Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps xpb
Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Schweigeminute - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Knappe Niederlage für Mercedes

Sieg nur mit perfektem Rennen

Ferrari rang Mercedes in Belgien nieder. Das Rennen um den Sieg war deutlich knapper als der Kampf um die besten Startplätze. Mercedes war auf den Geraden weiter unterlegen, pflegte aber seine Reifen besser. Deshalb musste Ferrari in die Taktikkiste greifen.

Mercedes wusste es schon am Freitag. Auf eine Runde war Ferrari in Belgien nicht zu halten. Zu lange sind dafür die Passagen, in denen die Fahrer voll auf dem Gas stehen. Da spielt Ferrari seine überlegene Motorleistung aus. Doch schon auf den Longruns wurde offensichtlich, dass der SF90 seine Reifen härter rannimmt – und Mercedes seinen Konkurrenten deshalb im Rennen unter Druck setzen kann.

Hamilton schnappt Leclerc fast noch

Es kam wie angenommen. Im Rennen ließ sich Lewis Hamilton von den Roten nicht abschütteln. Im Schlussspurt hätte es sogar fast für den elften Saisonsieg für Mercedes gereicht. Charles Leclerc rettete sich 0,981 Sekunden vor Hamilton über den Zielstrich. Ein, zwei Runden mehr, und der WM-Führende hätte den Monegassen vielleicht doch den ersten Sieg verwehren können. Wenn auch die Mercedes-Strategen zugaben, dass auch am Auto mit der Startnummer 44 die Hinterreifen stärker begannen abzubauen. Weniger allerdings als am Ferrari.

„Ich habe alles gegeben. Aber die Ferrari waren zu schnell auf den Geraden. Die 44 ist meine Glückzahl. Heute waren die 44 Rennrunden aber leider zu wenig“, fasste der Zweitplatzierte zusammen. Mercedes tröstete sich mit dem Wissen, das schnellere Rennauto gehabt zu haben. „Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, wir würden hier auf die Plätze zwei und drei fahren, hätte ich es sofort angenommen“, sagt Teamchef Toto Wolff. „Wir waren Ferrari auf den Geraden klar unterlegen, haben trotzdem einen geknackt und kamen nur knapp hinter dem zweiten ins Ziel.“

Der Start verlief vielversprechend für Mercedes. Hamilton knackte Vettel auf dem nur 150 Meter kurzen Sprint nach La Source. Und er behauptete seine Position mit den Ellbogen. Der Weltmeister ließ sich geschickt hinaustragen und drängte den Ferrari mit der Startnummer 5 in der ersten Kurve in die Auslaufzone. Fast wäre Valtteri Bottas im zweiten Mercedes noch durchgeschlüpft.„

Leclerc - Vettel - Hamilton - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Motorsport Images
Auf den Geraden war Ferrari auch im Rennen eine Macht.

Eine Kopie von 2018

Dann schien im TV eine Wiederholung von 2018 abzulaufen. Vettel saugte sich bis Eau Rouge heran, ließ sich im Links-Rechts-Links-Geschlängel nicht abhängen und fegte auf der Kemmel-Gerade wie ein Orkan über den Mercedes hinweg.

Wieder zeigte sich die Überlegenheit des Ferrari-V6-Motors. “Sebastian hätte die erste Kurve nicht schlechter treffen können. Und trotzdem konnte er Lewis locker überholen. Sein Überschuss betrug 15 km/h„, berichtete Wolff. Hamilton schien zu stehen, während Vettel links an ihm vorbeiflog.

Es zeigte sich bereits in den ersten Runden, dass Hamilton schneller ist. Zumindest als Vettel. “Er strauchelt„, verlautbarte der Brite mehrmals am Funk. Doch der fünffache Weltmeister kam nicht einmal in die Nähe eines Überholmanövers. Dieses Mal hatte Ferrari seinen Power-Vorteil nicht nur in der Qualifikation und nicht nur in der ersten Runde. Der bisherige Saisonverlauf hatte eigentlich gelehrt, dass die roten Raketen ihren Nachbrenner nur zünden können, wenn sie zuvor eine langsame Runde eingelegt haben. Also aus der Box kommen oder die Einführungsrunde in die Startaufstellung fahren.

