Kuriositäten der Formel 1-Geschichte

39 Mal nur Zuschauer

Gabriele Tarquini - AGS-Ford JH23B - GP Monaco 1989 Foto: Wilhelm
1000. GP

1.000 Grand Prix produzieren auch viele Kuriositäten. Wollen Sie wissen, wie man als Erster über die Ziellinie fährt und doch nicht gewinnt? Oder auf der Pole Position steht, aber nicht von dort losfährt. Oder 39 Mal vor Ort ist, im Rennen aber nur zuschaut.

Die Formel 1-Story ist auch ein Kuriositäten-Kabinett. In 70 Jahren kommen so allerlei absurde und komische Begebenheiten zusammen. Oder soll man sagen Widersprüche? Gibt es das wirklich, dass ein Fahrer als Erster über die Ziellinie geht und doch nicht gewinnt? Wenn wir mal die nachträglichen Disqualifikationen abziehen, kam es drei Mal vor. Jedes Mal bekam der Spitzenreiter eine Strafminute wegen Frühstarts aufgebrummt. Als es noch keine Durchfahrtstrafen gab, wurde die Zeit am Ende einfach dazu addiert.

Mario Andretti gewann den GP Italien 1978 nur auf der Straße. Im Endklassement war der Amerikaner nur Sechster. Was er bis heute anzweifelt: „Es gab nur einen, der zu früh gestartet ist, und das war Gilles Villeneuve. Der war schon auf dem Weg in die erste Kurve, als wir losfuhren. Ich bin nur mit ihm angerollt, habe aber sofort gestoppt.“ Didier Pironi passierte das gleiche beim GP Kanada 1980. Der Franzose wurde am Ende mit 19 Sekunden Rückstand als Dritter gewertet. Sieger Alan Jones war im Bilde. „Frank Williams hatte mir während des Rennens eine Tafel rausgehalten, auf der stand, dass Pironi wegen Frühstarts bestraft wird. Da wusste ich: Um den musst du dich nicht mehr kümmern.“

Gerhard Berger war beim GP Kanada 1990 ein Geisterfahrer im Feld. Der Österreicher führte das Feld die ganze Zeit an, aber er führte nicht. Der eigentliche Spitzenreiter war der Zweiplatzierte Ayrton Senna. Für Nelson Piquet, Nigel Mansell und Alain Prost, die um Platz 2 kämpften, war der McLaren-Pilot jedoch ein virtueller Gegner. Weil er auf den Dreierpulk schon fast wieder eine Minute gutgemacht hatte. Berger, der Sieger auf der Strecke, kam als Vierter 14,8 Sekunden hinter Senna ins Ziel. Prost hatte er noch „überholt“, ohne den Ferrari je gesehen zu haben.

Wenn die Pole keine Pole ist

Verwirrung gab es auch 1981 in Dijon, 1992 in Magny-Cours, 1987 in Mexiko, 1994 in Suzuka. Es waren Rennen in zwei Teilen. Während das beim GP Deutschland 1959 auf der Avus so gewollt war, sorgten bei den anderen vier Fällen Regen oder Unfälle für die Unterbrechungen. Dumm für das Publikum, dass in diesen vier Fällen die Ergebnisse aus den beiden Rennen zusammengezählt wurden. So kam beispielsweise in Suzuka Nigel Mansell als Dritter ins Ziel, war aber in Addition Vierter hinter Jean Alesi, weil der genügend Vorsprung aus dem ersten Lauf mitgebracht hatte.

Michael Schumacher - Ferrari F310 - GP Frankreich 1996 - Magny-Cours Foto: Wilhelm
GP Frankreich 1996: Michael Schumacher im Ferrari F310.

Auch das gab es: Fahrer auf der Pole Position starten nicht von dort. Die Geschichte von Didier Pironi ist tragisch. Der Franzose war schon am Freitag Trainingsbestzeit zum GP Deutschland 1982 gefahren. Am Samstag schüttete es wie aus Kübeln. Im dritten Training, als es um nichts ging, übersah Pironi in der Gischt den auf der vierten Waldgerade langsam dahinrollenden Renault von Alain Prost. Pironis Ferrari stieg wie ein Flugzeug auf und bohrte sich bei der Landung in die aufgeweichte Wiese neben der Strecke. Der Unglückspilot wurde mit schwersten Beinverletzungen aus dem Wrack geborgen. Eine Amputation konnte zwar abgewendet werden, doch Pironi fuhr danach nie wieder ein Formel 1-Rennen. Die Pole Position blieb am nächsten Tag leer.

Michael Schumacher fuhr 1996 seinen Ferrari in Magny-Cours auf die Pole-Position. Doch er kam nie bis dorthin. In der Formationsrunde explodierte sein Ferrari-Motor. Jarno Trulli stellte beim GP USA 2005 seinen Toyota mit wenig Sprit in die erste Startreihe. Ein bisschen Show für die Toyota-Manager. Am nächsten Tag bog Trulli zusammen mit 13 anderen Startern am Ende der Formationsrunde in die Boxengasse ab. Alle Teams mit Michelin-Reifen verzichteten aus Sicherheitsgründen auf einen Start. Michelin flogen in der Steilkurve die Reifen um die Ohren. Zurück blieben zwei Ferrari, zwei Jordan und zwei Minardi. Alle auf Bridgestone-Gummis.

