Kovalainen

Verzögerung von 26G

Foto: dpa 50 Bilder

Eine halbe Stunde nach dem Rennen in Barcelona am Sonntag (27.4.) stand das Unfallauto von Heikki Kovalainen in der McLaren-Garage. Den Ingenieuren bot sich ein schauriges Bild. Das Chassis war auf Höhe der Vorderachse abgebrochen.

"Angesichts dieser Beschädigungen ist Heikki gut davongekommen", bilanzierte McLaren-Direktor Martin Whitmarsh. Heikki Kovalainen wurde nach seinem Crash in der Campsa-Kurve zur Sicherheit in die Klinik General de Catalunya nach Sant Cugat dal Valles gebracht. Von blauen Flecken ist die Rede, von einem Brummschädel, einem kurzen Blackout aber keinen Brüchen oder Kopfverletzungen.

"Wir haben zwei Mal eine Computer-Tomografie vom Kopf machen lassen", erklärte Teamchef Ron Dennis. Immer wenn der Kopf im Spiel ist, kommt auch die FIA ins Spiel. wenn Kovalainen beim nächsten Grand Prix in Istanbul fahren will, muss er sich bei FIA-Arzt Gary Hartstein einem Test unterziehen.

Einzelfall Felgenbruch

Nach Aussage von Ron Dennis wurde der Unfall "zu 99 Prozent" durch einen Felgenbruch links vorne ausgelöst. Zuerst habe man noch an einen Stein gedacht, der sich zwischen Felgenbett und Reifen geschmuggelt haben und dadurch einen Reifenplatzer provoziert haben könnte, doch diese Theorie wurde später verworfen. Musste sich McLaren auch Sorgen um das Auto von Lewis Hamilton machen? "Nicht wirklich", antwortete Dennis. "Wir hatten wegen der Safety-Car-Phase sieben Runden lang Zeit, mögliche Unfallursachen einzukreisen. Da wir zunächst an die Stein-Theorie dachten, sahen wir für Lewis keine Gefahr." Aber auch bei einer Bestätigung eines Felgenbruchs hätte man Hamilton nicht aus dem Rennen genommen. "Unsere Felgen haben noch nie Probleme gemacht. Das muss ein Einzelfall gewesen sein." Die Räder werden vom japanischen Lieferanten Enkei gestellt.

Whitmarsh erklärt sich die relativ geringen Blessuren von Kovalainen so: "Der riesige Reifenstapel hat den Aufprall gedämpft. Zwischen Aufprall und Stillstand lagen 100 Millisekunden. Das ist ziemlich lang." Die Telemetriedaten zeigten: Kovalainen war einer Verzögerung von 26 G ausgesetzt. Nach Whitmarshs Schätzung brach die Felge bei Tempo 260. Weil sich das linke Vorderrad auflöste, war nur noch eingeschränkte Bremswirkung vorhanden. Der Aufprall fand mit schätzungsweise 150 km/h statt. Auch ohne Bremsen verzögert ein Formel 1-Auto wegen des hohen Luftwiderstandes stark. Zur Erinnerung. Michael Schumachers Bremsdefekt 1999 in Silverstone trat bei 302 km/h auf. Die Leitplanken traf der Ferrari mit 107 km/h.

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