Mercedes nimmt Leistung zurück

Eine Teilerklärung für Ferraris überlegende Vorstellung auf den Geraden lieferte Mercedes selbst. Die Schäden an den Antriebseinheiten der Kundenteams Racing Point und Williams veranlasste die Ingenieure, den Mercedes-V6 nicht mit dem letzten Risiko zu betreiben. “Das hat uns nicht massiv beeinträchtigt, hatte aber schon kleine Auswirkung auf unsere Leistung„, bestätigt Wolff.

Mercedes hätte den GP Belgien trotzdem gewinnen können. Dafür hätte es aber einen perfekten Rennsonntag gebraucht. “Wenn man das Rennen im Nachgang betrachtet, hätten wir vielleicht ein, zwei Runden eher reinkommen können. Wir hätten den Boxenstopp ein paar Zehntel schneller abwickeln können. Dann wären wir Leclerc vielleicht schon zwei Runden vor Ende im Getriebe gesteckt. Aber in diesen Sätzen stecken so viele Wenn’s„, erklärt der Teamchef.

Die Strategen riefen ihren Starfahrer in der 22. Runde zum einzigen Boxenstopp. Sieben Runden nach Vettel. Eine Runde nach Leclerc. Der Tausch von Soft auf Medium und die Durchfahrt durch die Boxenstraße dauerte in Summe 23,497 Sekunde. Eine Sekunde länger als bei Leclerc.

Zu diesem Zeitpunkt lag Hamilton 6,5 Sekunden hinter dem späteren Sieger, erzielte aber die schnelleren Rundenzeiten. Das bewegte Ferrari zur Reaktion. Die Italiener schützten Leclerc, indem sie Vettel zurückpfiffen. Der Heppenheimer hatte von den frischen Medium-Reifen profitiert und zwischenzeitlich die Führung übernommen. “Wir mussten so handeln„, erklärte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. “Charles hatte die frischen Reifen, er hätte Sebastian sowieso überholt. Ein Zweikampf hätte uns nur unnötig Zeit gekostet.„

Ferrari-Taktik gerechtfertigt

Vettel musste den Teamkollegen in der 27. Runde passieren lassen. Da hatten die Reifen unter seiner aggressiven Gangart in den ersten Runden des Stints schon stark gelitten. Dennoch hielt Vettel Hamilton noch fünf Umläufe auf. Wolff hat Verständnis für Ferraris Taktik, den einen Fahrer einzusetzen, um den anderen abzusichern. “Sie haben gemacht, was sie machen mussten, um zu gewinnen. Sebastian war zu dem Zeitpunkt bereits raus aus dem Rennen um den Sieg.„

Laut Mercedes habe Vettels Blockade Hamilton etwa fünf Sekunden gekostet. Der achtfache Saisonsieger verkürzte in den letzten 12 Runden noch von 6,3 auf 0,9 Sekunden. Vor allem auf den Mediumreifen war der Mercedes überlegen.

In einer Woche wartet mit Monza eine Strecke, die Ferrari noch besser schmecken dürfte. Mercedes glaubt trotzdem an seine Möglichkeiten. “Wir werden in sieben Tagen keine 15 km/h finden. Aber wir haben heute gesehen, dass wir auf Hochgeschwindigkeitsstrecken am Rennsonntag dennoch verdammt nah dran sind an ihnen.„

Motorsport Aktuell Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps GP Belgien 2019 - Ergebnis Rennen Leclercs Premierensieg vor Hamilton

Charles Leclerc gewann in Spa vor Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

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