In eine ähnliche Kategorie fallen Jean-Pierre Jarier 1974 in Argentinien, Ayrton Senna beim GP Brasilien 1988, Alain Prost beim GP Ungarn 1993, Damon Hill beim GP Portugal im gleichen Jahr, Michael Schumacher in Japan 1998 und David Coulthard in Monte Carlo 2001. Bei allen versagte die Technik auf dem Weg in die Formationsrunde. Weg war er der Vorteil des ersten Startplatzes. Jarier musste zuschauen, weil Shadow kein Ersatzauto hatte. Senna hetzte dem Feld 1988 im Ersatzwagen hinterher, alle anderen stellten sich beim Start zum Rennen ganz hinten an.

Zwei Mal fehlte die erste Startreihe

Zwei Mal verschwand die komplette erste Startreihe vor dem Start. 1986 in Monza standen plötzlich nicht mehr Teo Fabi und Alain Prost an der Spitze des Feldes, sondern Nigel Mansell und Gerhard Berger. Fabi hatte beim Anfahren in die Einführungsrunde den Motor abgewürgt. Er musste von hinten starten. Prost sprang in letzter Minute in sein angestammtes Rennauto, weil im Ersatzwagen die Lichtmaschine streikte. Zu spät, wie sich später rausstellte. Prost nahm das Rennen aus der Boxengasse auf und wurde später disqualifiziert.

Der GP Belgien 2001 lieferte einen dramatischen Rennbeginn. Beim zweiten Versuch, das Feld in die Aufwärmrunde zu schicken, rührte sich der Williams-BMW des Trainingsschnellsten Juan Pablo Montoya nicht vom Fleck. Der Kolumbianer wurde nach hinten relegiert. Das Rennen war erst vier Runden alt, als Luciano Burti in der Blanchimont-Kurve einen furchterregenden Unfall baut. Abbruch, eine Stunde warten. Das Rennen wurde mit dem Stand des Zieleinlaufs nach den ersten vier Runden neu gestartet. Also Michael Schumacher vor Ralf Schumacher. Der zweite Williams-Pilot war ursprünglich neben Teamkollege Montoya Zweiter in der Startaufstellung. Als das Feld in die Formationsrunde geschickt wurde, stand Ralf Schumachers Williams aufgebockt auf dem Startplatz. Der Tausch des Heckflügels wurde nicht rechtzeitig fertig. BMW-Rennleiter Mario Theissen ulkte: „Wir haben heute die Fehler einer Saison in einen Tag gepackt.“

Die berühmtesten Zuschauer

Nichts zu lachen gab es für alle Nichtqualifizierten. Zu Beginn der 90er Jahre mussten wegen des großen Andrangs bis zu 13 Piloten beim Rennen zuschauen. Für die Verlierer der Vorqualifikation war schon am Freitag um 10 Uhr Schluss. Und wer hat nun in den abgelaufenen 1.000 Rennen am öftesten zugeschaut? Richtig, Gabriele Tarquini. Der Italiener scheiterte 39 Mal an der Qualifikationshürde. Er ist aber auch 38 Grand Prix gefahren. Das würde Claudio Langes gerne von sich behaupten. Der Italiener stand nicht ein einziges Mal am Start, hat es 1990 aber 14 Mal in einem EuroBrun probiert.

Es hat auch berühmtere Fahrer und Menschen erwischt als diese beiden Italiener. Bernie Ecclestone konnte sich 1958 in seinem Connaught nicht für den GP Monaco qualifizieren. Mario Andretti traf 1971 das gleiche Schicksal am gleichen Ort. Den ersten Trainingstag versaute ein Motorschaden, am zweiten regnete es. Nelson Piquet verfehlte 1989 in Spa den Einzug unter die besten 26. Ayrton Senna traf die Schmach beim GP San Marino 1984 in Imola. Der Brasilianer kam nur eingeschränkt zum Fahren. Sein Toleman-Team lag im Streit mit Pirelli. Die Italiener lösten den Vertrag auf. Bernie Ecclestone setzte sich dafür ein, dass Johnny Cecotto im zweiten Toleman wenigstens noch für das Rennen Pirelli-Sohlen bekam.

auto motor und sport feiert das 1.000. Formel-1-Rennen in dieser Saison mit einer großen Serie in 100 Teilen. Wir liefern Ihnen im täglichen Countdown spannende Geschichte und interessante Video-Features aus der Historie der Königsklasse. Alle bisherigen Artikel finden Sie auf unserer >> Übersichtsseite zum großen Jubiläums-Grand-Prix.

Kuriositäten der Formel 1-Geschichte: 39 Mal Zuschauer

Gerhard Berger - Benetton-BMW B186 Turbo - GP Italien 1986 Didier Pironi - Ligier-Ford JS11/15 - GP Spanien 1980 - Jarama Didier Pironi - Manfred Schurti - Hockenheim 1980 Didier Pironi - Niki Lauda - Testfahrten Hockenheim 1982 Didier Pironi - Ferrari 126C2 Turbo - GP Deutschland 1982 - Hockenheim Mario Andretti - Colin Chapman - Lotus - GP Italien 1978 Gerhard Berger - McLaren - GP Deutschland 1990 - Hockenheim Gabriele Tarquini - AGS-Ford JH23B - GP Monaco 1989 Michael Schumacher - Ferrari F310 - GP Frankreich 1996 - Magny-Cours David Coulthard - McLaren-Mercedes MP4-16 - Pedro de la Rosa - Jaguar-Cosworth - Jenson Button - Benetton-Renault - GP Belgien 2001 - Spa Juan Pablo Montoya - Williams - Eddie Irvine - Jaguar-Cosworth - Luciano Burti - Prost - GP Belgien 2001 - Spa Jarno Trulli - Toyota - GP USA 2005 - Indianapolis GP USA 2005 - Indianapolis - Startaufstellung
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