Video mit Jackie Stewart

Dreifacher Champion im Interview

1000. GP

Jackie Stewart war drei Mal Weltmeister und hat 27 Grand Prix gewonnen. Der Schotte ist einer der größten Rennfahrer aller Zeiten. Im Video erzählt er von seinem Einstieg in die Formel 1, wie sein Unfall 1966 ihn zum Sicherheitsapostel machte und warum er 1973 wirklich zurückgetreten ist.

Jackie Stewart zählt zu den besten Rennfahrern aller Zeiten. Er hatte die perfekte Karriere. Der Schotte stieg nach nur einem Jahr in der Formel 3 im Alter von 25 Jahren mit B.R.M. in die Formel 1 ein, gewann schon in seiner ersten Saison einen Grand Prix und forderte als WM-Dritter Teamkollege und Weltmeister Graham Hill heraus. 1966 hatte Stewart in Spa seinen einzigen schweren Unfall. Im Interview verrät er uns, warum dieser Moment entscheidend war für seine weitere Karriere.

Rücktritt mit 34 Jahren

Der eloquente Schotte erzählt auch, dass der WM-Titel 1968 zu früh für ihn gekommen wäre und dass er fast froh war, dass Graham Hill die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Stewart fühlte sich noch nicht reif für die PR-Tour, die einem Weltmeister damals von den großen Firmen im Motorsport abverlangt wurde. Ein Jahr später stand er selbst ganz oben. Der Titel 1969 im Matra war, wie er selbst sagt, der sportlich wertvollste seiner drei Meisterschaftssiege.

So schön die Zeit war, in der „Jack the Hair“ damals fuhr, so grausam war sie auch. Stewart erzählt von dem Wochenende 1970 in Monza, als er mit Jochen Rindt einen seiner besten Freunde verlor. Und warum es so wichtig war, den Rennstreckenbetreibern ihre Grenzen aufzuzeigen. „Wenn wir 1970 nicht den Nürburgring boykottiert hätten, wäre nie etwas passiert.“ 1973 trat Jackie Stewart als dreifacher Weltmeister im Alter von nur 34 Jahren völlig überraschend zurück. Die wahren Hintergründe hören sie in unserem Interview, das wir in Stewarts Appartement am Genfer See geführt haben. Hier ein paar Auszüge:

Auszüge aus Stewart-Interview

„Ich bin ein schwerer Fall von einem Legastheniker. Ich kann weder lesen noch schreiben. Ich kenne den Text der Nationalhymne und das Gebet des Herrn nicht. Wenn du Legastheniker bist, hast du viele Nachteile. Die Schule war schrecklich. Ich habe sie mit 15 Jahren ohne Abschluss verlassen. Null Ausbildung. Zum Glück begann ich mit 14 Jahren mit dem Schießen. Tontaubenschießen. Ich habe sofort meinen ersten Wettbewerb gewonnen. Plötzlich war ich in etwas gut. Vorher war ich nirgendwo gut.“

„Ich wollte lieber mit Graham Hill als mit Jim Clark im Team fahren. Mir war ganz klar: Es gibt bei Lotus nur einen Fahrer, und das ist Jim Clark. Colin Chapman glaubte, er wäre Gott. Ich dachte mir, dass es nicht gut ist, zu Lotus zu gehen. Die Nummer 2-Fahrer dort sind nicht oft ins Ziel gekommen. Von Graham Hill konnte ich mehr lernen.“

„Es waren keine Streckenposten da, keine ärztliche Hilfe. Sie mussten sich bei Zuschauern Schraubenzieher ausleihen, um das Lenkrad abzubringen. Dann haben sie mich aus dem Auto gezogen, wussten aber nicht, wie schwer ich verletzt war, weil ich zwischendurch immer wieder das Bewusstsein verlor. Sie haben mich auf einen Heuwagen gelegt. Ich hatte das Gefühl zu brennen. Mein Overall war voll von hochoktanigem Sprit, der sich in das Cockpit geleert hatte.“

Direkt neben Rindt

„Ich sagte: Wenn wir jetzt am Nürburgring fahren, macht kein anderer Veranstalter irgendetwas an seiner Strecke. Einige Fahrer hatten Angst, ihren Sitz zu verlieren, dass sie von den Teamchefs vor die Wahl gestellt würden: Entweder ihr fahrt oder ihr könnt gehen. Es war eine knappe Entscheidung. Ich dachte, ich würde sie verlieren. Dann stand Jack Brabham auf und sagte: Wir müssen für Jackie stimmen. Es sind zu viele Leute gestorben.“

„Als ich in der Notaufnahme ankam, war Jochen schon da und ich wusste sofort, dass ich schlechte Nachrichten bringen würde. Mir war klar, dass Jochen tot war. Ich stand so nah neben ihm wie ich jetzt neben Ihnen sitze.“

„1971, als ich zum zweiten Mal Weltmeister wurde, bin ich 86 Mal über den Atlantik geflogen. Und nebenher Rennen gefahren. Es gibt eine Szene in dem Roman Polanski-Film zum GP Monaco, da sieht man mich Autogramme schreiben, und ich bin völlig geistesabwesend durch die Menge gelaufen. Ich hatte als Folge davon viele gesundheitliche Probleme. Ich habe es einfach übertrieben.“

„Ich hätte das letzte Rennen fahren können, wenn ich es gewollt hätte. Ken und das Team wären bereit gewesen. Dann haben er und ich konkreter darüber gesprochen, und wir waren der Meinung, dass es aus Respekt vor Francois falsch wäre. Wir hatten die Weltmeisterschaft gewonnen, warum sollten wir fahren? Unser Teamkollege wurde getötet, auf eine furchtbare Weise.“

auto motor und sport feiert das 1.000. Formel-1-Rennen in dieser Saison mit einer großen Serie in 100 Teilen. Wir liefern Ihnen im täglichen Countdown spannende Geschichte und interessante Video-Features aus der Historie der Königsklasse. Alle bisherigen Artikel finden Sie auf unserer >> Übersichtsseite zum großen Jubiläums-Grand-Prix.

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