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Lando Norris - Formel 1 - GP Österreich 2021
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Max Verstappen - Formel 1 - GP Österreich 2021
Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Österreich 2021 22 Bilder

Lando Norris: „Fahre nicht besser als 2020“

Lando Norris im Interview „Fahre nicht besser als 2020“

McLaren-Star Lando Norris spricht im Interview darüber, warum es bei ihm gerade so viel besser läuft als bei Teamkollege Daniel Ricciardo. Und er erklärt, wie er seine eigene Leistung schon in der letzten Saison auf ein neues Level heben konnte.

Was haben Sie als kleiner Junge über Lewis Hamilton gedacht?

Norris: Er war ein Rennfahrer, zu dem ich aufgeschaut habe. Ich bin McLaren-Fan, seit ich mein erstes Rennen geschaut habe. Da sind er und Fernando für das Team gefahren. Ich war für Lewis, weil er Brite ist. Ich schätze, je näher ich der Formel 1 gekommen bin, desto größer wurde meine Wertschätzung ihm gegenüber.

Wie ist es, jetzt gegen ihn zu fahren?

Norris: Es ist einfach cool, gegen einen der besten Formel-1-Piloten der Geschichte zu fahren. Auf der anderen Seite kämpfe ich selten gegen ihn. Meistens ist er zu weit weg. Ich will nicht lügen. Er ist zwar Lewis, aber im Prinzip einfach auch nur ein anderer Fahrer. Ihn zu überholen, bedeutet nicht mehr als gegen andere im Feld.

Mit Daniel Ricciardo kam ein siebenmaliger GP-Sieger zu McLaren. Viele haben gesagt, er sei der erfahrene Mann, er werde das Team anführen. Wie sehr hat Sie das angestachelt?

Norris: Bestimmt ein bisschen. Aber nicht zu sehr. Ich habe bereits die Jahre davor hart an mir gearbeitet. Speziell über das letzte Jahr hinweg, und in diese Saison hinein. Aber nicht, weil Daniel mein Teamkollege sein wird. Sondern weil ich wusste, dass ich besser sein kann, wenn ich weiter an meiner Fahrweise arbeite. Und ich auch abseits der Strecke zulegen kann. Sicher hat mich sein Wechsel zum Team etwas angetrieben, aber es war mehr der Reiz zu sehen, wie ich gegen ihn bestehen werde. Zu sehen, was ich von ihm lernen kann. Was ihn so gut macht. Gleichzeitig motiviert dich jeder Teamkollege – egal wer es ist. Am Ende des Tages willst du ihn schlagen. Sei es Daniel, Carlos, Lewis, George oder sonst wer.

Lando Norris - McLaren - GP Österreich 2021 - Speilberg - Rennen
Wilhelm
In Österreich stand Lando Norris schon zum dritten Mal dieses Jahr auf dem Podium.

Was haben Sie abseits der Strecke geändert, um auf der Strecke besser zu sein?

Norris: Meine Arbeitsauffassung. Ich habe immer hart gearbeitet. Aber jetzt verbringe ich mehr Zeit mit meinen Ingenieuren, sitze häufiger im Simulator, gehe nach einem Rennwochenende viel stärker in Klausur, schaue an, was gut und schlecht lief. Ich gehe mehr ins Detail. Wenn man all die kleinen Details summiert, können sie einen großen Unterschied ausmachen. In diesem Jahr konzentriere ich mehr auf mich selbst. Verbringe mehr Zeit damit nachzudenken, wo ich mich weiter verbessern kann.

Ist das eine normale Entwicklung für einen jungen Rennfahrer oder gab es einen speziellen Moment, der Sie dazu gebracht hat?

