Nico Hülkenberg - Racing Point - GP 70 Jahre F1 - Silverstone 2021 xpb
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Interview Hülkenberg: Ersatz bei Mercedes & Aston

Interview mit Nico Hülkenberg Job als Ersatz bei Mercedes & Aston Martin

Nico Hülkenberg ist 2021 Reservepilot von Mercedes und Aston Martin. Im Interview spricht er über seine neue Rolle, erste Simulatorrunden in beiden Autos, die Hoffnung auf einen Stammplatz 2022 und den Job als TV-Experte.

Wie sieht Ihr Programm als Edelreservist in diesem Jahr aus?

Hülkenberg: Ich werde Reservefahrer bei Aston Martin und Mercedes. Bei Mercedes ist es allerdings nicht die volle Reservefahrer-Rolle, sondern nur bei ausgewählten Rennen, in denen sie keinen Ersatz haben oder die anderen Jungs verhindert sind. Für Aston ist das Programm ein bisschen breiter aufgestellt. Da bin ich für alle Rennen sozusagen "gebucht". Im Dreierpack mit meiner Kommentatorenrolle bei Servus TV ist insgesamt also ordentlich was los.

Wie geht man in eine Saison als Vollzeit-Feuerwehrmann und TV-Experte?

Hülkenberg: So wie jedes andere Jahr bisher auch. Wir haben ja in der letzten Saison gesehen, wie schnell man da zu einem Einsatz kommen kann. Deshalb haben die Teams und ich für eine bestmögliche Vorbereitung und Infrastruktur gesorgt. Ich fahre natürlich Simulatorprogramme, um auf beiden Ebenen eine gute Basis zu haben. Es ist eine neue Rolle für mich, aber dadurch, dass Ende letzten Jahres die Red Bull-Möglichkeit letztlich nicht geklappt hat, musste ich mir das nächstbeste Gesamtpaket suchen. Ich wollte im Formel 1-Orbit bleiben, weil ich schon auch für nächstes Jahr auf ein festes Cockpit schiele. Deshalb lege ich dieses Jahr nochmal alles rein und bin jetzt bei Teams unter Vertrag, von denen ich lernen und meinen Horizont erweitern kann.

Nico Hülkenberg - Racing Point - GP Eifel 2021 - Nürburgring
F1/FIA
Im Vorjahr sprang Hülkenberg für drei Rennen bei Racing Point ein.

Müssen Sie immer vor Ort sein?

Hülkenberg: Ich muss nicht vor Ort sein. Die zwölf Rennen, die ich für Servus TV kommentiere, mache ich bis auf weiteres von Salzburg aus. Erst wenn wir mit einem größeren Team an die Strecke dürfen, werde ich auch dort sein. Dann könnte ich auch theoretisch erneut spontan zum Qualifying einspringen (grinst). Ansonsten ist die Logistik auch erstmal nicht so wild. Bahrain ist nur ein halbes Überseerennen, und dann fahren wir viel in Europa. Da komme ich im Notfall schnell hin. Der Mechanismus ist ja so: Die Teams werden Mittwochabend getestet. Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr bekommen alle Teammanager die Ergebnisse. Wenn es da bei einem Fahrer einen Verdacht oder ein unklares Resultat gibt, bin ich schon unterwegs.

Wie haben Sie sich auf ihre Reservefahrer-Rolle vorbereitet?

Hülkenberg: Ich habe in beiden Autos vor dem ersten Rennen eine Sitzprobe gemacht, bin bei beiden im Simulator gesessen und habe für beide Fälle auch schon einen Overall.

In welchem Auto sitzen Sie besser. In Vettels Aston Martin oder Hamiltons Mercedes?

Hülkenberg: Für mich sind beide am Limit als Großmensch. Das habt ihr ja letztes Jahr schon mitbekommen, dass ich im Racing Point das ein oder andere Problem mit dem Sitzkomfort hatte. Zwischen dem Aston Martin und dem Mercedes gibt es vom Sitzen her keine großen Unterschiede. Es ist nicht so, dass der eine bequemer als der andere wäre.

Werden die Helme unterschiedlich sein?

Hülkenberg: Da bin ich noch in der Planung. Die Teams haben natürlich auch ein Mitsprachrecht.

Werden Sie für Mercedes oder Aston Martin an Freitagstrainings oder den 18-Zoll-Reifentests teilnehmen?

Hülkenberg: Das ist nicht geplant.

Da Sie ja schon in beiden Simulatoren gefahren sind, mal ganz ehrlich: Was ist dieser Mercedes für eine Rakete?

Hülkenberg: Man merkt, dass es verschiedene Autos sind, die unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Es sind aber auch unterschiedliche Simulatoren. Die Wahrnehmung ist von Simulator zu Simulator anders. Von daher ist ein Vergleich nicht so einfach, etwa so als würdest du Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber der Mercedes hat schon Oberwasser.

Dürfen Sie andere Rennen fahren?

Hülkenberg: Theoretisch ja.

Werden wir Sie in Le Mans oder der DTM sehen.

Hülkenberg: Aktuell ist nichts geplant oder in der Mache.

Das Ziel muss ein Stammplatz für 2022 sein. Hofft man da insgeheim darauf, dass einer der Fahrer von Mercedes oder Aston Martin Ende der Saison die Lust verliert?

