Interview mit Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur

"Wir haben 2019 eine starke Fahrerkombination"

Frederic Vasseur - Sauber - F1 Foto: sutton-images.com 59 Bilder

Sauber ist das Überraschungs-Team dieser Saison. Teamchef Frédéric Vasseur verrät, wie der Schweizer Rennstall vom letzten Platz bis ins vordere Mittelfeld vorstoßen konnte und was er von seiner neuen Fahrerpaarung erwartet.

Wie erklären Sie das Sauber-Wunder?

Vasseur: Es ist die Kombination von vielen Faktoren. Erstens haben wir den aktuellen Ferrari-Motor. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein riesiger Schritt vorwärts. In der Motorleistung und auch in der Motivation. Das Team weiß, dass wir einen exzellenten Motor haben und damit die gleiche Basis wie unsere Konkurrenten. Damit waren wir auch gleich viel attraktiver für Partner. Zweitens hatten wir eine starke Fahrerpaarung. Ericsson hat sich unheimlich gesteigert. Er hat über den Winter hart an sich gearbeitet. Charles ist der Rookie des Jahres. Drittens haben wir unsere Aerodynamikabteilung um 40 Leute aufgestockt und mit Jan Monchaux einen neuen Chef nominiert. Viertens sind wir auf einem guten Weg mit der Umstrukturierung unseres Teams. Und schließlich hat uns auch die Partnerschaft mit Alfa Romeo geholfen, nicht nur wegen des Geldes. Sie macht uns sichtbar, interessant für andere Partner und gute Leute, die wir ins Team holen wollen. Es gibt dem ganzen Projekt einen seriösen Anstrich und hat eine Dynamik entfacht, die uns weiterbringt.

Waren Sie überrascht, dass der Erfolg so schnell gekommen ist? Viele andere Teams verstecken sich hinter Drei- oder Fünfjahresplänen.

Vasseur: Davon halte ich nichts. Ich wollte nicht vier Jahre in dem Zustand verharren wie letztes Jahr. Und sind wir ehrlich: Der Schritt von Platz 10 auf Rang 8 ist einfacher als von 8 auf 6 oder 6 auf 4. Ich weiß, dass jeder nächste Schritt schwieriger wird. Trotzdem können wir stolz sein. Wir fahren jetzt am vorderen Ende des Mittelfeldes mit, obwohl wir die Aerodynamikentwicklung sehr früh zugunsten von 2019 eingestellt haben.

Welchen Einfluss hatte es, die Aerodynamik in kleinen statt großen Paketen weiterzuentwickeln?

Vasseur: Wir sind aus Gründen von Produktionsengpässen dazu praktisch gezwungen. Sauber ist immer noch ein kleines Team. Für uns ist es schwierig, in kurzer Zeit große Aero-Upgrades zu produzieren. So haben wir aus der Not eine Tugend gemacht. Für uns war es effizienter, bei jedem Rennen kleine Entwicklungsstufen ans Auto zu bringen. Diese Entscheidung haben wir schon vor der Saison getroffen. Ich weiß auch nicht, ob das jetzt der Schlüssel für unsere gute Entwicklungskurve ist. Viel mehr glaube ich, dass uns eine gute Korrelation zwischen Windkanal und Rennstrecke geholfen hat. Die Upgrades haben auf der Strecke praktisch immer die Erwartungen erfüllt. Das hilft uns auch für die Zukunft. Wir wissen, dass wir uns auf unsere Werkzeuge und Simulationen verlassen können.

Sauber - GP Abu Dhabi 2018 Foto: ams
Sauber strebte 2018 nach oben. 2019 will man noch weiter vorn fahren im Mittelfeld.
Wie nah wollen Sie in Zukunft an Ferrari sein? So nah wie HaasF1 oder doch mit mehr Distanz?

Vasseur: Wir konzentrieren uns auf uns und schauen nicht auf HaasF1. Wir wissen, dass wir noch Schwächen haben und in einigen Bereichen, wie zum Beispiel der Produktion zu klein sind. Wichtig für uns ist, dass wir unser größtes Gut nutzen. Das ist unser Windkanal. Daraus müssen wir maximalen Nutzen ziehen. Deshalb werden wir die Außenhaut des Autos immer selbst entwickeln. Und auch die Dinge, für die wir von der Produktion her viel Zeit brauchen. Ferrari kann viele Komponenten spät freigeben, weil sie eine große Produktionskapazität haben. Würden wir uns da auf ihr Design verlassen, könnten wir die Teile nicht rechtzeitig fertigen.

Sie rüsten Sauber auf. Wie schwierig ist das, wenn man nicht weiß, wohin die Formel 1 nach 2020 geht und welcher Budgetdeckel wirklich kommt?

Vasseur: Ehrlich, ich kümmere mich nicht darum, wie hoch der Kostendeckel sein wird. Wir liegen sowieso meilenweit darunter. Deshalb kann ich das Team auch ohne Risiko aufrüsten. Was auch immer da entschieden wird, wird nicht unsere Firmenphilosophie beeinflussen. Klein zu sein, und ich vergleiche mich da mit Force India, ist gar keine so schlechte Sache. Das schafft einen ganz besonderen Teamgeist. Es ist einfacher 400 Leute mitzureißen als 1.000.

Was wird Kimi Räikkönen dem Team bringen?

Vasseur: Wir werden auch nächstes Jahr ein starkes Fahrerteam haben. Antonio hat in den Freitagstrainings gezeigt, dass er ein gutes Feedback vom Auto gibt. Kimi wird uns die Referenz zu einem Topteam und unheimlich viel Erfahrung bringen. Das ist eine starke Kombination.

Weiß er, dass bei Sauber siebte Plätze wie ein Sieg zählen, dass er vielleicht drei Mal weniger Ingenieure am Auto hat?

Vasseur: Er liebt das Rennfahren, und er mag die Stimmung in unserem Team. Ich bin mir sicher, er wird sich auch in der kleinen Truppe wohl fühlen.

Wie schwer fiel Ihnen die Wahl zwischen Giovinazzi und Ericsson?

Vasseur: Die Wahl war eher zwischen Räikkönen und Ericsson.

Das Interview wurde am Samstag (10.11.2018) vor dem GP Brasilien geführt.

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