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John Surtees - Motorsport- F1 - Ferrari 158 - Motorrad
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John Surtees - Motorsport- F1 - Ferrari 158 22 Bilder

John Surtees gestorben

Ein Nachruf auf den Meister aller Klassen

John Surtees ist tot. Der einzige Weltmeister auf zwei und vier Rädern. Mit „Big John“ starb am 10. März einer der letzten Haudegen des schnellen Geschäfts. Ein Nachruf auf einen der größten Rennfahrer.

Er war der älteste noch lebende Formel 1-Weltmeister. Am 11. Februar wurde John Surtees 83 Jahre alt. Nur einen Monat später verstarb der Engländer in einem Londoner Krankenhaus. Surtees wurde Anfang Februar mit Atemwegsproblemen in die St. Georges-Klinik eingeliefert und nach kurzer Zeit auf die Intensivstation verlegt. Dort starb er nach Angaben seiner Familie friedlich am Nachmittag des 10. März.

Der kauzige Engländer wird wohl auf ewig der einzige Mensch bleiben, der auf zwei und vier Rädern Weltmeister wurde. Und wenn nicht? „Dann war ich wenigstens der erste“, sagte uns Surtees in einem Interview mit uns im Jahr 2014 und lächelte dabei weise.

Der Motorrad-Champion überraschte die Formel 1-Welt

Der Mann, dem sie in England den Titel Commander of the British Empire verliehen haben, war nicht immer so versöhnlich. Surtees zählte in seiner aktiven Zeit zu den schwierigen Persönlichkeiten. Er hätte für Lotus 1961 als Nummer eins-Fahrer fahren können, schlug aber ein Angebot von Colin Chapman aus, weil er das Gefühl hatte, nicht willkommen zu sein. Teamkollege Innes Ireland vertrieb ihn nach ein paar gemeinsamen Einsätzen 1960 mit den Worten: „Du stiehlst mir mein Cockpit.“

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Der siebenfache Motorrad-Weltmeister hatte die Fachwelt bei seinem Formel 1-Einstieg mit einem zweiten Platz bei seinem zweiten GP-Start und der Pole Position beim dritten überrascht. Damals fuhr er noch Auto- und Motorradrennen parallel. Der Wechsel war gar nicht gewollt: „MV Agusta wollte nur in der 500er Klasse antreten und verbot mir an anderen Rennen teilzunehmen. Der Vertrag bezog sich aber nur auf Motorräder. Da dachte ich mir: Warum es nicht auf vier Rädern versuchen und mir so die Zeit zu vertreiben?“

Über die Zwischenstation Lola kam Surtees 1963 zu Ferrari und beendete dort am Nürburgring eine lange Durststrecke für das Team aus Maranello. Es war gleichzeitig der erste GP-Sieg von John Surtees. Der WM-Titel 1964 schrieb Motorsportgeschichte. Im Duell mit Jim Clark und Graham Hill reichte ihm in einem dramatischen Finale in Mexiko ein zweiter Platz.

Von einem geschenkten Titel, weil Jim Clark mit technischen Problemen zurückfiel und Graham Hill von Lorenzo Bandini im zweiten Ferrari torpediert wurde, wollte Surtees nichts wissen: "Graham hatte zwei Ferrari im Rückspiegel. Er wusste gar nicht, wo er zuerst hinschauen sollte und hat versucht, seine Linie so zu wählen, dass ihn keiner von uns austricksen konnte. Als wir im Dreierpack auf die Haarnadel zuflogen, konnte ich sehen, wie Graham die Innenspur blockierte und Lorenzo außen angriff. Am Kurvenausgang kreuzten sich ihre Wege, weil Graham nach außen getragen wurde und Lorenzo innen in die Lücke stoßen wollte. Sie stießen zusammen, und ich tauchte innen durch. Ich hatte dann das Glück, dass Jimmy Clark ausfiel, aber da ich im Verlauf der Saison mehr technische Probleme hatte als er, empfand ich das als ausgleichende Gerechtigkeit."

Der verschenkte zweite WM-Titel 1966

Surtees zerstritt sich auch mit Ferrari. Nach einem Disput mit Rennleiter Romolo Tavoni 1966 in Le Mans über den Schlachtplan und die Fahrzeugbesetzung, verließ Surtees mitten in der Saison die Italiener und heuerte bei Cooper-Maserati an. Er wurde trotzdem Vize-Weltmeister und brachte wie Juan-Manuel Fangio das Kunststück zusammen in einer Saison für zwei Teams zu gewinnen. Den GP Belgien für Ferrari, den GP Mexiko für Cooper. „Wäre ich bei Ferrari geblieben, hätte ich wahrscheinlich meinen zweiten Titel geholt“, gab Surtees später zu.

