Daniil Kvyat - Toro Rosso - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen Motorsport Images
Hamilton - Leclerc - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen
Daniil Kvyat - Toro Rosso - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen
Safety Car - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen 64 Bilder

Das Kvyat-Wunder

Vom Ausgemusterten zum Podest-Fahrer

Daniil Kvyat war eigentlich schon weg. Ausgemustert nach dem GP USA 2017, zurückgeholt für diese Saison. In Hockenheim bewies der Russe, welche Qualitäten in ihm schlummern. Kvyat brauste aus dem Mittelfeld bis auf das Podest.

Wer holte beim GP Deutschland 2019 nach Red Bull die meisten Punkte? Nicht die Großen Mercedes und Ferrari, sondern das kleine Toro Rosso. Red Bulls Juniorteam sammelte in Hockenheim 23 WM-Punkte. Daniil Kvyat steuerte den STR14 mit der Startnummer 26 auf den dritten Platz. Es war das zweite Podest der Geschichte für die Mannschaft aus dem italienischen Faenza. Das erste war gleichzeitig ein Sieg. Sebastian Vettel gewann für Toro Rosso im Regenrennen von Monza 2008.

Alexander Albon steuerte acht Punkte bei. Die Punkteflut beim elften Saisonrennen des Jahres katapultierte Toro Rosso vom achten auf den fünften Rang der Team-WM. Vorbei an Racing Point, Alfa Romeo und Renault. „Beide Fahrer sind ein super Rennen gefahren. Die Strategen haben großartige Arbeit geleistet“, freute sich Red Bulls Sportchef Helmut Marko über die Glanzleistung des Juniorteams. Motorenlieferant Honda jubelte doppelt: Sieg durch Max Verstappen, Podest durch Daniil Kvyat.

Ein Abziehbild der Karriere

Es ist keine zwei Jahre her, da stand eben dieser Kvyat ohne Cockpit da. Nach dem GP USA 2017 setzte ihn Toro Rosso vor die Tür. Zu viele Fehler, zu selten gute Ergebnisse, zu wenig Entwicklung. Kvyat war nach der Degradierung bei Red Bull, als ihn Max Verstappen 2016 ab dem GP Spanien ersetzte, noch tiefer gefallen. Doch der Mann aus dem russischen Ufa kämpfe sich zurück. Er wurde 2018 Entwicklungsfahrer bei Ferrari, verrichtete in Maranello Simulatorarbeit.

In diesem Jahr eröffnete sich eine neue Gelegenheit. Pierre Gasly stieg auf zu Red Bull, Toro Rosso suchte händeringend nach Ersatz. Es fehlten die Talente. Daniel Ticktum hatte zu wenig Erfahrung und außerdem nicht genügend Punkte für die Superlizenz. Also gab Marko dem Ausgemusterten eine zweite Chance. Bis zum GP Deutschland sammelte Kvyat fünf Mal Punkte. Das Quali-Duell mit Rookie Alexander Albon war ausgeglichen.

Man konnte dem Russen eine durchschnittliche Leistung attestieren. Bis Kvyat in Hockenheim das ganze Vertrauen in nur einem Rennen zurückzahlte. „Es war wie Achterbahnfahren. Ein ständiges Auf und Ab. Ein Abziehbild meiner Karriere“, fasste der 25-Jährige die 64 Runden zusammen.

Daniil Kvyat - Toro Rosso - GP Deutschland 2019 - Hockenheim - Rennen
Wilhelm
Daniil Kvyat fuhr ein fehlerfreies Rennen. Die Taktik stimmte. Das Ergebnis: Platz drei.

Nur Vettel holt Kvyat ein

Zum ersten Mal in dieser Saison regnete es. Zum ersten Mal drehten die Fahrer auf den neuen Profil-Reifen ihre Bahnen. Kvyat starte auf der 14. Position und beendete die erste Runde auf Platz 17. Nach vier Umläufen war er sogar Letzter. Dann arbeite sich der Mann im Toro Rosso mit der Startnummer 26 ins Mittelfeld nach vorne. „Ich bewegte mich immer um die Top 10 herum. Da dachte ich, Punkte sind heute möglich.“ Toro Rossos Strategen behielten im Chaos den Überblick. Nur in einem Fall lagen sie nicht richtig.