Norris: Ich denke nicht, dass ich derzeit viel besser fahre als Ende 2020. Da hatte ich schon einen Schritt gemacht. Abu Dhabi war ein gutes Beispiel. Ich war dort sehr gut in der Qualifikation und im Rennen. Das habe ich auf jedes Rennen diese Saison übertragen. Eine große Verbesserung kommt durch die Konstanz. 2020 hatte ich einige Momente, wo ich an einem Rennwochenende so gut gefahren bin wie jetzt. Ich hatte mal ein gutes Qualifying, dann ein gutes Rennen. Aber beim nächsten Mal lief es wieder bescheidener, weil ich das Quali verhauen habe oder einen dummen Fehler im Rennen beging. Die Konstanz bringt die größte Steigerung. Da gewinne ich gegenüber jedem in der Startaufstellung. Ich bin der einzige Fahrer, der immer in Q3 war, und immer in den Punkten.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Daniel Ricciardo so strauchelt?

Norris: Nein.

Können Sie ihm helfen?

Norris: Er kann sich meine Daten ansehen. Ich weiß nicht, was er fühlt. Jeder Fahrer ist anders.

Sprechen Sie miteinander?

Norris: Ja, das tun wir immer. Aber es ist schwer. Wenn ich finde, es fühlt sich gut an, sagt er manchmal, es fühlt sich schlecht an. Und anders herum. Jeder Fahrer fährt ein Rennauto anders. Das Beste, um zu lernen, ist sich die Daten anzusehen.

Lando Norris & Daniel Ricciardo - GP England 2021
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Lando Norris stellt Teamkollege Daniel Ricciardo aktuell in den Schatten.

Liegt es an den Bremsen?

Norris: Ich würde sagen, unser Auto ist eines der besten auf der Bremse. Deshalb denke ich das nicht.

Wie sehr unterscheidet sich das 2021er Auto vom letztjährigen. Sie haben selbst gesagt, dass Sie ihren Fahrstil anpassen mussten, nicht nur Daniel.

Norris: Ich bin anfangs so gefahren, wie 2020. Und das war nicht gut. Zum Beispiel das erste Qualifying in Bahrain. Da hat mich Daniel geschlagen, weil ich zu sehr wie im letzten Jahr fuhr. Auf die falsche Weise. Daran musste ich arbeiten. Ich habe das wahrgenommen und die Weise umgekrempelt, wie ich dieses Auto fahren muss. Vieles ist ziemlich ähnlich. Aber manches eben geringfügig anders. Während des Bahrain-Rennens habe ich viel gelernt, was das Auto braucht. Im nächsten Rennen war mein Qualifying schon viel besser. Und seither habe ich stetig Fortschritte gemacht. Auch für mich war es nicht einfach. Ich habe aber das Gefühl, das ich das Auto verstehe. Ich kämpfe auch damit, immer das Maximum herauszupressen. Das Auto am Limit zu fahren. Da ist es heikel.

Also fahren auch Sie nicht immer nur aus dem Bauch heraus, und müssen nachdenken, was das Auto braucht.

Norris: Das hängt von der Strecke ab. Manchmal passt es einfach, und du bist schnell. Manchmal ist es anders – wegen des Grips, wegen Unebenheiten im Asphalt oder warum auch immer. Dann musst du mehr darüber nachdenken, wie du das Auto auf diese eine spezielle Weise fahren solltest. Wenn du das hinbekommst, kannst du konkurrenzfähig sein. Wenn nicht, ist das Auto schwer zu fahren, und du kannst das Potenzial einfach nicht ausschöpfen.

Lando Norris - Formel 1 - GP Österreich 2021
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Norris überzeug diese Saison mit unglaublicher Konstanz. Kein Fahrer hat eine längere Punkteserie vorzuweisen.

Liegt es daran, dass diese Autos inzwischen so ein schmales Arbeitsfenster haben? In Bezug auf die Aerodynamik, die Reifen.

Norris: Ich bin nicht sicher. Unser Auto scheint viel schwerer zu fahren als der Renault. So höre ich es bei Daniel heraus. Vielleicht hat er deshalb mehr zu kämpfen. Es ist härter mit unserem Auto, den Sweetspot zu treffen. Mit dem Renault scheint das einfacher gewesen zu sein. Unser McLaren ist sicher schneller. Aber das Arbeitsfenster ist kleiner. Wenn du den Punkt triffst, bist du schnell.

Wie steht es um die Motivation, wenn in den meisten Fällen zwei Red Bull und zwei Mercedes wegfahren und nur Platz fünf übrig bleibt?