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Kurz vor Enzo Ferraris Tod und lange nach dem Karriereende von Surtees trafen sich die beiden Männer wieder. „Der alte Herr sagte zu mir: John, wir sollten uns nur an die guten Tage erinnern, nicht an unsere Fehler. Und es war ein Fehler. Ich war ein bisschen zu impulsiv, auch weil ich nach dem Unfall ein gutes Comeback geben wollte.“

Der Unfall von Mosport 1965

Der Unfall, von dem Surtees spricht, ereignete sich im August 1965. Seine Folgen plagten Surtees sein ganzes Leben lang. Bei einem Test in einem Lola-Sportwagen brach in der ersten Kurve von Mosport links vorne der Radträger. Der Lola landete nach mehreren Überschlägen auf seinem Fahrer. Die Beine waren mehrfach gebrochen, das Becken gespalten, die eine Seite 11 Zentimeter kürzer als die andere, beide Nieren zerquetscht.

Surtees kämpfte tagelang mit dem Tod. „Die Ärzte zogen mich bis auf acht Millimeter wieder gerade. Als ich ein halbes Jahr später zum ersten Mal wieder in ein Rennauto stieg, ging ich noch auf Krücken. Mental hat mich der Unfall dahingehend sensibilisiert, dass ich mich mehr für die Vorbereitung des Autos gekümmert habe. Der Materialbruch hatte mich misstrauisch gemacht.“

Nach seiner Zeit als Entwicklungshelfer für Honda in den Jahren 1967 und 1968 ging es mit dem ewigen Tüftler bergab. Der erste Can-Am Meister tanzte 1969 auf zwei Hochzeiten. In der Can-Am Serie im Chaparral 2H, im Formel 1 in einem B.R.M. P139. Beide Autos waren Flops. Surtees ging wie so oft mit seiner Kritik und seinen Verbesserungsvorschläge mit dem Management in den Clinch. Daraufhin reifte die Erkenntnis: „Warum mach ich es nicht selbst?“

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Daraus entstand 1970 das erste Formel 1-Auto aus eigener Hand. Bis 1978 zählte der Rennstall mit Sitz in Kent zum GP-Ensemble. Dann ging Surtees das Geld aus. Der größte Erfolg: Ein zweiter Platz beim GP Italien 1972 mit Mike Hailwood am Steuer. Wie Surtees ein Umsteiger von zwei auf vier Räder. Hailwood wurde im gleichen Jahr auf einem Surtees auch Formel 2-Europameister.

Der Schicksalsschlag mit seinem Sohn

Monza 1972 war auch der letzte GP-Einsatz von „Big John“. Er bestritt insgesamt 111 Grand Prix und gewann sechs davon. Er testete den neuen Surtees TS14 für die kommende Saison im Rennbetrieb. Trotz seiner 38 Jahre ließ Surtees noch hin und wieder seine Klasse aufblitzen Er siegte 1972 die nicht zur WM zählende International Trophy in Silverstone und den GP Japan für Formel 2-Fahrzeuge in Fuji.

Der Abschied fiel dem Haudegen nicht leicht. Seine Funktion als Rennleiter erlaubte ihm immerhin einen fließenden Übergang in den neuen Lebensabschnitt. Mit einem Autohaus, einer Motorradvertretung und Auftritten als Markenbotschafter hielt sich Surtees über Wasser.

Sein Sohn Henry entfachte das Rennfieber im Weltmeister von 1964 neu. Das letzte Kapitel im Motorsport endete tragisch. Henry Surtees starb 2009 bei einem Formel 2-Unfall in Brands Hatch, nachdem ihm ein herumfliegendes Rad am Kopf getroffen hatte. Vater John gründete daraufhin die Henry-Surtees Stiftung, die Geld für Opfer von Verkehrsunfällen und Fahrtrainings auf zwei und vier Rädern sammelt.

Surtees schloss Frieden mit seinem Schicksal. 40 Jahre nach seinem Rücktritt als Rennfahrer blickte er milde statt verbittert auf eine bewegte Karriere zurück: „Was immer ich getan habe, ich habe es mit Herzblut gemacht.“ GP-Übertragungen waren für den Racer bis zuletzt ein Pflichttermin im Wohnzimmer seines Herrenhauses bei Lingfield in der Grafschaft Surrey.

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