Den Reifentausch in der 25. Runde von Intermediates auf Slicks hätte man im Nachhinein nicht noch einmal durchgeführt. Allerdings lagen zu diesem Zeitpunkt auch die anderen falsch. Keiner konnte wirklich wissen, dass es nicht weiter abtrocknet, sondern stattdessen wieder zu regnen beginnt. „Ich dachte, das Rennen sei vorbei. Doch dann kam es wieder zu mir“, erzählte Kvyat. Marko lobte: „Kvyat ist im Regen immer schon super gewesen.“

Toro Rosso ging in der 45. Runde volles Risiko. Man rief den bis dahin Neuntplatzierten zum letzten Reifenwechsel. Die Mechaniker schraubten die Intermediates runter und zogen zum zweiten Mal an diesem Rennsonntag Trockenreifen auf. „Es war der perfekte Moment. Als ich sah, dass die anderen draußen bleiben, sagte ich mir: Jetzt musst du zuschlagen.“ Es war der goldene Schachzug. Nach der Safety Car-Phase befand sich Kvyat plötzlich auf Podestkurs. Hinter Max Verstappen und Lance Stroll. Vor Valtteri Bottas im Mercedes.

Der Russe widerstand dem Druck des Mercedes. Kvyat leistete sich keinen Fehler. Stattdessen rutschte Bottas aus. In der 51. Runde knackte Kvyat den vor ihm fahrenden Lance Stroll. Beziehungsweise halfen ihm drei Ausrutscher des Kanadiers, um durchzuschlüpfen. „Danach hoffte ich nur noch, dass die schnelleren Autos hinter mir viel Zeit beim Überholen verlieren.“ Nur einer holte ihn noch ein. Sebastian Vettel schnappte sich den Toro Rosso in der vorletzten Runde.

Updates zünden nicht

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, mit großen Namen wie Lewis Hamilton und Charles Leclerc, lieferte Kvyat einen fehlerfreien Grand Prix ab. Besonnen. Mit Köpfchen fahrend. Schnell, als es darauf ankam. Im viertletzten Umlauf drehte der 25-Jährige die sechstschnellste Rennrunde. „Es war einfach wichtig, keine Fehler zu machen. Es war sehr einfach, mal ein Rad stehen zu lassen und rauszurutschen. Endlich habe ich alles zusammengebracht“, jubelte er. Kvyat widmete den dritten Platz seiner Freundin und seiner Tochter, die am GP-Wochenende zur Welt kam. Und er schickte eine Botschaft in die Welt: Es lohnt sich zu kämpfen. Vor allem, wenn man am Boden liegt.

Toro Rosso reist als WM-Fünfter zum GP Ungarn. In Hockenheim stimmte das Ergebnis. Jedoch zündeten die Upgrades nicht. Die neuen Bargeboards, Leitbleche und Zacken auf dem Unterboden wurden nach den Trainings abgebaut. „Sie haben das Auto nicht verbessert. Toro Rosso muss mit seinen Neuteilen konstanter werden. Da gibt es zu viel Varianz. Mal funktionieren sie, mal nicht“, urteilt Marko. Im Team hat man aber auch das Setup im Verdacht. In den Mischverhältnissen vom Rennsonntag war es egal. Da ging es darum, das Auto auf der Strecke zu halten, sich aus Zwischenfällen herauszuhalten und das Rennen richtig zu lesen.

Toro Rosso ist für Red Bull inzwischen, was Haas für Ferrari ist. Der Juniorrennstall bezieht große Teile des Autos vom großen Bruder. Noch befindet man sich in der Lernphase. „Wir sind in einem frühen Stadium. Erst 2021 werden wir die wahren Früchte der engen Zusammenarbeit sehen“, sagt Marko. Dann greift in der Formel 1 ein komplett neues Regelwerk.

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In der Analyse klären wir die wichtigsten Fragen zum Hockenheim-Knaller.

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