Kevin Magnussen - Formel 1 - 2019 Wilhelm
Kevin Magnussen - HaasF1 - 2017
Kevin Magnussen - HaasF1 - 2017
Kevin Magnussen - HaasF1 - 2017
Kevin Magnussen - HaasF1 - 2017 29 Bilder

Kevin Magnussen im Interview

„Lasst uns die Nordschleife fahren“

Kevin Magnussen hat eine kurze, aber bewegte Formel-1-Karreire hinter sich. Im Interview spricht der Haas-Pilot über zu hohe Erwartungen, den Streit mit Nico Hülkenberg und seinen Traum von Le Mans mit Vater Jan Magnussen.

Wann wurden Sie von ihrem Vater in die Welt des Motorsports eingeführt?

Magnussen: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Seitdem ich ihn kenne, ist er ein Rennfahrer. Als ich geboren wurde, hat er gerade mit dem Kartsport aufgehört und ist in die Formel Ford gewechselt.

Haben Sie noch spezielle Erinnerungen?

Magnussen: Ich kann mich noch gut an die Formel-1-Zeit erinnern. Es gibt aber auch Fotos, wie ich im Kinderwagen bei der Formel 3 in Snetterton dabei bin. Motorsport war also schon immer ein Teil meines Lebens. Es war aber nicht so, dass ich mit einem Formel-1-Piloten als Vater geboren wurde. Ich habe den Aufstieg quasi miterlebt.

War es dann auch immer Ihr Ziel, ein professioneller Rennfahrer zu werden?

Magnussen: Das war einfach die natürliche Richtung, die ich eingeschlagen habe. Ich habe nie über Alternativen nachgedacht. Die Leidenschaft für Motorsport war immer groß und die Formel 1 war mein ultimativer Traum. Das ist schon erstaunlich, dass es am Ende auch geklappt hat. Es ist ja kein leichtes Ziel.

Nach ihrer Kartzeit sah es zwischenzeitlich aber nicht so gut aus. Ihnen ist das Geld ausgegangen.

Magnussen: Ja, da habe ich einen ganz normalen Job begonnen. Dadurch habe den Motorsport noch mehr schätzen gelernt. Und ich habe gelernt, dass an harter Arbeit in einer Fabrik auch nichts verkehrt ist. Man kann Spaß in allen Berufen haben, solange man das tut, was man gerne macht. Meine Liebe galt aber dem Motorsport. Ich war natürlich traurig, dass ich plötzlich keine Rennen mehr fahren konnte. Zum Glück ging das nur drei oder vier Monate so. Dann kam ein dänischer Sponsor, durch den ich einen Platz in der europäischen Formel Renault 2.0 bekam. Mein Traum ging weiter. Dann wurde ich von McLaren in den Junior-Kader aufgenommen. Und der Rest ergab sich dann.

Vor der Formel 1 haben sie die internationale Formel Renault 3.5 gegen starke Konkurrenz wie Stoffel Vandoorne oder Antonio Felix da Costa mit Leichtigkeit gewonnen.

Magnussen: Ich würde nicht sagen, dass es leicht war.

Aber der Vorsprung war am Ende riesengroß, genau wie die Erwartungen vor dem F1-Einstieg. Sie wurden ja schon als der nächste Lewis Hamilton bei McLaren gehandelt.

Magnussen: Auch ich habe große Dinge erwartet. Vor allem, nachdem es im ersten Rennen direkt aufs Podium ging. Nur ein Fahrer vor mir ist gleich in seinem ersten F1-Rennen Zweiter geworden. Da sind die Erwartungen natürlich gestiegen. Leider hat sich die Formkurve von McLaren danach abwärts entwickelt. Nach mir schaffte es kein McLaren-Fahrer mehr aufs Podium.

Kevin Magnussen - GP Australien 2014
Wilhelm
Im Alter von 21 Jahren fuhr Kevin Magnussen direkt in seinem ersten F1-Rennen aufs Podium.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an den Tag ihres Formel-1-Debüts?

Magnussen: Ich habe damals viel über Erwartungen gelernt. Ich war natürlich sehr glücklich mit dem Podium. Ich würde aber nicht sagen, dass es mich überrascht hat. Damit hatte ich fast schon gerechnet. Erst nach dem ersten Jahr habe ich gemerkt, wie verrückt meine Erwartungen damals waren. Damals kam ich aus den Junior-Klassen, in denen ich immer um Podiumsplätze und Meisterschaften gekämpft habe. Da war es ganz normal, dass die Erwartungen hoch sind. Aber die Formel 1 ist etwas anderes. Es braucht eine gewisse Zeit, bis man das lernt.

Was war der Grund, dass es mit der Karriere nicht wie geplant weiterging? Lag es nur am McLaren, der damals nicht gut war?

