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Gespräch mit FIA-Präsident Jean Todt

„Formel 1 braucht Action und Emotionen“

Drei Stunden vor dem Saisonauftakt gab sich FIA-Präsident Jean Todt die Ehre. Der Franzose sprach über die neuen Autos, das Verhältnis zu den neuen Formel 1-Besitzern und die Zukunft der Formel 1.

Liberty Media will die Formel 1 reformieren. Welche Rolle wird dabei die FIA spielen?

Todt: Ich bin froh, dass sich die Liberty-Leute Gedanken um die Zukunft der Formel 1 machen und sie auch mit uns diskutieren. Ich bin auch gerne bereit, mir ihre Gedanken zu dem Reglement anzuhören. So wie ich jede Art von Input von egal welcher Seite respektiere. Die finale Verantwortung wird aber immer in der Hand der FIA liegen. Wir machen die Regeln, und wir kontrollieren sie. Liberty wird nie in einer Position sein, die Regeln selbst zu schreiben.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu den neuen Chefs der Formel 1 beschreiben?

Todt: Wir befinden uns in den Flitterwochen. Ich hatte gestern Abend ein sehr unterhaltsames Abendessen mit Chase Carey, Sean Bratches und Ross Brawn.

Wie sehen Sie die Zukunft der Formel 1?

Todt: Sie ist die Königsklasse des Motorsports und bietet eine gute Show. Aber sie kostet zu viel Geld. Im Augenblick haben wir nur 10 Teams für 12 offene Plätze. Wir werden diese Plätze nur füllen können, wenn die Geldverteilung gerechter gestaltet wird und die Kosten gesenkt werden, damit die Teams eine gute Chance haben zu überleben. Dieser Punkt liegt außerhalb des Einflusses der FIA. Wir können nur die Regeln so schreiben, dass die Kosten überschaubar bleiben. Für meinen Geschmack haben wir zu komplizierte Autos, zu viel Hightech, der dem Sport nichts bringt.

Was meinen Sie damit?

Todt: Am ersten Testtag in Barcelona sind die Teams mit brandneuen Autos bereits 70 oder 80 Runden gefahren. Zu meiner Zeit waren wir froh, wenn wir am ersten Tag 5 Runden geschafft haben. Der Grund für diese unglaubliche Standfestigkeit und Berechenbarkeit liegt auf der Hand. Die Teams haben Labors in der Fabrik, in denen sie sich unter Ausschluss perfekt vorbereiten können. Das hat zur Folge, dass praktisch kein Auto mehr stehenbleibt. Für den Sport wäre es aber besser, wenn mehr Autos stehenbleiben würden. Noch ein Problem: In den ersten 20 Minuten des ersten Trainings einer neuen Saison mit neuen Autos war fast kein Auto auf der Strecke. Warum? Weil alles schon perfekt präpariert ist. Die Autos müssen gar nicht mehr fahren. Jeden Abend werden Unmengen von Daten in die Fabrik geschickt, die dort von einer Heerschar von Ingenieuren ausgewertet werden um die Autos noch perfekter zu machen. Das mag faszinierend sein, aber braucht der Sport das? Was die Formel 1 braucht, ist Action und Emotion. Und das ging mit all dieser Technik verloren.

Die Teams haben in Windkanäle, Simulatoren und Prüfstände investiert und wollen sie auch nutzen. Wie wollen Sie den Geist wieder in die Flasche zurückbringen?

Todt: Indem wir ihnen eine Vision aufzeigen, wie wir die Formel 1 in 5 Jahren sehen. Dann haben sie genug Zeit sich dafür anzupassen.

Das erste Rennen unter den neuen Regeln ist noch nicht gelaufen, da reden wir schon wieder vom nächsten Reglement. War dieser Versuch nicht der letzte Schuss, um die Fans zu überzeugen?

Todt: Es ist nicht der letzte Schuss. Ihre Frage impliziert, dass wir von einem sterbenden Sport sprechen. Der Veranstalter in Melbourne hat 300.000 Karten verkauft. Im letzten Jahr waren es nur 220.000. Das Pressezentrum ist voll gepackt. Da können wir doch nicht eine Krise herbeireden. Warum sehen wir immer nur das Negative? Lassen Sie ein paar Rennen ins Land gehen. Dann können wir ein Urteil fällen.

Die Automobilhersteller investieren heftig in die Elektrifizierung der Autos. Wird die Formel 1 bald auch elektrisch fahren?

Todt: Der Motorsport hat eine soziale Verantwortung. Ihr Aushängeschild Formel 1 umso mehr. Ich glaube aber nicht, dass der Motorsport in Zukunft in Gänze elektrisch fahren wird. Dafür gibt es ja die Formel E. Die Formel 1 wird sicher nicht mehr zu den Motoren von vor 10 Jahren zurückkehren, aber sie wird weiter mit konventionellen Antriebsquellen fahren. Das große Problem mit Elektromotoren ist die Reichweite und das Aufladen. Wir sprechen da von Distanzen von 200 Kilometern und Aufladezeiten von 6 bis 8 Stunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir bald andere Zukunftstechnologien im Motorsport sehen werden. Zum Beispiel die Brennstoffzelle. Da sprechen wir von 600 bis 1.000 Kilometer Reichweite und von Aufladezeiten von 3 Minuten.

Werden Formel 1-Rennen irgendwann einmal autonom stattfinden?

Todt: Es werden immer Fahrer im Auto sitzen. Sie sind die Helden unseres Sports. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn vor dem Rennen den Zuschauern eine Show mit Autos der Zukunft geboten würde. Als zusätzliche Unterhaltung.

Sind die Formel 1-Motoren zu teuer?

Todt: Die Teams haben Budgets zwischen 150 und 400 Millionen Dollar. Augenblick kosten die Motoren für Kundenteams unter 20 Millionen. Das sind bei einem Budget von 150 Millionen 12 Prozent, bei 400 Millionen 5 Prozent. Ich glaube, das ist vertretbar. Trotzdem haben wir uns zum Ziel gesetzt die Motorkosten auf 12 bis 15 Millionen zu drücken.

Wie finden Sie die neue Formel 1?

Todt: Die Autos sind spektakulärer, sie sind schneller, aber ich habe ein bisschen Angst vor dem Rennen. Es könnte sich herausstellen, dass Überholen noch schwieriger wird und dass die Abstände unter den Teams zu groß sind. So schön es ist, dass Mercedes mit Ferrari wieder einen Gegner hat, so sehr sorgt mich der große Abstand des Mittelfeldes zur Spitze. 2 Sekunden sind einfach zu viel. Was mich auch gewundert hat. Uns wurde eine Zeitenverbesserung von bis zu 5 Sekunden versprochen. Die Pole Position-Zeit lag aber nur 1,7 Sekunden unter dem Vorjahr. Vielleicht hat es nur mit dem Streckentyp zu tun.

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