Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying xpb
Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
Nicholas Latifi - Williams - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020 50 Bilder

Klatsche für Mercedes in Qualifikation zu GP Türkei

Klatsche für Mercedes in Istanbul Das Wunderauto hat eine Schwäche

Zum ersten Mal in dieser Saison verpasste Mercedes die Pole Position. Die Weltmeister schafften es nicht mal in die ersten beiden Startreihen. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas eierten auf eiskalten Regenreifen durch den Istanbul Park.

Das Rennwochenende von Istanbul erinnert an das in Singapur vor fünf Jahren. 2015 torkelten die Mercedes um den Stadtkurs, statt wie gewöhnlich der Konkurrenz auf und davon zu fahren. Weder Lewis Hamilton noch Nico Rosberg generierten damals Reifentemperatur. Die Könige der 2015er Saison landeten völlig unerwartet in der dritten Startreihe und blieben auch im Rennen zahnlose Tiger.

Beim Comeback des GP Türkei droht Mercedes ein ähnliches Schicksal. Wieder treffen fehlende Reifentemperaturen die sonstigen Überflieger empfindlich. Lewis Hamilton verfehlte die Pole Position um 4,7 Sekunden. Richtig gelesen: 4,7 Sekunden. Aus dem Wunderauto, das als eines der besten Rennautos in die Geschichte eingehen wird, wurde für einen Nachmittag eine Schnecke. Der angehende Weltmeister reihte sich auf der sechsten Position ein. Und war trotzdem mit seiner Leistung zufrieden. "Ich habe aus den Möglichkeiten das Beste gemacht. Ich bin auf der Strecke geblieben, habe mich nicht weggedreht und bin von mir selbst nicht enttäuscht."

Wenigstens reichte eine bescheidene Rundenzeit, den Teamkollegen hinter sich zu halten. Valtteri Bottas war weitere sieben Zehntelsekunden langsamer und startet in den 14. Grand Prix der Saison nur vom neunten Platz. Der Finne blieb nicht makellos, drehte sich in der vorletzten Runde weg, brachte seinen Mercedes aber in einem Stück zurück.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying
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Valtteri Bottas unterlag zum zehnten Mal im teaminternen Quali-Duell der Saison.

Kein Reifen funktioniert

Es müssen schon besondere Umstände zusammenkommen, damit zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison ein anderes Auto als der Mercedes auf Pole Position steht. Am Regen allein konnte es nicht liegen. In Österreich noch verprügelte Hamilton die Gegner und hängte sie in der Steiermark um 1,2 Sekunden ab.

Doch in Spielberg war das Asphaltband ein anderes. Die Neuasphaltierung des Istanbul Parks machte die Rennstrecke zu einer Rutschbahn. Bottas beschreibt. "Die Reifen fühlen sich an wie Plastik auf Eis." Mercedes schaffte es in keinem Training und unter keinen Bedingungen, die Reifen anzuzünden. Weder die Slicks noch die Regenmischungen.

Am Asphalt allein liegt es nicht. Es ist die Kombination aus glattem Geläuf, zu harten Reifen, zu kalten Außen- und zu kühlen Streckentemperaturen, die das Wunderauto einbremsen. Die nasse Strecke potenzierte die Probleme. "Wir bekommen die Reifen einfach nicht in ihr Arbeitsfenster. Wir rutschen nur um die Strecke. Unser Auto generiert über die Reifen einfach keinen Grip. Das erklärt auch die großen Abstände", erklärt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Manch anderen erging es nicht anders. Die Top 10 in Q3 lagen fast zehn Sekunden außeinander.

Ein paar Grad zu wenig Reifentemperatur führen direkt zu einem Verlust von mehreren Sekunden. In jeder Kurve kommen ein paar Zehntel hinzu. "Mit den Umständen müssen aber alle leben. Deshalb darf das keine Ausrede sein. Die anderen haben es besser hinbekommen als wir", befindet Wolff. Gemeint sind Racing Point, Red Bull und Renault.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying
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Was nutzt der meiste Abtrieb und die höchste Motorleistung, wenn man die Reifen nicht zum Arbeiten bringt? Nichts.

Abtrieb und Leistung bringen nichts

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Verhältnisse laufend ändern. Eine trockene, aber grüne Strecke am Freitagvormittag. Mehr Haftung gegen Ende des zweiten Trainings. Leichter Regen im ersten Teil des dritten Trainings. Starkregen im zweiten. Viel Regen zu Beginn der Qualifikation und eine auftrocknende Strecke hinten heraus. Zuerst war der Regenreifen die bessere Wahl, in den letzten zwölf Minuten der Intermediate. So fand Mercedes nie eine Basis, auf der sich aufbauen ließ.

Da bringt es auch nichts, das Auto mit dem meisten Anpressdruck und dem stärksten Motor zu haben. Die Reifen sind die einzige Verbindung zur Straße. Und wenn die nicht wollen, geht nichts. Wenn das Auto, das die meiste Last auf die Räder bringt, sie nicht anzündet, muss etwas besonders faul sein. Zu viel Leistung ist auf einem spiegelglatten Geläuf nicht immer von Vorteil. Weil dann die Hinterreifen noch stärker zum Durchdrehen neigen. Kurios: Nicht einmal das wärmte die Reifen auf.

Mercedes half nicht einmal sein berühmtes DAS-System, um wenigstens an der Vorderachse mehr Temperatur und mehr Biss zu haben. Die geschlossenen Asphaltporen sind offenbar pures Gift für den W11. Die Ingenieure rannten dem beweglichen Ziel hinterher und fanden keine Lösung. Und sie setzten im dritten Qualifikationsdurchgang aufs falsche Pferd. "Wir hätten früher von Regenreifen auf Intermediates wechseln sollen. Das hat uns hauptsächlich ein besseres Abschneiden verhindert", glaubt Bottas. "Ich hatte zu wenig Zeit, die Reifen auf Temperatur zu bringen.

Beide Mercedes-Piloten hatten auf den Intermediates nur zwei gezeitete Runden. Beide erzielten ihre persönliche Bestmarke in der letzten Runde, als die Streckenverhältnisse am besten waren. Mercedes stellt sich auf einen komplizierten Rennsonntag ein. Egal, ob es trocken oder nass sein wird. "Meine Strategie für morgen? Auf der Strecke bleiben", witzelt Hamilton. Toto Wolff richtet den Blick schon wieder nach vorn. "Wir müssen aus diesem Samstag lernen. Es sind die schlechten Tage, aus denen wir als Team am meisten mitnehmen."

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