Formel 1-Neuling Lance Stroll im Interview

„Schumacher hat mich inspiriert“

Lance Stroll - GP Abu Dhabi 2016 Foto: sutton-images.com 22 Bilder

Lance Stroll schnupperte in Abu Dhabi in Williams-Uniform Formel 1-Luft. Der 18-jährige Kanadier erzählt, was er sich von der Formel 1 erwartet und wie er sich auf die große Aufgabe vorbereitet.

Wie sieht Ihr Winterprogramm aus?

Stroll: Ich habe noch 2 Testtage im 2014er Williams vor mir. Im Winter werde ich viel mit dem Team in der Fabrik zusammenarbeiten und ansonsten meine Batterien auffüllen.

Wie war Ihr erster Eindruck von der Formel 1?

Stroll: Ich habe bei den Testfahrten unheimlich viel gelernt. Im Vergleich zur Formel 3 hast du viel mehr Power, viel mehr Grip, viel mehr Abtrieb. Aber am Ende ist es auch nur ein Auto mit 4 Rädern. Nur einfach schneller als ein Kart oder ein Formel 3. Jeder Sprung in eine neue Kategorie fühlt sich wie der größte an. Ich konnte mich Schritt für Schritt an die neue Herausforderung herantasten.

Warum haben sie nach der Formel 3 den direkten Sprung in die Formel 1 gewagt, statt in der GP2 einen Zwischenschritt zu nehmen?

Stroll: Wenn du die Chance bekommst, nimmst du sie. Nichts bereitet dich besser auf die Formel 1 vor als die Formel 1. Die 20 Grand Prix im nächsten Jahr werden die bestmögliche Schule sein.

Sind Sie schon für die Formel 1 bereit?

Stroll: Williams hätte mich nicht genommen, wenn sie der Meinung gewesen wären, dass ich nicht bereit bin. Ich habe den Formel 3-Titel mit großem Vorsprung gewonnen. Das war das Ziel. Zusammen mit der Möglichkeit, ausgiebig in einem 2014er Auto zu testen, ist das der Grund, warum ich den Sitz bei Williams bekomme.

Wie konnten Sie sich in der Formel 3 auf die Formel 1 vorbereiten?

Stroll: Die Formel 3 ist schon eine gute Schule. Das Auto lehrt dich, mit viel Grip, aber wenig Power umzugehen. Du musst versuchen, mit limitierter Motorleistung den maximalen Grip zu nutzen. Natürlich ist die Formel 1 eine andere Welt. In der Formel 3 gab es ein Chassis und zwei Motorhersteller. Hier gibt es 11 Autos und 4 Motoren. Da ist jedes Detail wichtig.

Wie wertvoll sind die Testerfahrungen im 2014er Williams?

Stroll: Es ist ein guter Zwischenschritt, weil ich alle Rennsituationen und Prozeduren üben kann. Ich nehme die Saison 2017 von Rennen zu Rennen. Williams erwartet von mir, dass ich mich schrittweise steigere. Allein im Kreis zu fahren ist natürlich etwas anderes als ein Rennen. Ich werde nächstes Jahr noch viele Dinge lernen müssen. Das Reifenmanagement, das Benzinsparen. Viele Dinge kannst du nicht im Simulator oder bei Testfahrten üben. Dazu brauchst du ein Rennen.

Ist es ein Vorteil für einen Newcomer, wenn er mit einem neuen Reglement einsteigt?

Stroll: Erfahrung hilft auch da. Aber trotzdem fangen alle irgendwie bei Null an.

Wie nervös sind Sie vor ihrem ersten Einsatz?

Stroll: Die Formel 1 ist eine andere Rennserie mit anderen Kollegen, die viel mehr Aufmerksamkeit genießt als das, was ich bis jetzt gefahren bin. Ich werde aber nicht in Ehrfurcht erstarren. Ohne meine Titel wäre ich nicht so weit gekommen.

Sind Sie ein Verstappen-Typ?

Stroll: Ich will ich sein und nicht wie irgendein anderer in der Startaufstellung. Für mich ist nur wichtig, dass ich meinen Job so gut wie möglich mache.

Keine Vorbilder?

Stroll: Doch. Michael Schumacher hat mich inspiriert. Auf und neben der Strecke. Seine Rennintelligenz, seine Arbeit, sein Talent. Er war ein echter Champion und mein Idol, als ich die Formel 1 noch am Fernseher verfolgt habe.

Wer hat Sie mit dem Motorsport infiziert?

Stroll: Mein Vater. Er hat am Sonntag den Fernseher aufgedreht, wenn Grand Prix lief. Seine Passion für den Sport hat mich angesteckt. Doch am Ende war es meine eigene Entscheidung, Rennfahrer zu werden.

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