Jean Todt - FIA - Formel 1 xpb
Brabham BMW 1986
BMW F1 Motor 1986
Honda F1 2005
Honda F1 Motor 2005 18 Bilder

Todt über F1-Motor: „Emissionsfreier Sprit muss kommen“

Todt lässt sich nicht erpressen „Emissionsfreier Sprit muss kommen“

Bei der Sitzung der Formel 1-Kommission in Portimao wurde auch über Motoren der Zukunft diskutiert. FIA-Präsident Jean Todt wollte sich zuerst alle Vorschläge anhören. Doch zwei Dinge stellte Todt klar. Die FIA wird sich nicht erpressen lassen, und sie treibt die Einführung von CO2 neutralem Kraftstoff voran.

Eigentlich sieht der Plan der Formel 1 vor, dass es erst 2026 ein neues Motorenformat gibt. Das klingt weit weg, ist aber schon übermorgen. Die FIA und das Formel 1-Management müssen so früh wie möglich ihre Karten auf den Tisch legen, wenn sie neue Hersteller für den Sport begeistern wollen. Mit den aktuellen Antriebseinheiten, das ist Konsens, wird es neue Interessenten nicht geben. Weder von privater Seite, noch von den Autokonzernen. Die Motoren sind zu komplex und zu teuer. Und sie haben wegen einer schlechten Kommunikation von allen Seiten nie das Ziel erreicht, was sie erreichen sollten.

Trotzdem waren die Technikmonster für ihre Epoche wichtig, meint Jean Todt. "Für das Jahr 2014 war es die richtige Entscheidung, auf Hybrid-Technologie zu setzen. Wir könnten die alten Saugmotoren im aktuellen politischen Klima nicht mehr vertreten." Todt relativiert die Kritik, dass es praktisch keine der derzeit eingesetzten Technologien in ein Serienauto geschafft hat: "Wir haben eine Richtung vorgegeben. Ein direkter Techniktransfer ist praktisch nie möglich." Heute wissen alle Beteiligten: Die Formel 1 hat sich das Etikett Hybrid viel zu teuer erkauft. Und das fällt ihr jetzt in schwierigen Zeiten auf den Kopf. Sie muss hoffen, dass der Honda-Ausstieg keine Nachahmer findet.

Honda - F1-Motor - V6-Turbo - Hybrid
Honda
Die Turbo-Hybridmonster kamen die Formel 1 teuer zu stehen.

Kosten müssen runter

Jean Todt sieht die Corona-Krise als Chance. Weil sie die versnobte Formel 1 geerdet hat. Nie war es einfacher, über Sparmaßnahmen zu sprechen. "Mir ist die Formel 1 immer noch viel zu teuer. Wir haben einiges erreicht, aber wir brauchen weitere Schritte, die Kosten zu senken." Der Präsident ist guter Dinge, dass ihm das gelingt. Der Kostendruck hat die Teams kompromissbereit gemacht.

Um Kosten geht es auch in der Motorenfrage. Todt macht sich da für eine Budgetdeckelung auch für Motorenhersteller stark. Red Bulls Forderung nach einem totalen Entwicklungsstopp ab 2022 hat Fahrt in die Diskussion gebracht. Todt wollte sich die Argumente von Red Bull erst einmal im Detail anhören, bevor er ein Urteil fällt. Allerdings zaubert ihm Red Bulls Kampagne ein Lächeln ins Gesicht. "Im Mai hat uns Red Bull erzählt, dass es auf keinen Fall einen Entwicklungsstopp geben darf, weil Honda sonst aussteigt. Jetzt wollen sie das Gegenteil. So schnell kann das in dem Geschäft gehen."

In einer Sache lässt Todt aber nicht mit sich reden. "Ich respektiere jede Meinung und jeden Antrag, werde mich aber nicht erpressen lassen. Von keinem. Auch die Kraftstoffhersteller haben uns gedroht, dass sie nur weitermachen, wenn es weiter Wettbewerb gibt. Viel wichtiger ist, dass sie ihr Geld in die Entwicklung emissionsfreier Kraftstoffe stecken. Am Ende zählen für mich nur die richtigen Argumente, nicht irgendwelche Drohungen."

Der 74-jährige Franzose ist nicht prinzipiell gegen einen Entwicklungsstopp bei den Motoren. Auf einen Kuhhandel würde er sich aber auf keinen Fall einlassen, wenn ein Einfrieren der Motoren einen Verzicht oder Aufschub der Einführung von CO2 freien Kraftstoffen bedeuten würde. "Wir müssen emissionsfrei fahren, lieber früher als später."

Start - GP Portugal 2020
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Der Formel 1-Motor der Zukunft muss CO2 neutral laufen und soll deutlich weniger kosten als der aktuelle Sechszylinder.

Neuer Motor für neue Hersteller

So wurde in Portimao auch darüber diskutiert, wie dieser Einstieg erfolgen soll. Wie geplant in zwei Schritten mit E10 als Zwischenstufe oder gleich von null auf 100. Das würde den Motorenherstellern einen Entwicklungsschritt ersparen. Todt hätte auch nichts dagegen, wenn das neue Motorenreglement auf 2023 vorgezogen wird: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, warum nicht?" Ferrari-Rennleiter Mattia Binotto fordert in diesem Punkt: "Dazu muss aber erst einmal geklärt sein, wo wir überhaupt hinwollen." Und der Ferrari-Capo warnt zugleich, den gleichen Fehler zu machen wie 2014. "Diesmal müssen wir von vornherein die Kosten im Auge behalten."

Eine Brennstoffzelle wäre vielleicht attraktiv für einige Autokonzerne, aber man würde in die gleiche Falle laufen, wie mit den aktuellen Antrieben. Nur wenige können eine solche Technologie entwickeln, und sie würde abermals sehr viel Geld kosten. Jean Todt scheut sich bei der Frage nach dem Motor der Zukunft ins Detail zu gehen: "Vor zwei oder drei Jahren hat keiner an die Brennstoffzelle geglaubt. Jetzt ist es plötzlich die heilige Kuh. Ich muss sagen, dass ich es nicht weiß. Deshalb will ich alle Vorschläge auf dem Tisch liegen haben und von meinen Experten prüfen lassen. Emotionen müssen dabei aus dem Spiel bleiben. Das führt nur zu falschen Entscheidungen. Und davon können wir uns keine mehr leisten."

Eines ist für Todt klar: "Die neue Motorenformel muss das Potenzial haben, neue Hersteller anzulocken." Vom Großkonzern bis zu einem Spezialisten wie Ilmor. Damit ist schon einmal klar, wo die Reise nicht hingehen wird. Teure und komplexe Antriebe sind ein No-Go. Die CO2 neutralen Kraftstoffe geben der Formel 1 die Chance dazu, jede Motorarchitektur zu wählen.

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