Norris: Das ist frustrierend.

Weil Sie glauben, dass Sie besser sind?

Norris: Ich möchte glauben, ja. Wenn du zu Beginn eines Rennens Dritter bist, und du das Auto hast, kannst du dort bleiben. Du kannst auf das Podest kommen. Wenn ich jetzt vor ihnen liege, dann weiß ich, dass es nur ein paar Runden sein werden, bis sie mich überholen. Das ist frustrierend, weil ich mich in der Lage sehe, gegen sie zu fahren, sie zu schlagen, mir aber das Auto dazu fehlt. Die Fans beschweren sich oft, weil Mercedes und Red Bull so viel schneller sind. Aber das kommt nicht von ungefähr. Sie machen einfach einen besseren Job. Wenn du selbst aber eine gute Qualifikation fährst, sie mit einem guten Start in der ersten Runde überholst, kommt dir schon in den Sinn, dass du sie im selben Auto schlagen könntest.

Lando Norris - McLaren - GP Steiermark - Spielberg - 24. Juni 2021
Jerry André
Norris gilt als kommender Weltmeister. Der Youngster weiß aber auch, dass er das richtige Auto benötigt.

Besteht eine realistische Hoffnung, dass sich daran 2022 mit den neuen Autos etwas ändert?

Norris: Ein bisschen, aber nicht viel. Mercedes und Red Bull werden immer noch die Favoriten sein. Klar können neue Regeln dafür sorgen, dass ein Team etwas Magisches findet. Aber die zwei haben mehr Ressourcen. Sie haben mehr Möglichkeiten als alle anderen. Sie sind größer. Ich hoffe nur, dass wir zum Saisonstart nicht so weit weg sein werden. In den letzten drei Jahren haben wir beständige Fortschritte gemacht und sind ihnen Stück für Stück nähergekommen. Aber wir haben bei einem Rückstand von drei Sekunden angefangen. Mit den neuen Regeln wird es immer noch eine Lücke zu ihnen geben. Hoffentlich keine drei Sekunden, sondern nur noch eine – und dann müssen wir uns nähern. Vieles wird 2022 neu sein, aber ich denke, sie können viel übertragen. Mercedes und Red Bull haben viele clevere Leute, die wissen, wie man ein Auto baut.

Lewis ist 36 Jahre alt. Sehen wir Sie so lange in der Formel 1? Und kann auch ein Lando Norris sieben Titel gewinnen?

Norris: Darüber denke ich noch nicht nach. Das ist sinnlos. Du kannst Glück haben mit dem Team, und Rennen gewinnen. Oder du bist zwar ein guter Fahrer, sitzt aber in einem Williams oder Haas und hast einfach keine Möglichkeit auf Rennsiege. Das geht nur in einem Mercedes oder Red Bull. Ich denke nicht über Meisterschaften nach. Ich konzentriere mich auf das Hier und Jetzt und nicht auf das, was in Zukunft sein könnte. Es gibt Sachen, die außerhalb deiner Kontrolle als Fahrer liegen.

Sie fahren die schnellsten Autos der Welt, lieben aber gleichzeitig mit Golf einen Sport, in dem es gemächlich zugeht. Wie passt das zusammen?

Norris: Beim Golfen habe ich dieselbe Mentalität wie beim Rennfahren. Deshalb mag ich es. Ich bin darin zwar viel schlechter. Aber die Herangehensweise ist ähnlich wie auf der Rennstrecke. Eine Kurve zu verpatzen ist wie einen Schlag zu vermasseln. Vielleicht weil das Timing nicht stimmte. Dann kommt in der zweiten Kurve die Möglichkeit, sie diesmal perfekt zu treffen. So ist es auch beim Golfen. Du machst weiter, um das Loch bestmöglich zu Ende zu spielen. Wie Sektor eins zu versemmeln, dann aber in Sektor zwei und drei persönliche Bestzeiten zu fahren. Der Frust über einen Fehler fühlt sich gleich an. Ich bin angefressen, wenn ich eine Runde nicht hinbekomme. Ich bin sogar noch genervter, wenn mir ein Loch im Golf misslingt.

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