Magnussen: In der Formel 1 ist man als Fahrer immer nur so gut wie sein Auto. Man kann einen kleinen Unterschied machen, was ja auch zurecht von einem verlangt wird, aber ohne das passende Auto geht gar nichts.

Eine Saison später waren Sie nur noch Testfahrer. Gab es denn nicht die Chance in ein anderes Team zu wechseln?

Magnussen: Ich habe fest damit gerechnet, dass ich als Stammfahrer bei McLaren weitermache. Das wurde mir so gesagt. Die Teamführung hat mir ein sehr sicheres Gefühl gegeben. Dann kam aber in letzter Minute etwas dazwischen. Da war es schon Dezember und ich hatte keine Zeit mehr, mich nach anderen F1-Cockpits umzuschauen. Ich bin mir sicher, dass es Möglichkeiten gegeben hätte, wenn ich früher informiert worden wäre. Das ist sehr unglücklich gelaufen, weil ich damit ein Jahr lang keine Rennen gefahren bin.

Ist das auch der Grund, warum Sie nicht bei den Top-Teams auf der Liste standen?

Magnussen: Es ist natürlich nicht hilfreich, wenn man ein Jahr Pause machen muss. Und das in einer so frühen Phase der Karriere, die für einen jungen Fahrer sehr wichtig ist. Da muss man normalerweise lernen, sich weiterentwickeln und Erfahrung sammeln. Und dann kommt so ein Rückschlag. Das ist natürlich sehr schwierig. Da kann ich schon sehr froh mit dem Platz sein, den ich hier heute bei Haas habe.

Bei ihrem Vater hatte man schon das Gefühl, dass er in der Formel 1 nie sein Potenzial zeigen konnte. Befürchten Sie das gleiche Schicksal?

Magnussen: Das ist in der Formel 1 ganz normal. Wenn man nicht vorne fährt, dann kommt man einfach nicht vor. Die Kameras sind nur auf die Sieger und die Fahrer auf dem Podium gerichtet. Für mich selbst kann ich aber mit meiner Entwicklung und meinen Leistungen zufrieden sein. Ich bin von ganz unten gekommen, als ich meinen Platz verloren habe. Da war mein Selbstvertrauen am Boden. Alles sah schlecht aus. Heute fühle ich mich als stärkerer Fahrer als je zuvor. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich das Zeug dazu habe.

Jan & Kevin Magnussen - 2018
Motorsport Images
Vater Jan Magnussen fuhr zwischen 1995 und 1997 insgesamt 25 Formel-1-Rennen für McLaren und Stewart.

Glauben Sie noch dran, dass es irgendwann mit dem Wechsel in ein Top-Team klappt?

Magnussen: Das weiß man nicht. Ich kann nur weiter immer Vollgas geben. Ich bin hier in einem Team, in dem ich mich noch weiter entwickeln und als Fahrer reifen kann. Und mit jedem Rennen werde ich stärker.

Sie haben kürzlich gesagt, dass Sie gerne mit ihrem Vater zusammen in Le Mans antreten würden. Ist das parallel zu Ihrem Job als F1-Pilot möglich?

Magnussen: Das hoffe ich doch. Mein Vater will zwar nicht sofort aufhören, aber er wird auch nicht noch 20 Jahre weiterfahren. Mal abwarten. Ich würde es gerne machen, er würde es gerne machen. Jetzt müssen wir nur noch die richtige Gelegenheit finden.

Sie interessieren sich auch für die F1-Historie. Gibt es eine bestimmte Epoche, in der Sie gerne gefahren wären?

Magnussen: Ich fand vor allem die Zeit der frühen 70er Jahre gut. Die Formel 1 war damals immer noch etwas Neues. Es war sehr puristisch. Damals war der Job für die Fahrer härter. Heute ist alles so perfekt. Über jede Kleinigkeit wird nachgedacht. Es ist alles so sicher. Ich möchte damit nicht sagen, dass Sicherheit etwas Schlechtes ist. Aber damit gehen auch einige negative Aspekte einher.

Sie haben sich sehr kritisch über die Einführung des Halo-Bügels geäußert. Gibt es noch etwas, das sie an der modernen Formel 1 ändern würden?

Magnussen: Ich würde mir bessere Rennstrecken wünschen. Es gibt so viele tolle Kurse auf der Welt, die uns deutlich mehr Spaß bringen würden. Nicht falsch verstehen: Wir haben schon ein paar gute Strecken im Kalender. Aber es gibt auch welche, die nicht zu den Besten gehören.

Wie wäre es zum Beispiel mit der Nordschleife?

Magnussen: Ja, da wäre ich sofort dabei. Lasst uns das machen!

Da wären einige Sicherheitsapostel aber bestimmt dagegen.

Magnussen: Ach, scheiß drauf!

