder, der sich uns anschließt, soll eine Rolle bei diesem Aufbauprozess spielen. Genau das hat Nico an uns so gefallen. Er will ein Teil dieser Geschichte sein und uns helfen, ein Siegerteam zu werden.

Wo steht Renault in der Diskussion um den Formel 1-Motor der Zukunft?

Abiteboul: Ich glaube, dass wir einen vernünftigen Vorschlag gemacht haben. Wir sind offen für Technologie, aber sie sollte nicht einen oder viele vom Gewinnen ausschließen. Das ist nicht gut für den besten Motorenhersteller und auch nicht gut für den schlechtesten. Der Motor soll einen Unterschied ausmachen, doch die Bandbreite zwischen den Motoren muss kleiner werden. Wir brauchen einen Motor, der in seiner Technologie relevant für die Serie, aber auch gut für den Sport ist. Wir brauchen Elektrifizierung, und wir brauchen einen Sport, der die Leute unterhält. Wir müssen ein besseres Verhältnis zwischen Gewicht und Motorleistung herstellen. Deshalb ist ein Vierradantrieb keine gute Idee, weil er gleichzeitig mehr Gewicht bedeutet. Was uns betriftt: Das richtige Motorenreglement ist eines, das es uns erlaubt zu gewinnen. Das Problem mit der Elektrifizierung ist, dass sie ins Gewicht geht. Und das reduziert die Effizienz. Wir müssen einen Mittelweg finden. Hybrid ja, aber nicht zu viel davon.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie uns Ihre Meinung.

Neues Heft
Neues Heft auto motor und sport, Ausgabe 22/2017, Heftvorschau
Heft 22 / 2017 12. Oktober 2017 202 Seiten Heftinhalt anzeigen Jetzt für 3,90 € kaufen Artikel einzeln kaufen
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden