Konstrukteurs-Titel hat Priorität

Keine Geschenke an Bottas

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2018 Foto: sutton-images.com 49 Bilder

Lewis Hamilton muss man nicht motivieren. Der Weltmeister motiviert sich selbst. Damit, dass er zwei Mal in Folge nicht gewonnen und in Brasilien nur einen Sieg in seiner Vita stehen hat. Eines stellt der Weltmeister klar: Geschenke an Valtteri Bottas wird es nicht geben.

Das macht Lewis Hamilton zum Champion. Der Hunger nach Siegen ist auch nach dem fünften WM-Titel nicht gebrochen. Die Niederlagen in Austin und Mexiko beschäftigen den Weltmeister. Er spricht von „schockierenden Erlebnissen“. Und dass er in Interlagos nur einmal in seiner Karriere gewonnen hat, wurmt ihn auch. „Ich würde das gerne abstellen.“ Das alles hält den Druck hoch, obwohl es der Engländer nach der erfüllten WM-Mission eigentlich etwas lockerer angehen lassen könnte.

Priorität hat jetzt ganz klar der Gewinn der Konstrukteurs-WM für Mercedes. Die Ausgangslage ist klar. Ferrari muss 13 Punkte gutmachen. Ein Mercedes-Sieg reicht aus, um das zu verhindern. Hamilton will so dem Team etwas zurückgeben, dass die Basis für vier seiner fünf Titel geschaffen hat. „Ich weiß, dass für das Team die Konstrukteurs-Meisterschaft wichtiger ist. Der Fahrer-Titel ist eher ein Bonus für sie. Deshalb werde ich alles tun, damit wir diese Aufgabe auch noch erledigen.“

Geschenkte Siege sind keine Siege

Die Reifenprobleme der letzten beiden Rennen sind Hamilton immer noch nicht ganz klar: „Ich bin sicher, unsere Jungs haben schon Antworten.“ Haben sie. In Austin haben sie überhitzt, in Mexiko waren sie zu kalt. Ganz untypisch für Mercedes kamen sie nie in das Temperaturfenster. In der Qualifikation hat sich das nicht ausgewirkt, weil am Samstag ein schärferes Tempo gefahren wird als im Rennen. Das belastet die Reifen. Im Renntempo reichte in Verbindung mit dem Abtriebsniveau der Speed nicht, die Reifen aufzuheizen. Die Folge war so genanntes „kaltes Körnen“.

Lewis Hamilton - GP Brasilien 2017 Vorschau GP Brasilien Löst Mercedes das Reifen-Problem?

Für den GP Brasilien erwarten die Ingenieure eher wieder ein normales Rennen. Es wird trotzdem eine enge Kiste, fürchtet Hamilton: „Ferrari und Red Bull werden hier stark sein. Wir brauchen alles und noch ein bisschen mehr, um sie zu schlagen.“ Sollte sich die Situation ergeben, dass zwei Mercedes an der Spitze liegen, wird Hamilton Teamkollege Valtteri Bottas nicht den Sieg zurückgeben, den der Finne beim GP Russland geopfert hat.

Der Engländer erklärt warum: „Valtteri ist gut genug, aus eigenen Stücken zu gewinnen. Er braucht meine Hilfe nicht, und er wäre auch nicht froh darüber, wenn ich ihm etwas schenken würde. Ich würde ihm damit keinen Gefallen tun.“ Geschenkte Siege waren schon in der Vergangenheit eher eine Demütigung für den Beschenkten als eine gute Tat. Ayrton Senna hat 1990 Gerhard Berger in Suzuka gewinnen lassen. Nigel Mansell hat es am gleichen Ort zwei Jahre später mit Ricciardo Patrese getan. Die Sieger konnten sich später nie richtig über ihre Siege freuen.

2008 war Hamilton noch ein Kind

Dann blickte Hamilton noch einmal zehn Tage zurück auf jenen Tag in Mexiko, der ihn zum fünften Mal zum Weltmeister machte. Er verglich ihn mit seinem ersten, den er 2008 mit Platz 5 in Brasilien festzurrte. „Damals war ich noch ein Kind. Ich hatte nur Talent, aber nicht die mentale Stabilität, die innere Balance und die Erfahrung von heute.“ Das eine Ziel abgehakt, das nächste im Visier. „Ich werde auch diesen Winter wieder viel darüber nachdenken, wo ich mich verbessern kann. Solange ich nicht alle Rennen gewinne, gibt es immer Raum für Verbesserungen.“

An die sieben WM-Titel von Michael Schumacher will Hamilton nicht denken. „Ich weiß ja noch nicht einmal, wie lange ich noch fahre. Es gibt auch keine Garantie dafür, dass wir in Zukunft so viele Rennen gewinnen wie in den letzten Jahren.“ Der Mercedes-Pilot erwartet 2019 noch mehr Gegenwehr: „Max und Ferraris neuer Fahrer sind hungrig nach Erfolg. Ich muss sicherstellen, dass ich nicht abgehängt werde.“

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