Sie sind ein Mann klarer Worte – wie Ihr Vater. Wäre es nicht der einfachere Weg, manchmal etwas zurückhaltender zu sein?

Magnussen: Keine Ahnung. So bin ich nun mal. Ich werde mich für niemanden verbiegen. Man muss sich selbst immer treu sein und seine Werte vertreten. Natürlich will ich immer das Beste für mich selbst und meine Familie. Aber es gibt auch größere Dinge. Ich will diese Welt in einem besseren Zustand verlassen. Da gibt es Wichtigeres als immer politisch korrekt zu sein und sich anzupassen.

Nico Hülkenberg & Kevin Magnussen - Formel 1
Motorsport Images
Kevin Magnussen und Nico Hülkenberg sind keine Freunde. Doch der Respekt ist zumindest auf Seite von Magnussen groß.

Der öffentliche Streit mit Nico Hülkenberg 2017 in Budapest hat große Schlagzeilen geschrieben. Wie ist Ihre Beziehung zu ihm heute?

Magnussen: Ich würde nicht sagen, dass wir eine Beziehung haben. Wir sind Gegner auf der Strecke. Wir sind keine Freunde. Natürlich habe ich vor seinen fahrerischen Leistungen großen Respekt. Er ist sehr talentiert, ein kompletter Fahrer. Ich habe wirklich nichts gegen ihn.

Können Sie heute über die Konfrontation lachen?

Magnussen: Diese ganze Episode, und die Tatsache, dass ich heute noch danach gefragt werde, zeigt doch, was in dieser Medienwelt verkehrt läuft. Ich verstehe natürlich, warum das so ist. Ich kann nachvollziehen, dass die Leute auf solche Geschichten klicken. Aber wenn es damals nicht von Kameras aufgenommen worden wäre, würden Nico und ich heute gar nicht mehr darüber nachdenken. Das wurde vollkommen überbewertet. Mein Schlusswort dazu ist einfach, dass mein Respekt vor Nico groß ist und ich nichts gegen ihn persönlich habe. Ich kenne ihn nicht als Mensch. Ich habe aber noch niemanden gehört, der schlecht über ihn geredet hat. Punkt.

Noch eine weitere Frage mit Deutschland-Bezug: Sie sind in Ihrer Junior-Karriere in der deutschen Formel 3 angetreten. Hat das Eindruck hinterlassen?

Magnussen: Ja, ich habe viel Zeit in Deutschland verbracht. Ich bin damals für das deutsche Team Motopark gefahren. Da war ich natürlich viel in Oschersleben. Ich habe viele gute Erinnerungen an diese Zeit. Ich kenne jetzt viele Strecken in Deutschland, auch die kleineren.

Haben Sie auch die Sprache etwas gelernt?

Magnussen: Hauptsächlich Schimpfwörter. Aber ich verstehe die Sprache ein wenig. Sie ist ja verwandt mit der dänischen Sprache. Da gibt es einige Wörter, die ähnlich sind.

Wir haben in Deutschland kein Tempolimit auf den Autobahnen. Haben Sie das auch mal ausgenutzt?

Magnussen: Na klar. Das ist fantastisch. Ich hoffe, dass sich das auch nicht so schnell ändern wird.

Was fahren Sie denn privat für ein Auto?

Magnussen: In London, wo ich aktuell wohne, habe ich gar kein Auto. Bei dem Verkehr dort ist einfach nicht sinnvoll. In Dänemark habe ich einen alten Porsche 911 Turbo der Baureihe 930, der 1978 gebaut wurde. Das ist ein richtig cooles Auto.

Und was macht Kevin Magnussen sonst so, wenn er nicht im Rennauto sitzt?

Magnussen: Ich segele sehr gerne. Ich habe in Dänemark mein eigenes Segelboot. Ich liebe es, aufs Meer rauszufahren und mich vom Wind treiben zu lassen.

Die Formel-1-Jugend verbringt heute viel Zeit im Simulator oder mit Rennspielen.

Magnussen: Das ist nichts für mich. Ich habe mich nie für Computer interessiert. Bei McLaren und auch bei Haas konnte ich viel im Simulator lernen. Aber virtuelle Rennen fahre ich nicht. Das ist doch langweilig. Es gibt bessere Dinge, die man anstellen kann.

Motorsport Aktuell Magnussen vs. Grosjean - GP Deutschland 2019 Stallregie bei Haas? Letztes Gespräch mit den Fahrern

Die Haas-Piloten dürfen künftig wohl nicht mehr frei gegeneinander kämpfen.

Mehr zum Thema Kevin Magnussen
Kevin Magnussen - GP Japan 2019
Aktuell
Kevin Magnussen - Haas - 2019
Aktuell
Esteban Ocon - GP USA 2018
Aktuell