Jean Todt exklusiv

"Rennen wie Abu Dhabi 2010 nicht akzeptabel"

Jean Todt Foto: Daniel Reinhard 19 Bilder

Zu wenig Spannung auf der Strecke und geringeres Interesse der Fans sind nach Einschätzung von FIA-Chef Jean Todt Probleme, die die Formel 1 in nächster Zeit angehen muss.

Jean Todt will mehr Action auf der Formel 1-Piste. Im exklusiven Interview mit auto motor und sport (Heft 9 2011, ab 7. April im Handel) sagte der FIA-Präsident, dass die Formel 1 beispielsweise darauf reagieren müsse, dass das Interesse der TV-Zuschauer nachlasse.

Todt warnt vor Rückgang des Interesses

"Die Formel 1 ist immer noch ein sehr populärer Sport. Aber Dinge ändern sich. Die jüngsten Zahlen belegen, dass wir einen Rückgang bei den TV-Zuschauern erleben", betont Todt. "Die Leute haben viele andere Möglichkeiten, ihre Freizeit zu verbringen. ... Deshalb müssen wir uns täglich fragen, was wir an der Show verbessern können. Rennen wie das Saisonfinale 2010 in Abu Dhabi, bei denen nicht überholt werden kann, sind nicht akzeptabel."

Auch die Erkennbarkeit der Fahrer sei kaum gegeben. "Ich erkenne am Fernseher kaum, wer im Auto sitzt. Die Helme sind nur Experten bekannt, viele Fahrer ändern zudem laufend das Design. Da lobe ich mir Nascar. Da bekommt ein Fahrer eine Startnummer, die er seine ganze Karriere lang behält. Er ist für die Fans sofort identifizierbar."

Jean Todt fordert umweltfreundliche Antriebsart

Auch die Einführung umweltfreundlicher Technologien in der Formel 1 müsse forciert werden. "Eines Tages werden Regierungen bestimmte Arten von Autos oder Antrieben verbieten. Die FIA muss demonstrieren, dass Motorsport diese Thematik berücksichtigt, auch wenn es uns keine neuen Fans bringt. Wir müssen den Dingen vorgreifen, sonst kommt eines Tages einer daher und sagt: Ihr verbraucht zu viel Benzin, ihr produziert zu viel Dreck."

Die Formel 1 müsse eine Vorreiterrolle in Sachen Umwelttechnik einnehmen. "Je größer du bist, desto größer muss deine Vorbildrolle sein. Wenn Rallye, Tourenwagen und Sportwagen neue Technologien berücksichtigen, muss es die Königsklasse erst recht. Le Mans hat in den letzten Jahren viel innovative Technik gezeigt. Den Leuten gefällt das. Ich bin überzeugt, dass sie auch unser neues Formel 1-Reglement für 2013 akzeptieren."

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