Hülkenberg: Das ist weit hergeholt und spekulativ. Das Ziel für mich muss sein: Dranbleiben und auf meine Chance warten. Ich bin da aber eher nur Passagier und kann nicht in die Zukunft schauen. Und es macht auch keinen Sinn auf Teufel komm raus sich in irgendein Cockpit zu setzen. Es muss sportlich auch eine Perspektive vorhanden sein.

Haben Sie auch mal dran gedacht, voll auf die Le Mans-Schiene umzuschwenken. Die erlebt ja gerade mit Herstellern Ferrari, Porsche, Audi, Toyota und Peugeot einen Aufschwung?

Hülkenberg: Da entwickelt sich eine interessante Geschichte. Aber im Moment schaue ich nur auf die Formel 1 und lege nochmal alles in diese Waagschale.

Sie müssen fit bleiben, auch wenn Sie keine Garantie auf Rennen haben. Fällt da das Trainieren schwerer?

Hülkenberg: Es ist schon bisschen härter sich dafür zu motivieren, weil du dich auf etwas vorbereitest, von dem du nicht weißt, ob es eintritt. Aber ich mache da mein Pensum für den Fall der Fälle. Richtige Rennfitness kriegst du sowieso nur mit Fahren. Ich muss einfach schauen, dass ich immer in einem guten Zustand bin. Den Rest kompensiere ich mit meiner Erfahrung.

Nico Hülkenberg - Racing Point - GP 70 Jahre F1 - Silverstone 2021
Wilhelm
Hülkenberg bringt sich in Stelllung: 2022 soll es zum Comeback in der Formel 1 kommen.

Das Kampfgewicht stimmt?

Hülkenberg: Keine Angst. Ich bin nicht fett geworden. Selbst wenn da mal ein Kilogramm zu viel drauf sein sollte, trainiere ich das in ein, maximal zwei Tagen weg.

Es kursierte da ein Foto, wo Sie mit Verstappen bei Red Bull trainiert haben. Wie kam das zustande?

Hülkenberg: Das war mein erster Einsatz für Servus TV. Wir haben Max bei seinem Fitnesstest begleitet. Ich habe auch mitgemacht und versucht ihn ein bisschen aus der Ruhe zu bringen. Hat auch geklappt (lacht).

Ihr Zweitjob ist Experte bei Servus TV. Haben Sie da Vorbilder aus dem Kollegenkreis?

Hülkenberg: Meine Rolle ist ein bisschen anders, als die eines Experten. Ich mache zusammen mit dem Andy Gröbel den Kommentar. Das ist schon eine andere Funktion als letztes Jahr bei RTL. In der Expertenrolle hatte ich weniger Zeit in die Tiefe zu gehen. Das wird bei Servus TV anders werden und ist eine neue und spannende Herausforderung für mich. Wir haben das beim Türkei-Grand Prix letztes Jahr einmal getestet, und es hat richtig Spaß gemacht. Servus TV ist eine coole Marke und wir werden auch einige unterhaltsame Geschichten machen. Mein Vorbild? Der Martin Brundle macht das schon sensationell.

Wie wird der Nico Hülkenberg hinter dem TV-Mikrofon sein. Sachlich oder kritisch?

Hülkenberg: Ich werde mein Ding machen. Am Anfang muss ich sicher noch viel lernen. Ich will den Leuten den Sport gut transportieren und werde auch objektiv meine Meinung äußern, ohne auf den Kollegen rumzuhacken. Wir machen alle mal Fehler. Es kommt immer darauf an, wie und in welchem Tonfall man Kritik äußert. Wenn einer dem anderen offensichtlich ins Auto fährt oder sich verbremst, kann man sagen, dass es ein Fehler war, ohne den Fahrer dabei runterzumachen. Das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Löst das ein besonderes Gefühl bei Ihnen aus, das Debütjahr von Mick Schumacher zu kommentieren?

Hülkenberg: Natürlich habe ich früher Michael Schumacher bewundert. Dass sein Sohn da jetzt fährt, ist für den Motorsport in Deutschland eine schöne Geschichte. Aber mit mir persönlich macht das nichts.

Was darf, was muss man von Mick Schumacher im ersten Jahr erwarten?

Hülkenberg: Er ist ein Rookie. Das erste Jahr ist nie einfach. Er wird viel lernen müssen und dabei auch Fehler machen. Das ist mir in meinem ersten Jahr auch passiert. Das muss man ihm auch zugestehen, weil es zum Lernprozess dazugehört. Die Ausgangslage für Mick ist aber eher schwierig, weil der Haas im Status Quo recht schwer zu fahren scheint.

Sie hatten in ihrem ersten Jahr den ausgefuchsten Oldie Barrichello an Ihrer Seite. Mick Schumacher fährt gegen einen Rookie. Was ist besser?

Hülkenberg: Natürlich der Rookie. Der Rubens hat mich mit seiner Erfahrung im ersten halben Jahr erst einmal platt gemacht. Der hat mit mir nur gespielt, bis ich mir mal meine Hörner abgestoßen hatte. Ich wusste gar nicht, wo links und rechts ist. Da ist ein Rookie an deiner Seite schon angenehmer. Die durchlaufen ja beide den gleichen Prozess.

Dafür konnten Sie bei Barrichello viel lernen?

Hülkenberg: Das stimmt. Aber für die persönliche Außenwirkung ist es besser, du fährst gegen einen Rookie. Ganz einfach, weil die Chancen diesen zu schlagen, viel größer sind.

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