José Froilán Gonzalez gestorben

Ferraris erster GP-Sieger starb mit 90

Froilan Gonzales Foto: Ferrari

José Froilán Gonzalez ist am Samstag (15.6.2013) im Alter von 90 Jahren in seiner Heimatstadt Arrecifes an einem Herzleiden gestorben. Der Argentinier war der älteste noch lebende GP-Sieger. Sein Triumph 1951in Silverstone brachte Ferrari erstmals auf die Siegerliste eines Grand Prix. Wegen seiner korpulenten Gestalt wurde Gonzalez der Pampas-Stier genannt.

Froilán Gonzalez war ein stiller Star, obwohl sein massiges Erscheinungsbild Wiedererkennungswert hatte. Trotzdem stand der am 5. Oktober 1922 in Arrecifes geborene Argentinier stets im Schatten von Juan-Manuel Fangio, Alberto Ascari oder Stirling Moss. Noch vor zwei Jahren hatte er auto motor und sport-Mitarbeiter Hartmut Lehbrink gewarnt: "Mein Motor läuft nur noch mit reduzierter Drehzahl." Nach dem Tod von Gonzalez übernimmt jetzt Jack Brabham die Rolle des ältesten GP-Siegers.

Froilán Gonzalez war ein Talent wie Fangio

Kenner attestierten José Froilán Gonzalez das gleiche Talent zu wie seinem argentinischen Landsmann und Freund Juan-Manuel Fangio. Der bullige Gonzalez machte nur zu wenig aus seinem Fahrkönnen. Mit einem Lebendgewicht von 125 Kilogramm entsprach er nicht gerade dem Idealbild eines Rennfahrers. Doch der Eindruck täuschte. Gonzalez hatte Bärenkräfte und war ein sportlicher Mann. Zu seiner Zeit zählte er zu den besten Schwimmern des Landes. In seiner Heimat wurde der Koloss "El Cabezon" genannt, was übersetzt "dicker Kopf oder Wasserkopf" heißt. Die Engländer tauften ihren Publikumsliebling "Pampas-Stier".

Enzo Ferrari schenkte ihm eine goldene Uhr

1950 folgte Gonzalez Fangio nach Europa. Sein Debüt beim GP Monaco war eine Sensation. Ohne die geringste Streckenkenntnis stellte er seinen Maserati 4CLT/48 auf den dritten Startplatz, wurde dann aber in eine Massenkollision in der Tabakkurve verwickelt, die neun Autos aus dem Rennen riss. Die große Stunde von Gonzalez schlug ein Jahr später. Enzo Ferrari war auf den Argentinier aufmerksam geworden und holte ihn in sein Team. Bei seiner Ferrari-Premiere in Reims musste der Neuzugang mitten im Rennen allerdings sein Auto an die Nummer eins im Team, Alberto Ascari abtreten. Gonzalez war tief getroffen: "Ich wusste nicht, ob das eines der berühmten Spielchen des Commendatore war, um mich zu testen", wurde er zitiert.

Ein Rennen später führte Gonzalez den GP England an, als er zum Tankstopp an die Boxen rollte. Gonzalez war darauf vorbereitet, erneut das Cockpit räumen zu müssen, doch Ascari deutete mit einem Kopfnicken an, dass er sitzenbleiben könne. Der Mann, der mit seinem Ferrari 375 wie ein Rallyefahrer um den Flugplatzkurs räuberte, fuhr einem komfortablen Sieg vor Fangio entgegen, der ihm vier Tage zuvor im Mietauto noch die letzten Tricks für Silverstone beigebracht hatte. Es war erst der fünfte GP-Start von Gonzalez. Zum ersten Mal hatte ein Ferrari bei einem Grand Prix die als unschlagbar geltenden Alfa Romeo in die Knie gezwungen. Enzo Ferrari schenkte seinem Premierensieger zum Dank eine goldene Uhr. Gonzalez beendete die WM auf Platz 3.

Triumph und Tragödie  im Jahr 1954

1952 und 1953, als die Formel 1-WM mit Formel 2-Autos ausgetragen wurde, trat Gonzalez zusammen mit seinem Freund und Vorbild Fangio für Maserati an. Mit Einführung der 2,5 Liter Formel 1954 trennten sich die Wege der beiden Südamerikaner. Fangio ging zu Mercedes, José Froilán Gonzalez kehrte zu Ferrari zurück. Es wurde sein erfolgreichstes Jahr. Erneut gewann er den GP England und wurde mit 26,5 Punkten Vize-Weltmeister. Im gleichen Jahr gewann José Froilán Gonzalez mit Maurice Trintignant auch die 24 Stunden von Le Mans. Die Vielseitigkeit wäre ihm fast zum Verhängnis geworden. Bei einem schweren Trainingsunfall zur RAC Tourist Trophy in Dundrod zog er sich schwere Wirbelstauchungen und einen Schulterbruch zu. Gonzalez war beim Aufprall gegen eine Böschung aus seinem Auto geschleudert worden. Der Unfall bedeutete eine Zäsur in seiner Karriere.

Der Argentinier war mental bereits angeschlagen, weil sein Freund Onofre Marimon beim Training zum GP Deutschland tödlich verunglückt war. Der eigene Unfall erinnerte ihn an die Gefahren seines Sports, so dass er sich vorübergehend zurückzog und in der Spedition seines Vaters arbeitete.

José Froilán Gonzalez war ein Meister an Effizienz

Zwischen 1955 und seinem endgültigen Rücktritt 1960 nahm José Froilán Gonzalez  hauptsächlich an nationalen Tourenwagen- und Sportwagenrennen teil. Fünf Mal startete er noch in der Formel 1, davon vier Mal in seiner Heimat. Obwohl er nur noch mit halbem Herzen bei der Sache war, sammelte er weitere drei WM-Punkte. Gonzalez war einer der effizientesten Formel 1-Fahrer aller Zeiten. In nur 26 Starts kam er auf 77,5 Punkte, zwei Siege, 15 Podiumsplatzierungen, drei Pole Positions und drei schnellste Runden. 1.544 Kilometer lang er in Führung. Die Ausfallquote von 38 Prozent war wegen vieler Defekte relativ hoch, was seine Punkteausbeute noch eindrucksvoller macht. Insgesamt legte Gonzalez 9.054 von 12.834 möglichen Rennkilometern zurück.  

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